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Ministerpräsident Laschet beschwört  Aufbruch für Krefeld

Zukunftskongress : Laschet beschwört Aufbruch für Krefeld

Hauptredner war Ministerpräsident Armin Laschet, als beim Zukunftskongress vor 400 Gästen Visionen für Krefeld vorgestellt wurden, die im Rahmen des „Aktionsplans Wirtschaft“ erarbeitet wurden.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hat beim ersten Zukunftskongress in Krefeld die Stadtgesellschaft dazu aufgerufen, die im Aktionsplan Wirtschaft entwickelten Visionen pragmatisch, entschlossen und unideologisch umzusetzen, ohne große Ziele wie den Klimaschutz außer Acht zu lassen. Er beschwor Aufbruchstimmung und skizzierte das dazu nötige Handlungs- und Politikideal mit den Worten „machen, was möglich ist, nicht ideologisch, nicht übertreibend, Maß und Mitte, ein Urprinzip der sozialen Marktwirtschaft, einhaltend“; eine große Idee angehen, „aber so, wie sie realistisch umsetzbar ist“. Laschet sprach vor rund 400 Gästen aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft. Beim Zukunftskongress wurden Visionen für Krefeld vorgestellt, die der „Aktionsplan Wirtschaft“ mit Fachleuten aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft in einem  eineinhalbjährigen Prozess erarbeitet hat.

Talk zur Einführung mit (v.l.) Moderatorin Sabine Heinrich, Hausherr Markus  Tölke, Oberbürgermeister Frank Meyer, IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz und IHK-Präsident Elmar te Neues. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Die Veranstaltung fand an symbolischem Ort statt: im neuen Audi-Zentrum an der Gladbacher Straße, das mit moderner Architektur beeindruckt. Der Abend verzichtete bewusst auf steife Grußworte, sondern führte über eine lockere, teils heitere, von der TV-Moderatorin Sabine Heinrich einnehmend moderierte Gesprächsrunde ins Thema ein.  Zudem lockerten zwei Image-Filme das Programm auf. Zum Auftakt  wurden die Krefeld-Visionen des Aktionsplans in einem Video vorgestellt. Wie weit der Weg ins Jahr 2030 ist, wurde an einer Stelle mit unfreiwilliger Heiterkeit deutlich: Als es in dem Film hieß „Die Straßen sind in einem hervorragenden Zustand“, brandete Gelächter und Applaus auf.

Aufbruchstimmung und ein positives Miteinander beschworen auch Oberbürgermeister Frank Meyer und Jürgen Steinmetz, Geschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein. In dem zweiten Video präsentierten beide in gegenseitigen Kurzinterviews „Goldprojekte“ für die Entwicklung bis 2030; der Refrain war jeweils: „Das sollten wir einfach mal machen“. Stadt und IHK hatten den Aktionsplan angestoßen. Meyer lobte das daraus erwachsene  „tolle  Miteinander“, da in dem Arbeitsprozess Leute miteinander geredet hätten, die sonst nur übereinander redeten. Dass der Weg zur perfekten Zusammenarbeit dennoch weit ist, machte eine Bemerkung von IHK-Präsident Elmar te Neues deutlich. Als er ein Lob der Kooperation von Stadt und Wirtschaft  im Rahmen des Aktionsplans mit den Worten „die Zusammenarbeit mit der Verwaltung ist manchmal nicht ganz einfach“ einleitete, brandete wiederum Gelächter und Applaus auf.

Laschet eröffnete seine 28-minütige Ansprache augenzwinkernd mit einer Anspielung auf seine Kandidatur für den CDU-Bundesvorsitz und die Kanzlerkandidatur: „Ich will heute über die K-Frage reden, nämlich über Krefeld“ – der Saal reagiert mit Applaus und Gelächter. Indirekt gab er dann doch eine Visitenkarte für den Bundespolitiker Laschet ab: Er ging auf europäische und internationale Probleme ein. Das Thema Krefeld band er immer wieder geschickt ein, denn die Stadt sei eine „Industriestadt mit vielen internationalen Bezügen“.

Laschet sprach über den Brexit und die Herausforderung, bis Ende des Jahres einen Handelsvertrag mit den Briten unter Dach und Fach zu bringen. Er sprach über die Belastungen der Corona-Krise für die Menschen und für die Weltwirtschaft. Er erwähnte Handelskonflikte zwischen den USA und  China oder Europa, zumal dem exportorientierten Deutschland, und er ging auf die Herausforderung ein, die Energiewirtschaft nach einem Jahrhundert herkömmlicher Industrie umzubauen – ein für NRW existenzielles Projekt, weil das Land viel energieintensive Industrie hat.

Er wies auf das Problem, dass bei diesem Umbau „alle Energieformen unter irgendeinem Kritikverdacht“ stehen und sich allerorten Bürgerproteste gegen dringend benötigte Stromtrassen richteten. Er brach eine Lanze für die deutsche Autoindustrie und wunderte sich über die „Häme“ gegenüber einer Industrie, die auch für NRW eminent wichtig sei: „In einem BMW stecken 30 Prozent NRW“, sprich Produkte aus NRW-Zulieferbetrieben, betonte er. „Kein anderes Land der Welt“, sagte Laschet unter Applaus, „würde so über seine Schlüsselindustrie reden, wie wir das tun.“ Er kritisierte das Verbandsklagerecht, wonach Verbände gegen bereits geprüfte Projekte wie das Tesla-Werk in Brandenburg klagen dürften. Wenn das so bleibe, „dann sind Großprojekte in unserem Land bald nicht mehr möglich“. Generell mahnte er eindringlich, Planungs- und Genehmigungsverfahren zu vereinfachen und schneller zu machen, „selbst die Energiewende braucht mehr Tempo“. Laschet warnte für den Fall, dass das nicht gelingt, vor einer schleichenden Abwanderung der Industrie in andere Länder, wo dann Produkte unter schlechteren Klimabedingungen hergestellt und nach Deutschland verkauft würden. So werde zwar Deutschlands Klimabilanz besser, aber nicht die der Welt. Spitzentechnologie, so sein Credo, muss auch aus Gründen des Klimaschutzes in Deutschland bleiben; „wir wollen“ sagte er, „Stahl auf Dauer CO2-frei herstellen“.

Den Aktionsplan Wirtschaft würdigte Laschet indirekt als eine Art Blaupause für Aufbruchstimmung: Das,  was Krefeld sich für das Jahr 2030 vornehme, sei getrieben von den Möglichkeiten, die man habe, aber mit Ambitionen und Visionen für die Zukunft – als Projekt, „an dem auch alle mitwirken wollen“. Er wünschte der Stadt, dass vieles vom Aktionsplan umgesetzt wird, dass vom Zukunftskongress „genau diese Dynamik ausgeht“,  und er schloss unter starkem Applaus mit den Worten: „Wenn es in  Krefeld aufwärts geht, hilft es dem ganzen Land.“