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Krefeld: Mies-Haus auf dem Egelsberg

Krefeld : Mies-Haus auf dem Egelsberg

Ein nie verwirklichtes Bauprojekt soll 43 Jahre nach dem Tod des Architekten Mies van der Rohe auf dem Egelsberg realisiert werden. Auf 80 mal 80 Meter wird das ab Mai 2012 das geplante Golf-Clubhaus als Modell aufgestellt.

Der Verein "Mies van der Rohe in Krefeld" will im kommenden Jahr ein nie gebautes Architektur-Projekt als Modell in Originalgröße realisieren. Das Modell des Krefelder Golfclubs von etwa 80 mal 80 Meter Breite soll von Mai bis Oktober 2012 auf dem Egelsberg und somit am ursprünglich geplanten Standort errichtet werden. Das "Golfclub-Projekt" ist eines der ersten Ziele, die sich der neue Verein "MIK - Mies van der Rohe in Krefeld" vorgenommen hat. Die Stadt Krefeld hat bereits ihre Genehmigungen erteilt. Da es sich um ein Landschaftsschutzgebiet handelt, muss noch die Landesregierung in Düsseldorf zustimmen.

Christiane Lange gestern beim Pressegespräch. Foto: Thomas Lammertz

Damals zu teuer

Der Architekt Mies van der Rohe (1886 bis 1969) hatte sich in den 1920er Jahren an einem Wettbewerb für den Krefelder Golfclub beteiligt, wie die Vereinsvorsitzende Christiane Lange gestern in Krefeld erläuterte. Aus finanziellen Gründen wurde der Bau nicht realisiert. Grundrisse werden noch bis morgen zum Tag der Architektur im Museum Haus Lange gezeigt.

Konkrete Details nannte der Verein schon gestern: Die Besucher müssen sich den Weg zum nördlich vom Flugplatz liegenden, kreuzförmigen Clubhaus "erlaufen." Sie werden es von weitem auf dem Acker im Landschaftsschutzgebiet stehen sehen, nur 100 Meter vom ursprünglich ausersehenen Bauplatz entfernt, wo aber jetzt Naturschutzgebiet ist. "Das Haus ist auf die Landschaft bezogen, es steht im Dialog mit der Landschaft", sagte Christiane Lange. Das weiße Modell wird aus Sperrholz, Beton und Stahl errichtet. Es wird keine Fenster und Türen haben und soll Tag und Nacht zugänglich sein. Mies van der Rohes Unterlagen zu dem Entwurf wurden zum großen Teil im Museum of Modern Art (Moma) in New York aufgefunden, wie es hieß.

Für den Aufbau müsse der belgische Star-Architekt Paul Robbrecht noch Einzelheiten festlegen, die aus den Entwürfen nicht hervorgingen. Die Zeichnungen ließen zahlreiche Vermutungen zu. "Wir rechnen mit Kosten von 500 000 Euro", sagte Lange. Neben Geldern seien auch schon zahlreiche Sachspenden zugesagt.

Für den begehbaren Modell-Bau sucht der Verein auch noch Sponsoren. Mit etwa 500 000 Euro Kosten rechnet man, 60 Prozent davon, auch an Sachspenden, sind schon sicher. 2012 ist auch das Jahr der 13. Documenta, nicht nur aus diesem Interessenten-Kreis erwartet man auch Besucher auf dem Egelsberg.

Die Krefelder Kunsthistorikerin Christiane Lange, eine Enkelin des Seidenfabrikanten Hermann Lange, der sich zusammen mit seinem Freund Esters die Villen von Mies bauen ließ, befasst sich schon lange mit dem Architekten und seinem Umfeld. "Wir wollen uns den Entwürfen von Mies historisch widmen und unsere Erkenntnisse gleichzeitig für die Gegenwart nutzbar machen, indem wir eine Identifikation mit der Stadt ermöglichen", sagte sie.

(RP)