Krefeld: Mit Kindern über den Tod sprechen

Krefeld: Mit Kindern über den Tod sprechen

Eine beeindruckende Ausstellung in der Jugendkirche widmet sich dem Tabu-Thema "Sterben". Der Ansatz ist kreativ und spielerisch.

Stirbt ein Angehöriger, bleiben Kinder während der Beerdigung oft zu Hause. Die Eltern wollen sie nicht mit dem traurigen Thema belasten. "Völlig falsch", sagt Lukasz Ratajczak von Kreta, der Etage für Aktionen und Projekte im Trägerwerk für kirchliche Jugendarbeit. "Man kann den Tod nicht einfach wegschieben und ihn zu einem Tabu machen. Kinder irritiert so eine Haltung. Sie haben viele Fragen und bekommen keine Antworten. Dabei ist es wichtig, über die eigene Endlichkeit nachzudenken und sein Leben zu hinterfragen."

Im offenen Sarg liegen Bilder von drei Verstorbenen. Ihre Geschichte wird zu Beginn erzählt. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Kreativ und spielerisch nähert sich die Ausstellung "Über den Tod (hinaus)" dem Thema "Sterben". Noch bis zum 30. September ist sie in der Jugendkirche am Viktoriaplatz zu sehen. Als Mitmachausstellung konzipiert, kann sie nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden. "Alles andere macht keinen Sinn. Es muss jemand da sein, der die entstehenden Fragen beantwortet und die Teilnehmer anleitet", erklärt Ratajczak,

Im Kasperle-Theater der Mitmachausstellung darf über den Tod herzhaft gelacht werden. Foto: Thomas Lammertz

Die Ausstellung beginnt mit einem geschlossenen Sarg. Nach dem Öffnen finden die Besucher darin Bilder von drei Toten. Jeder Verstorbene hat eine Geschichte, die erzählt wird. Dazu teilt sich die Gruppe. Während sich die erste Gruppe anschließend mit dem Kreislauf des Lebens beschäftigt, verfolgt Gruppe zwei die Spuren, die Menschen im Leben hinterlassen. Gruppe drei hinterfragt den Umgang mit dem Tod. Spielerisch nähern sich die Besucher dem schwierigen Thema. Sie sehen in Filmen, wie Menschen im Zeitraffer altern, machen Fotos von sich, die so bearbeitet werden, dass sie die Gesichter 30 Jahre älter aussehen lassen, bauen Sanduhren, lachen über den Tod im Kasperle-Theater oder sehen anhand eines Comics, wie viel Aufwand manche Menschen treiben, um vermeintlich ewig jung zu bleiben.

Viel Raum nimmt ein Spiel ein. Fragen symbolisieren die verschiedenen Lebensläufe. Je nach Antwort gibt's Punkte. Ab Spielfeld 40 lauert der Tod auf die Spieler. "Es gewinnt nicht unbedingt der, der am ältesten wird. Es kann auch sein, dass jemand früh stirbt, aber in dieser kurzen Zeit schon so viele Pluspunkte gesammelt hat, dass er am Ende Sieger ist", beschreibt Ratajczak die Regeln. Durch das Spiel soll den Teilnehmern bewusstwerden, dass jede Entscheidung Folgen hat.

Einem Härtetest müssen sich Kinder und Jugendliche unterziehen, die einen Skelett-Mann basteln wollen. Sie haben 15 Minuten Zeit, um das Männchen zu gestalten. Nur wenn sie fertig sind, dürfen sie die Figur anschließend auch mitnehmen. Doch hinter einer schwarzen Wand lauert die Ablenkung in Form von verschiedenen Internet-Filmchen. Wofür werden sich die Besucher entscheiden?

"Ich finde diese Ausstellung äußerst spannend. Sie soll nicht nur Kinderfragen beantworten, sondern auch Erwachsenen Mut machen, sich dem Tabu-Thema zu stellen", sagt Jugendseelsorger Christoph von der Beek.

(RP)