Modellprojekt aus Amerika: „Fellows“ helfen Lehrern im Unterricht

Krefeld: Modell aus Amerika: „Fellows“ helfen Lehrern im Unterricht

Die Idee kommt aus den USA: Assistenzlehrer helfen im Unterricht. Am Ricarda arbeitet Krefelds einzige „Fellow“-Assitentin im Deutschunterricht. Sie ist eine von knapp 50 in NRW.

Das Modell ist in den USA entwickelt worden: In Lerngruppen unterstützen „fellows“ (wörtlich: Gefährte) den Lehrer; sie leiten Gruppen, helfen bei Aufgaben oder übernehmen Lerntrainings. In Deutschland hat eine Stiftung diese Idee übernommen: die „Teach first Deutschland“. Sie vermittelt Fellows an Schulen. In Krefeld arbeitet eine dieser Fellows am Ricarda-Huch-Gymnasium, in Kooperation mit dem Kommunalen

Integrationszentrum: Sandra Zillinger unterstützt den Sprachunterricht für Schüler, die Deutsch lernen. „Wir werden mit einer dreimonatigen Ausbildung auf diese Aufgabe vorbereitet“, berichtet Zillinger.

Eigentlich hat sie Volkswirtschaftslehre studiert. Über die Stiftung wird sie nun zwei Jahre lang am Ricarda mitunterrichten und danach in einen VWL-Beruf einsteigen. Aus Sicht von Zillinger eine Win-win-Situation: „Ich sammele Erfahrungen im Umgang mit Menschen, und der Unterricht in der Schule wird intensiver.“ Die angestammten Lehrer nehmen das Angebot gern wahr. Für die Schüler ist der „fellow“ eine Chance, neue Zugänge zum Unterricht und zum Stoff zu gewinnen.

In den DaZ-Klassen („Deutsch als Zielsprache“) sitzen Zuwanderer, teils aus dem EU-Ausland, teils Flüchtlingskinder. Autoritätsprobleme oder Schwierigkeiten mit anderen kulturellen Umgangsformen und Einstellungen etwa Frauen gegenüber habe sie noch nie gehabt, sagt Zillinger. „Im Gegenteil, die Schüler sind dankbar, wenn man sich um sie kümmert.“ Sie betreut am Ricarda etwa 25 Schüler.

Den Kontakt zu der Stiftung hat Tagrid Yousef, Krefelds Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums, hergestellt. Das Programm hat noch symbolischen Wert: In NRW gibt es knapp 50 „Fellows“ an den Schulen.

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„Teach first Deutschland“ ist eine Organisation, die sich Bildungsgerechtigkeit auf die Fahnen geschrieben hat. Die Idee: Die Fellow-Quereinsteiger bringen neue Impulse in die Schulen, Lernprozesse werden durch die intensivere personelle Betreuung besser - und die Fellows selbst gehen mit einem Paket an Lebenserfahrung in ihren späteren Beruf.

Die Fellows stammen bewusst aus Nicht-Lehramtsstudiengängen und werden für die zwei Jahre ihrer Tätigkeit an weiterführenden Schulen (außer Berufskollegs) bezahlt. „Wir sind eine gemeinnützige Bildungsorganisation, die zeigt, dass Jugendliche in sozialen Brennpunkten erfolgreich sein können“, heißt es auf der Internetseite der Stiftung. Nun ist das Ricarda keine Brennpunktschule, aber die Deutschlernkurse stellen eben entscheidende Weichen für eine gelingende Integration dar.

Yousef ist Mentorin für einen weiteren Fellow: Nina Warnecke ist studierte Kulturanthropologin und arbeitet an einer Gesamtschule in Oberhausen. Auch sie berichtet wie Zillinger, dass der Kontakt zu den Schülern leicht und unkompliziert ist - auch deshalb weil die Fellows keine Noten geben müssen.

„Seitdem Schüler mir auf dem Schulhof gezeigt haben, wie man Körbe wirft, ist das Verhältnis entspannt und vertrauensvoll“, sagt Warnecke etwa. Sie ist in Oberhausen auch zuständig für Projekte, die Lehrer im Schulalltag nicht ohne weiteres entwickeln können, weil die Zeit fehlt. So entwickelt sie Partnerschaftsprojekte mit außerschulischen Organisationen, sie hat „peergroups“ ins Leben gerufen, in denen Schüler zu Mentoren für gleichaltrige Mitschüler werden; sie hat ein Fotoprojekt mit Selfies initiiert und eine Rap-Aktion angeboten, bei denen Schüler musikalische Wegbeschreibungen vornehmen - ein Ziel: den Dativ zu üben.

(vo)
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