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Duell in Krefeld: Minigolf - vom Weltranglistenersten gedemütigt

Duell in Krefeld : Minigolf - vom Weltranglistenersten gedemütigt

Unser Autor Patrick Scherer hat ein paar private Erfolge im Hobby-Minigolf vorzuweisen. Nun suchte er eine neue Herausforderung. Gegen den Weltranglistenersten Markus Janßen trat er im Uerdinger Stadtpark an – und versagte.

Unser Autor Patrick Scherer hat ein paar private Erfolge im Hobby-Minigolf vorzuweisen. Nun suchte er eine neue Herausforderung. Gegen den Weltranglistenersten Markus Janßen trat er im Uerdinger Stadtpark an — und versagte.

Blut und Minigolf. Ja, das passt tatsächlich zusammen. Zumindest in meiner Sport-Vita. Es war ein lauer Sommerabend auf einer Minigolf-Anlage in Nürnberg, Ende der 80er Jahre. Der kleine Patrick holte an einer Bahn, irgendeiner bei der man eigentlich nicht mal sonderlich viel Kraft brauchte, mächtig aus. Er traf seine Mutter, die sich — ihren satansbratigen Sohn kennend — schlecht positioniert hatte, mit dem Schläger an der Oberlippe. Einen Krankenhausbesuch und vier Stiche später saß ich Zuhause. Das sind meine ersten Erinnerungen an Minigolf.

Danach ging es aber stetig bergauf. Ich bereitete meinen Gegnern fortan keine körperlichen Schmerzen mehr, sondern seelische. Freunde und mein Vater (Mutter hatte ihr Minigolf-Karriere merkwürdigerweise beendet) können von vernichtenden Niederlagen berichten. Doch nun hatte ich endlich einen Gegner auf Augenhöhe gefunden: den Weltranglistenersten. Markus Janßen. Der Krefelder führt die Rangliste der Senioren Ü45 der World Minigolf Federation an.

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Auswärtsspiel

Wir hatten uns im Stadtpark in Uerdingen verabredet, Markus Janßens Heimatbahn. Auswärtsspiel für mich also. Trotz meiner glorreichen Siege im Gepäck hatte ich deshalb auch die Möglichkeit einer Niederlage in Betracht gezogen. Dennoch war ich überzeugt, Paroli bieten zu können. Die ersten Punkte landete Markus allerdings schon vor dem ersten Schlag. Das Outfit teilte uns klar in zwei Kategorien, in Sport- und Hobby-Minigolfer. Während der Angeber sogar seinen Trainingsanzug der Deutschen Minigolf-Nationalmannschaft anhatte, kam ich im klassischen Straßenlook in Jeans und Sweater daher.

Auch beim Material trennten uns Welten: Ich besorgte mir beim Platzwart — ganz Otto-Normalo — einen Chromstahlschläger mit Plastikkappe ("damit die Bahnen nicht kaputtgehen") und einen Ball. Beim Blick auf das Spielgerät meines Gegenübers wurde ich erstmals etwas bleich im Gesicht. Ergonomischer Spezialgriff, Graphitschaft und gummierte Schlagfläche. Oha! Auch das mitgeführte Täschchen beeindruckte. Etwa 30 Bälle in verschiedenen Farben, Größen und unterschiedlicher Beschaffenheit strahlten mich an.

"Wie viel Bälle hast du denn insgesamt?" "Irgendwas um die 1000." Mein Bedenken wuchs, ich ließ es mir aber nicht anmerken, denn kurz zuvor bekam ich von Markus erklärt: "Psychologie und mentale Stärke sind Teil des Minigolfs." Der 49-Jährige plauderte von großen Turnieren und taktisch eingesetzten Emotionen, um den Gegner zu beeinflussen. "Ich kann immer noch ein Stück lauter jubeln als die anderen, wenn es sein muss!"

Was zählt, ist auf der Bahn

Naja, dachte ich mir, was zählt, ist auf der Bahn. Während ich meinen Ball im Abschlagfeld platzierte, wanderte mein Auge über die Bahn. Markus lief den gesamten Streckenverlauf mit einem orangefarbenen Putzwedel bewaffnet ab. "Machst du jetzt einen auf Hausmann?" "Ne. Aber ich muss den Dreck beseitigen. Sonst läuft der Ball nicht richtig. Normal macht das der Platzwart." "So so. Wenigstens bist du als Weltranglistenerster bodenständig geblieben!"

Nun zählte es. Die Bahn war relativ simpel gestaltet. Der Ball musste eine etwa 20 Zentimeter breite Rampe nach oben rollen und in einen Schacht fallen. Mein erster Versuch: Die Rampe verfehlt. Mist! Der zweite: Treffer. Na also! Markus musste nachziehen. Erster Versuch: Rampe getroffen, aber etwas zu schwach. Zweiter Versuch: Treffer. So viel besser ist er also nicht, dachte ich mir. Doch Pustekuchen. Während ich für die nächsten sechs Bahnen insgesamt 28 Schläge benötigte, brauchte Markus gerade einmal elf. Es war vernichtend. Ich musste einsehen, meine Grenzen werden mir hier gerade deutlich aufgezeigt.

Training auf fachchinesisch

Also beschloss ich, die restlichen Bahnen als Trainingseinheit zu nutzen. "Was mache ich falsch?" "Du musst mit deinem Hintern etwas weiter nach unten. Wir machen schließlich Sport." Markus versuchte sich fortan als Trainer — mit mäßigem Erfolg. Was einerseits an meinem insgesamt zu Tennis-lastigen Bewegungsablauf lag. Andererseits an dem vorausgesetzten Fachchinesisch: "Der Ball läuft über." Welcher Nation schließt er sich denn an? "Das ist eine Scherenbahn." Kann ich aufgrund meines Nachnamens da besonders gut spielen? "Die Bahn hat Zug." Hoffentlich erkältet sie sich dann nicht.

Doch nach und nach wurden die Ergebnisse besser, auch wenn wir das Zählen mittlerweile aufgegeben hatten. Markus weihte mich schließlich noch in echte Minigolf-Geheimnisse ein: "Der direkte Weg ist oft nicht der richtige." Und: "Das Material ist entscheidend. Mit den normalen Schlägern und Bällen ist bei manchen Bahnen, egal wie gut man schlägt, kein Ass möglich." Puh! Das beruhigte mich etwas. Als geschlagener Mann verließ ich die Anlage. Vielleicht hatte ich einfach — typisch für meine Minigolf-Vita — eine zu dicke Lippe riskiert.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Krefeld: Vom Minigolf-Ass gedemütigt

(erer)