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Mit der „Neunten“ von Ludwig van Beethoven läuteten die Niederrheinischen Sinfoniker in Krefeld das Beethoven-Jahr 2020 ein.

Neujahrskonzert in Krefeld : Anderthalb Stunden pure Freude

Mit der „Neunten“ von Ludwig van Beethoven läuteten Generalmusikdirektor Mihkel Kütson, die Niederrheinischen Sinfoniker, vier Solisten und drei Chöre das Beethoven-Jahr 2020 ein.

„Keine Angst, ich werde nicht dirigieren“, erklärte der mit viel Applaus empfangene Michael Grosse dem Publikum im fast ausverkauften Theater Krefeld. Auf gewohnt launige Weise wünschte der Generalintendant im Namen aller Theaterschaffenden viel Glück, Zufriedenheit und Optimismus für das neue Jahr und überraschte mit der „Ode an die Freunde“.

Mit einer Länge von gut eineinhalb Stunden ist die Sinfonie Nr.9 d-Moll op.125 überdimensional. „Mit ihr“ – so sieht es Mihkel Kütson – „hat der Komponist sich ganz bewusst ein eigenes Denkmal geschaffen.“ Sechs Jahre – von 1817 bis 1823 – arbeitete Beethoven alleine an den ersten drei Sätzen, und lange scheute er sich, das Prinzip der Symphonik zu durchbrechen. Doch irgendwann entschied er sich, die lange geplante Vertonung von Friedrich Schillers „Ode an die Freude“ als Finale der „Neunten“ zu wählen.

Nebelhaft und grüblerisch, wie es die Partitur verlangt, eröffnete das Orchester den ersten Satz der Sinfonie. Dieser lebt von einem Wechsel wehmütiger und freundlicher Bilder – meist siegt das Traurige.

Das großangelegte Scherzo – „Molto vivace – Presto“ überschrieben  –  ist in diesem Werk  bereits der zweite Satz. Das Adagio steht wohl nicht zufällig an dritter Stelle – es soll lückenlos zum gewaltigen Finale  überleiten. Im teils fugierten Scherzo zeigte das Orchester, von Kütson mit genauester Zeichengebung vehement animiert, höchste Präzision und Klarheit in allen Instrumentengruppen.

Ganz anders der dritte Satz, in dem eine schwermütige, süße Weise der Geigen himmlischen Frieden verheißt. Diese wird in der Folge immer wieder variiert, und auch hier überzeugte das Orchester rückhaltlos.

Schade, dass Chor und Solisten nicht schon nach dem zweiten, sondern erst nach dem dritten Satz die Bühne betraten, so entstand vor dem Finale eine vom Komponisten nicht gewollte Zäsur.

Die Orchestereinleitung des Schlusssatzes beginnt mit infernalischem Lärm und zitiert Themen der ersten drei Sätze  – bis die Oboen und später die Kontrabässe die bekannte Melodie von Schillers „Ode an die Freude“ anstimmen. Doch sie wird wiederum von orchestralem Chaos überstimmt, bis Johannes Schwärsky mit mächtigem Bariton mahnte: „O Freunde, nicht diese Töne! Sondern lasst uns angenehmere anstimmen und freudevollere“.

Hier hatte dann auch der groß besetzte Chor erstmals das Wort, und er machte seine Sache hervorragend. Eingedenk der Tatsache, dass Felix Mendelssohn Bartholdy - ein Verehrer der „Neunten“ - einmal bemerkte, dass die vokalen Parts so gegen die Stimmen geschrieben seien, dass er sich eine vollendete Wiedergabe kaum vorstellen könne, ist der von Maria Benyumova und Michael Preiser optimal vorbereiteten Chorgemeinschaft höchstes Lob zu zollen. Die klangvolle Präsenz war in allen Stimmen jederzeit gegeben, und die Soprane wiesen selbst in den permanent extremen Höhen keinerlei Intonationstrübungen auf. Kütson wählte straffe Tempi, um den Protagonisten das Singen ein wenig zu erleichtern.

Das Solistenquartett zeigte sich weitgehend homogen. Neben Schwärsky sang Kairschan Scholdybajew (Tenor) mit großem Einsatz, Boshana Milkov aus dem Opernstudio beglückte mit volumenreichem, leuchtendem Alt, und Dorothea Herbert, die glücklicherweise jetzt fest zum Musikensemble des Theaters gehört und bereits als Salome in Gladbach begeisterte, überstrahlte ihre Kollegen einfühlsam mit ihrem höhensicheren Edelsopran.

Großer Beifall dankte allen Mitwirkenden – sie hatten sich bereits am Neujahrsmorgen mit all‘ ihrem Können für das Publikum eingesetzt.