Krefeld: Mies: Weltarchitektur in neuem Glanz

Krefeld : Mies: Weltarchitektur in neuem Glanz

Die Alte Schlichterei im Bauhaus-Stil auf dem früheren Verseidag-Gelände ist saniert und vermietet. Damit ist ein großer Schritt zum Erhalt der weltweit einzig verwirklichten Industriearchitektur Ludwig Mies van der Rohes gemacht.

Von einem Meilenstein in der Entwicklung des "Mies van der Rohe Business Parks" in Krefeld sprach gestern Wolf-Reinhard Leendertz bei der Vorstellung der aufwendig sanierten Alten Schlichterei an der Girmesgath. Die Bauhaus-Immobilie als ein Teil der früheren Verseidag-Gebäude aus der Urheberschaft des weltberühmten und von den Nazis geächteten Architekten Mies van der Rohe ist ab dem 1. März an die schwedische Aktiengesellschaft VBG Group Truck Equipment GmbH vermietet, die von Krefeld aus den weltweiten Vertrieb ihrer Produkte organisiert. Die vielleicht bekannteste Marke der Skandinavier heißt Ringfeder und besteht im Wesentlichen aus unterschiedlichen Anhängerkupplungssystemen für Lastkraftwagen.

Acht Hektar ist das Areal zwischen Girmesgath und Weyerhofstraße groß, das Leendertz vor wenigen Jahren erworben hat. Fünf Millionen Euro will der Unternehmer am Standort investieren und dabei nicht nur auf die Rendite achten. Er und Architekt Georg van Houwald kündigten gestern an, zahlreiche Flächen einer kommerziellen Nutzung zu entziehen, um der einzigartigen Wirkung des Industriedenkmals gerecht zu werden.

Im Laufe der Zeit sei zum Beispiel die mit Shed-Dächern ausgestattete Alte Färberei durch zahlreiche Anbauten und Erweiterungen verschandelt worden. "Wir möchten die Hallen als Solitär wieder in den Ursprungszustand nach den Vorstellungen Mies van der Rohes versetzen", erklärt von Houwald und zeigt auf alte Fotos — "unsere Vorbilder". Die Anträge auf Genehmigung des Abrisses überflüssiger Anbauten mit 1600 Quadratmetern Grundfläche lägen der Stadt vor. Auf weiteren 600 Quadratmetern soll ein Bodendenkmal sichtbar gemacht werden. Es gebe dort ein interessantes Entwässerungssystem aus Gräben, Feststellösen und Ankern, über die das verschmutze Abwasser zur Hochzeit der Seidenweberei abgeleitet worden sei, berichtet von Houwald. "Wir denken daran, die Flächen zu begrünen und auch als fußläufige Erschließung für hintere Grundstücksteile zu nutzen.

Die beiden Protagonisten steckten die zur Eröffnung und Vorstellung gekommenen Gäste — darunter die Bundestagsabgeordneten Otto Fricke (FDP) und Sigmund Ehrmann (SPD) — mit ihrer Euphorie und ihrem Elan für das Erbe Mies van der Rohes an. Bei den Krefelder Bundespolitikern war es ihnen schon zuvor gelungen. Über die Fraktionsgrenzen hinweg hatten sich die Abgeordneten für die Bereitstellung öffentlicher Mittel bei der Sanierung der Denkmäler mit Erfolg eingesetzt. "Allein die Erneuerung der streng geometrischen Stahlfensterrahmen hat rund 200 000 Euro gekostet", informierte Leendertz.

Zur Belebung des Business Parks trägt der Unternehmer noch auf eine zweite Weise bei: Er verlässt bis Ende des Jahres seine Außenstandorte in Hüls, Duisburg und Wuppertal und konzentriert die Aktivitäten seiner Firma Krago (Krahnen & Gobbers), die unter anderem Klettbänder und Klettverschlüsse herstellt, an der Girmesgath. Derzeit seien rund 50 Prozent der Flächen zukunftsfähig vermietet, auf 80 Prozent soll die Quote in den kommenden drei Jahren steigen.

Um dieses Ziel zu erreichen, ist zum Beispiel die Nutzung des alten E-Werks neben dem 1000 Quadratmeter großen Kesselhaus direkt am Eingang für einen Restaurationsbetrieb vorgesehen. Kopfsteinpflaster und Grün sollen das Ambiente für eine Außengastronomie optimieren und die Eingangssituation verschönern.

(RP)