Krefeld: Mies – Bauherr der Seidenbarone

Krefeld : Mies – Bauherr der Seidenbarone

Christiane Lange stellt an diesem "mehr-mies-Wochende" ihr neues Buch vor. Die Enkelin des Bauherrn von Haus Lange präsentiert Bauten des Bauhaus-Architekten Ludwig Mies van der Rohe für die Seidenindustrie.

So weit will Christiane Lange nicht gehen: Dass Mies van der Rohe ohne die Familie Lange so gewesen wäre wie Michelangelo ohne die Medicis, das widerlegt die Urenkelin von Hermann Lange (1874 -1942) auch in ihrem neuen Buch, das sie heute Abend im Haus Lange vorstellt. Schon der Titel "Ludwig Mies van der Rohe — Architektur für die Seidenindustrie" sagt aus, dass der Architekt nicht nur für Hermann Lange baute.

"Seine Krefelder Freunde" nannte Mies den Kreis von industriell-kulturell vernetzten Persönlichkeiten, die sich im Lebensstil, also auch in Kunst und Architektur von der gestaltenden Avantgarde ihrer Zeit beeinflussen ließen.

Hermann Lange, Verseidag-Gründer und Kunstsammler, war sicher kein Mäzen, aber die treibende Kraft. Im Verein Deutscher Seidenwebereien saß Hermann Lange im Vorstand, für die Ausstellung "Die Mode der Dame" (1927) entwarfen Mies und dessen Lebensgefährtin Lilly Reich das Café "Samt & Seide", dessen Raumgliederung mit Stoffen ausgeführt, und mit den gerade entwickelten "Freischwingern" möbliert war. Auch für den von ihm gebauten "Barcelona-Pavillon" auf der Weltausstellung 1929 konzipierte Mies die Ausstellung "Deutsche Seide".

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Aufträge für die Verseidag

Für Hermann Lange und dessen Freund Josef Esters baute Mies die Villen an der Wilhelmshofallee, die heutigen Museen. Der "Deutsche Werkbund" gehörte zu den Einflussszenen, und der Krefelder Museumsdirektor Max Creutz war ein maßgeblicher Kontaktgeber. Lange war Mitbegründer des Vereins "Neue Kunst", auch Rudolf Oetker (1876 - 1930), ebenfalls zur Verseidag gehörend und Kunstsammler, war beteiligt.

So kam Mies zu Aufträgen für die Verseidag, für das Färberei- und Herrenfutterstoffe-Gebäude, aber das geplante Verwaltungsgebäude wurde nicht mehr realisiert. Auch das Clubhaus für den Krefelder Golfclub auf dem Egelsberg — Rudolf Oetker war zuerst Vorsitzender, später Hermann Lange — ist nicht gebaut worden.

Mies und Lilly Reich schufen für die Lange-Tochter Mildred und deren Mann Carl Wilhelm Crous eine Wohnungseinrichtung in Berlin. Für Ulrich Lange entwarf Mies 1934/35 ein Landhaus am Rande des Egelsbergs, das jedoch nicht mehr realisiert wurde. Christiane Lange hat sich auch mit dem "Haus Heusgen" (1932) am Egelsberg auseinandergesetzt.

Viele stilistische Eigenarten sprechen für sie dafür, dass es von Mies geplant, aber von anderen ausgeführt wurde. Eindeutige Quellen-Belege für die Mies-Autorenschaft fehlen jedoch. Für die nicht ausgeführten Mies-Bauten zeigt Christiane Lange in ihrem Buch Computervisualisierungen und macht die Innenräume so optisch erlebbar.

Die Autorin forschte in Mies-Archiven, auch im MoMA (Museum of Modern Arts) in New York, und legt offen, wie zwischen 1927 und 1938 in Krefeld ein kulturelles Klima entstand, das die progressiven Entwicklungen der Zeit förderte. Und dessen Architektur gewordene Folgen und Ergebnisse noch heute der Stadt zur Ehre gereichen.

(pen)