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Moerser Platz in Krefeld hat in Corona-Zeit von der Nachbarschaft profitiert

Mikrokosmos Krefelder Plätze : Tradition in grünem Ambiente auf dem Moerser Platz

Der Moerser Platz ist ein Mikrokosmos mit Synergieeffekten. Das Zusammengehörigkeitsgefühl ist über die Jahrzehnte gewachsen. Das hat sich den dort ansässigen Geschäften in der Corona-Zeit enorm geholfen.

„Das ist eine richtig, richtig schöne Ecke hier“, sagt Christiane van den Höövel-Matheis, die Inhaberin des Blumenladens „Die Sonnenblume“, direkt am Moerser Platz. Im kommenden Juli feiert sie hier das 25-jährige Geschäftsjubiläum. Ihr gefällt der persönliche Kontakt und Zusammenhalt der Menschen rund um den Platz: „Wir haben in der Corona-Zeit ganz klar von der Nachbarschaft profitiert, die Leute wollen, dass unser Laden weiterhin besteht“, berichtet sie dankbar von der Unterstützung vieler treuer Kunden.

Auch untereinander haben die Geschäftsleute einen freundschaftlichen Kontakt. „Der Italiener nebenan ist toll“, berichtet die Floristmeisterin aus eigener Erfahrung. Sie selbst ist ebenfalls Kundin des „Vierspitz“, dem Bioladen an der gegenüberliegenden Ecke, oder kauft gerne im Bekleidungsgeschäft nebenan.

 Im Blumenladen von Christiane van den Höövel-Matheis gibt es nicht nur Sonnenblumen, auch wenn sie dem Geschäft ihren Namen gaben.
Im Blumenladen von Christiane van den Höövel-Matheis gibt es nicht nur Sonnenblumen, auch wenn sie dem Geschäft ihren Namen gaben. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Heike Meyer bringt schon einmal mit einem Tablett Kaffee herüber oder man trifft sich in ihrem Bioladen zur Mittagszeit auf eine Suppe oder einen Salat. Sie bietet darüber hinaus nachhaltige ökologische und biologische Kleidung, recycelten Silberschmuck, aber auch Bücher an und veranstaltet hin und wieder auch Bücherlesungen. Die zugehörige Außengastronomie, die es seit nunmehr fünf Jahren gibt, bietet einen entspannenden Blick auf die alten Bäume und wird gerade bei schönem Wetter sehr gut angenommen.

 „Kleine Kostbarkeiten“ bietet Bettina Schmedes seit 15 Jahren in ihrem Bekleidungsgeschäft an. dazu gehören auch Schmuck und Accessoires.
„Kleine Kostbarkeiten“ bietet Bettina Schmedes seit 15 Jahren in ihrem Bekleidungsgeschäft an. dazu gehören auch Schmuck und Accessoires. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Heute genießt Stammkundin Waltraud Witsch-Bauer, die „nur um die Ecke wohnt“, hier eine Suppe und den leckeren Kaffee aus der Krefelder Rösterei an der Breite Straße. Ihr gefällt besonders die Zusammenstellung der Geschäfte rund um den Moerser Platz: „Sie sind individuell und ergänzen sich gut“. Sie freut sich vor allem über das Bioangebot. Der kurze Weg zur nächsten Sparkasse sei ebenfalls praktisch. So sei der Platz ein „vollständiges Viertel“, fasst Heike Meyer zusammen.

 Beate Westermann ist Stammkundin im Bio-Laden „Vierspitz“. Sie ist mit ihren Söhnen David (4) und Lorenz (11) unterwegs.
Beate Westermann ist Stammkundin im Bio-Laden „Vierspitz“. Sie ist mit ihren Söhnen David (4) und Lorenz (11) unterwegs. Foto: Bettina van Mierlo

„Man hat alles, was man braucht“, sagt auch Beate Westermann, die mit ihren beiden Söhnen und dem Familienhund gerade mit dem Fahrrad vorbeikommt. Sie ist Stammkundin im Bioladen „Vierspitz“ und im Biocafé, und ihr elfjähriger Sohn Lorenz fährt hier täglich auf dem Weg zur Schule vorbei. „Für Krefelder Verhältnisse ist der Radweg hier okay“, meint er und grinst. Seine Mutter wünscht sich „etwas Blühendes und ein paar Bänke zum Verweilen“ auf dem Platz – Letzteres wird spontan noch von vielen anderen Passanten genannt -, und der vierjährige David würde sich über Spielgelegenheiten freuen.

Bettina Schmedes betreibt seit 15 Jahren ein Geschäft mit Kleidung, Accessoires und Schmuck, das sie „Kleine Kostbarkeiten“ nennt. Sechzig Prozent ihrer Kunden seien aus dem lokalen Umfeld, aber es gebe auch Kunden aus Düsseldorf, die es zu „wertschätzen wissen, dass es inhabergeführte Läden gibt“, die im Service und in der Ansprache „netter und persönlicher auf ihre Kundschaft eingehen“ können. Für die Kunden, die zur individuellen Beratung kommen, würde sie sich einige Parkplätze auch an der Nordseite des Platzes wünschen, „am liebsten mit Parkscheibe“.

Sie erläutert, dass es „ganz klar einen Synergieeffekt“ der örtlichen Geschäfte und Gastronomie gebe. Sie habe mehrfach gesehen, dass Leute, die sich zum Essen im benachbarten italienischen Restaurant „Casa Leo“ verabredet haben, extra eine Stunde vorher gekommen seien, um mit einer Freundin in den nahe gelegenen Geschäften zu stöbern.

Die Nachbarinnen Andrea Sieburg und Irmgard Kerkmann wohnen ein paar Minuten weit weg auf dem Breiten Dyk. Sie kaufen gerne und regelmäßig in hiesigen Läden und unterstützen diese, „weil der Moerser Platz durch die Geschäfte sehr attraktiv ist und bleiben soll!“

Lediglich das Goldschmiedeatelier von Kerstin de Laar gibt es an diesem Ort erst seit eineinhalb Jahren. Trotzdem sind die Kommentare aus der Nachbarschaft durchweg positiv. Als weiteres inhabergeführtes Geschäft wurde es von Anfang an sehr gut von den Anwohnern angenommen, so auch von Irmgard Kerkmann, die gerne „für alle kleinen und größeren Dinge dorthin geht und schon so manches Geschenk gekauft hat.“

Im Winter werden auf dem Moerser Platz übrigens Weihnachtsbäume verkauft, und wie es sich für diesen traditionellen Ort gehört, bereits seit 30 Jahren von immer demselben Verkäufer.