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Mönchengladbach: Hannah Adam - Abiturientin macht Konditorlehre bei Heinemann

Abitur und trotzdem Handwerk : Champagner-Trüffel statt Wurzelziehen

Hannah Adam hat ein 2,2-Abitur. Studieren wollte sie nicht. Die 19-Jährige lernt Konditorin in der Confiserie Heinemann.

Der Vater ist Zahnarzt, die Mutter Apothekerin, der Bruder ebenfalls Mediziner – da schien der Weg der Tochter des Hauses vorgezeichnet, zumal der Abitur-Durchschnitt von 2,2 am Düsseldorfer Marie-Curie-Gymnasium ziemlich gut war. Ja, das stimmt, sagt Hannah Adam. Der Plan war, Medizin zu studieren und dereinst in die Praxis des Vaters einzusteigen. Aber dann kam in der 9. Klasse ein Praktikum in der Uni-Klinik und die Erkenntnis, wie schwer das Leid anderer Menschen zu ertragen sein kann. Jedenfalls war für die junge Frau klar: Das ist nichts für mich.

Was folgte, war eine Zeit des Nachdenkens. Wie soll die Zukunft aussehen, was tun? Weitere Praktika sollten helfen. Eins fand statt bei einer Freundin, die als Konditorin arbeitete und sich ein wenig später selbständig machte. Dort, so erzählt die inzwischen 19-Jährige, habe sie gemerkt – Kuchen, Torten, Backwerk, das ist meins. So ganz überraschend kam diese Erkenntnis allerdings nicht. Denn seit ihrer Kindheit hat sie es geliebt, mit der Großmutter Kuchen und Plätzchen zu backen. Die waren immer sehr lecker, erinnert sie sich, und sie genoss es, von der Oma zu lernen und dann für Freundinnen zu deren Geburtstagen mit der selbstgemachten Torte aufzutauchen: „Die waren immer total begeistert!“

  • Konditorei Heinemann
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Also fiel die Entscheidung: Eine Lehre im Konditorhandwerk sollte es sein. Die wollte sie dort machen, wo sie am meisten lernen kann. Also bewarb sie sich bei der Firma Heinemann, die in Düsseldorf und Krefeld für ihre Cafés mit Champagnertrüffeln und Apfeltorten berühmt ist. Nach zwei Gesprächen mit der Personalleiterin hatte sie die Stelle und ist derzeit seit mehr als einem Jahr in der Ausbildung in der Zentrale. Sobald zweieinhalb Jahre vorbei sind, will sie ihre Gesellenprüfung machen. Und dann? Ganz klar – sie will Meisterin werden. Dass sie das schafft, daran zweifelt keiner, der sie erlebt und sprechen hört. Die junge Frau strotzt vor Selbstbewusstsein. Und vor Sachkenntnis. Die Feinheiten im Lehrbetrieb hat sie bereits umfassend parat, füllt Trüffel, verziert Pralinen, pinselt rotierende Baumkuchen mit Aprikosenkonfitüre ein – das gesamte kalorienträchtige Programm der Firma.

Apropos Kalorien – wie ist das mit dem eigenen Gewicht? Sie ist 1,60 Meter groß, wiegt 50 Kilogramm – vielleicht zwei oder drei mehr als vor einem Jahr, sagt sie. Aber die Verlockung sei eben groß. Vor allem an dieser grünen Kiste, die mitten im Betrieb steht und wo nicht ganz so perfekte Stücke darauf warten, doch noch genossen zu werden. Hannah: „Da muss man echt aufpassen. Man geht vorbei, nimmt ein Stück und meint am Ende das Tages, gar nichts gegessen zu haben. Leider ein Irrtum.“

Die pure Versuchung ist allgegenwärtig in diesem Betrieb. Es duftet nach Stollen und Marzipan, halbfertige Pralinen rollen durchs Schokobad und werden mit einem feinen Strich dekoriert, auf großen Rollen rotieren Baumkuchen, auf einer Reihe von Töpfen liegen – leicht schräg – geöffnete Champagnerflaschen, damit auch der letzte Tropfen des feinen Getränks in die Mischung mit diesem wunderbaren Aroma dröppelt, aus der später Champagnegtrüffel entstehen.

Wer auf Süßes steht, hat hier sein Paradies gefunden. Mitten drin: Hannah Adam. Die gesamte Produktpalette steht auf ihrem Lehrplan, und immer noch, oder besser – immer mehr ist sie begeistert von ihrem Beruf.

Und was haben die Eltern gesagt? Hannah: „Die haben nur darauf bestanden, dass ich das Abitur mache. Danach sollte ich selbst entscheiden.“

Das hat sie getan. Heute sind auch die Eltern zufrieden, zumal sie natürlich davon profitieren, dass die Tochter der Quelle so vieler Köstlichkeiten nahe ist.

Ihr Traum? Ganz klar – ein eigenes Café. Sie vermisse den Kontakt zum Kunden, sagt sie. Denn sie als Konditor könne doch das Produkt ihrer Arbeit viel besser verkaufen, weil sie ja so genau wisse, wie es entsteht.

Der backenden Oma ist sie mehr denn je dankbar. „Ich weiß zwar heute, dass sie letztlich nur drei oder vier Kuchen wirklich konnte, aber die waren wirklich gut.“ Das waren ein Kuchen namens Rehrücken (weil er so ähnlich aussieht wie die wilde Köstlichkeit), ein Käsekuchen und Marmorkuchen. Da ist die Enkelin heute natürlich schon viel weiter.

Abgesehen von solchen süßen Sachen steht die junge Frau aber ansonsten auf eher Deftiges – alles, was vom Grill kommt liebt sie. Und die Eishockey-Cracks ihres Lieblingsvereins. Dort hilft sie schon mal ehrenamtlich aus, und neulich hat sie dort eine Torte in Form eines Eishockey-Spielfeldes verschenkt, selbstgebacken natürlich.

Der Beschenkte war total begeistert.