Krefeld: Mieten bleiben niedrig

Krefeld : Mieten bleiben niedrig

Die Mieten in Krefeld sind in den vergangenen fünf Jahren weniger stark gestiegen als die Inflationsrate. Das geht aus dem neuen Mietspiegel hervor. Er beseitigt jahrelange Rechtsunsicherheit.

Nach fünf Jahren haben Mieterverband und Hauseigentümerverband Haus und Grund jetzt einen neuen Mietspiegel für Krefeld vorgelegt. Ausgewertet wurden mehr als 800 neu abgeschlossene oder durch Mieterhöhung veränderte Mietverträge aus den zurückliegenden vier Jahren.

Wichtigste Erkenntnis: Für den Großteil der Krefelder Mietwohnungen gab es in den vergangenen fünf Jahren äußerst moderate Mietpreiserhöhungen. So stiegen die Mietpreise für mindestens 20 Jahre alte Wohnungen in der Wohnlage A (Innenstadt) gegenüber dem Mietspiegel 2006 um maximal zwei Prozent. Höhere Steigerungen verzeichneten Wohnungen in Häusern, die nach 1992 gebaut wurden. Dort liegen die Mietpreise derzeit zwischen 7,00 Euro und 7,50 Euro pro Quadratmeter. Das sind gegenüber dem Mietspiegel 2006 Steigerungsraten von 4,2 bis 4,5 Prozent. Selbst das liegt noch deutlich unter der Inflationsrate der vergangenen fünf Jahre.

Für Wohnungssuchende bietet der amtliche Mietspiegel lediglich eine erste Orientierung. Denn bei Neuvermietungen sind die Eigentümer nicht an den Mietspiegel gebunden. Dort gab es seit 2006 Mietpreiserhöhungen zwischen fünf und acht Prozent. Für alle aber, die bereits eine Wohnung haben, wird der Mietspiegel zum wichtigen juristischen Fixpunkt. Wenn Mieter und Eigentümer uneins sind, ob eine Mieterhöhung rechtens ist, zählt der Mietspiegel vor Gericht als Beweismittel erster Wahl.

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Diese Sicherheit war in der Vergangenheit in Krefeld nicht gegeben: Das Gericht erkannte den alten Mietspiegel nicht mehr an. Grund: Die Datenbasis war zu alt. Eigentlich muss alle zwei Jahre ein neuer Mietspiegel vorgelegt werden. So musste bei gerichtlichen Auseinandersetzungen in Krefeld stets ein Gutachten angefordert werden. "Das kostete schnell bis zu 1500 Euro", sagt Michael Heß, Geschäftsführer des Hauseigentümerverbandes Haus und Grund.

Er kritisiert, ebenso wie Kai-Uwe Springer, Geschäftsführer des Mieterverbandes Niederrhein, die Stadt Krefeld. "Anders als in anderen Kommunen beteiligt sich die Krefelder Verwaltung überhaupt nicht an dem Mietspiegel."

Der aktuelle Mietspiegel gibt auch Auskunft über die Ausstattung der Wohnungen. Enthielt der Mietspiegel von 2006 beispielsweise noch Richtwerte für Wohnungen ohne zentrale Heizung oder ohne Bad/Dusche, taucht diese Rubrik im neuen Mietspiegel nicht mehr auf. "Der Bestand an solchen Wohnungen tendiert in Krefeld gegen null", sagt Heß. Einige Kommunen, zum Beispiel Darmstadt und Berlin, erfassen mittlerweile den energetischen Zustand des Gebäudes als Kriterium. So weit ist Krefeld noch nicht. Allerdings führt der Mietspiegel entsprechende Zu- oder Abschläge auf. Bei einer überdurchschnittlichen energetischen Beschaffenheit darf der Vermieter acht bis 15 Prozent auf den Richtwert der Miete aufschlagen. Fehlt beispielsweise eine Isolierverglasung, kann der Mieter auf eine Reduzierung von vier bis sechs Prozent bestehen.

(RP)
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