Krefeld : Mies, mon amour

Zum 125. Geburtstag von Ludwig Mies van der Rohe veranstalten die Kunstmuseen Krefelder Architekturtage. Vier der großen Bauwerke des Bauhaus-Meisters stehen in Krefeld. Eine Annäherung an Mies, sein Werk, seine Frauen.

Er ist der Mann mit der Zigarre. In staatsmännischer Pose ist Ludwig Mies van der Rohe auf mehr Fotos zu sehen als mit Zeichenstift und Baumodell. Er war sich seiner Wirkung offenbar bewusst. Schon früh hat der Mann, der zu der Handvoll großer Architekten der Klassischen Moderne zählt, sich für Dauerhaftigkeit und Klarheit entschieden – und eine Handschrift mit hohem Wiedererkennungswert gepflegt. Aus Beton, Eisen und Glas hat er seine Philosophie des "Weniger ist mehr" umgesetzt. Seine "Haut- und Knochenbauten" waren bahnbrechend in der Architektur der 1910er bis '30er Jahre. Dafür wurde er geliebt, gehasst und ungezählte Male kopiert. Von den den elf erhaltenen bedeutenden Projekten stehen "dreieinhalb" in Krefeld: Die Stadtvillen Esters und Lange, das Industriegebäude der Verseidag und am Talring die Villa Heusges, bei der die Forschung noch nicht alle Zweifel an Mies' Urheberschaft zerstreut hat. Seinen 125. Geburtstag am 27. März nehmen die Kunstmuseen zum Anlass für "mehr mies. Krefelder Architekturtage", die am Freitag starten.

Pulsierende Avantgarde in Berlin

Als jüngstes von fünf Kindern des Steinmetzes Michael Mies ist Ludwig 1886 in Aachen geboren worden. Zeitgenossen beschreiben ihn als Einzelgänger, der mit großem Talent zeichnete. Mit 19 suchte er die Herausforderung und ging nach Berlin, wo er als Zeichner im Büro des Architekten Bruno Paul arbeitete, zeitgleich mit Walter Gropius und Le Corbusier, und sich an der Kunstgewerbeschule und der Hochschule Hochschule für Bildende Künste einschrieb. Es war die Zeit des Aufbruchs, die Avantgarde pulsierte – und die Suche nach neuen, reinen Formen des Bauens hat auch den jungen, ehrgeizigen Mies gepackt.

Die Frauen, die Mies liebten, haben auch seiner Karriere Anstöße gegeben. 1912 eröffnete er sein erstes eigenes Büro. Für finanzielle Sicherheit sorgte die Ehe mit der vermögenden Unternehmenstochter Ada Bruhn. 1921 trennte er sich von ihr – und ergänzte seinen Namen. "Rohe" ist der Geburtsname seiner Mutter, aber vermutlich wollte Mies mit dem Wort "roh" auch an seine Ideologie vom "puren, unverfälschten Stil" anspielen. "MvdR" wird zum Markenzeichen. Seine skelettartigen Hochhäuser erregen Aufsehen. Er ist bereits Präsident des Deutschen Werkbundes, als der Unternehmer Hermann Lange ihn nach Krefeld holt. Von 1927 bis zu seiner Übersiedelung 1938 nach Chicago entwirft Mies acht Projekte für Lange – unter anderem auch ein Wohnhaus für den Lange-Sohn Ullrich. Das wurde ebenso wenig verwirklicht wie ein Gebäude für den Golfclub Traar oder ein Atelierhaus für Emil Nolde. Seit 1930 leitet mies das Bauhaus in Dessau.

Und wieder wird eine Frau wichtig: Lilly Reich, die er an seinen Konzepten vor allem für Möbel beteiligt. In den Erinnerungen der Familie Lange gilt Reich als "die Innenarchitektin".

(RP)
Mehr von RP ONLINE