Krefeld: Messer eröffnet Kompetenzzentrum

Krefeld: Messer eröffnet Kompetenzzentrum

Was lange währt, wird endlich gut: Vor sechs Jahren hat der Industriegasehersteller Messer seine Planung für die Errichtung eines Kompetenzzentrums in die Schublade verbannt. Es galt den Konzern durch wirtschaftlich angespannte Zeiten zu führen. Das gelang. Nunmehr steht auch die feierliche Eröffnung des Innovation-Centers bevor.

Es ist soweit: Industriegasespezialist Messer eröffnet am Mittwoch, 6. Juni, sein technisches Kompetenzzentrum in Krefeld. Das Zentrum entstand aus der Zusammenführung verschiedener Technika in Deutschland und Europa.

Ehrengäste bei der Einweihung sind der Physiker und Nobelpreisträger Dr. Dr. Georg Bednorz - einer der Entdecker der supraleitenden Keramik - sowie Stefan Messer, Eigentümer und Chef der Messer Gruppe. Rund 25 Experten aus Anwendungstechnik, Forschung und Entwicklung betreuen im Kompetenzzentrum von Messer am K2 Tower und Industriepark der Jagenberg AG an der Kleinewefersstraße in Krefeld Gasetechnologien für die Industriebranchen Chemie/Umwelt, Industrie, Lebensmittel sowie Schweißen und Schneiden. Die Ausrüstung des Zentrums umfasst unter anderem mit tiefkaltem Gas betriebene Mahlanlagen, Gefriertunnel und schweißtechnische Anlagen. Die zentrale Gaseversorgung ermöglicht auch Versuche in großtechnischem Maßstab. Neben der Arbeit an kundenspezifischen Anwendungen soll das Kompetenzzentrum auch der Ausbildung dienen und den Kunden und Partnern von Messer für fachspezifische Veranstaltungen und Symposien zur Verfügung stehen.

Vom Krefelder Gahlingspfad aus steuert der weltweit größte privat geführte Industriegasespezialist seit 2004 die Zentralfunktionen Kommunikation, Logistik, Engineering und Produktion sowie Anwendungstechnik mit rund 80 Mitarbeitern.

Die Verbundenheit zum Krefelder Standort geht bis ins Jahr 1938 zurück. Damals nahm Messer sein erstes Abfüllwerk in Krefeld in Betrieb. Die Eröffnung der technischen Zentrale am Fütingsweg folgte im Jahr 1992. Der Umzug der Geschäftsaktivitäten in die alte Samtweberei am Gahlingspfad erfolgte 2004.

Für Versuche im Bereich Kaltmahlen und Recycling eröffnete der Industriegasespezialist 2005 ein Technikum in Willich. 2007 folgte ein Technikum für die Entwicklung neuer Technologien im Bereich Schweißen und Schneiden in Krefeld. Messer plant, all diese Aktivitäten in einem europäischen Forschungs- und Entwicklungszentrum für alle Gasetechnologien in Krefeld zusammenzuführen. Konkrete Planungen wurden 2012 wegen des ungünstigen wirtschaftlichen Umfelds zunächst nicht weitergeführt.

Seit Anfang des vergangenen Jahres hat die Planung wieder an Fahrt aufgenommen: Das Technikum Schweißen und Schneiden ist im Juni 2017 bereits in neue Räume im Industriegebiet K2 an der Kleinewefersstraße umgezogen. "Bis Ende des Jahres sollen hier Räumlichkeiten für alle Anwendungsbereiche zur Technologie-Entwicklung entstehen. Entsprechende Vorbereitungsmaßnahmen laufen derzeit auf Hochtouren", sagte Adolf Walth, Mitglied der Geschäftsführung bei Messer, seinerzeit. Zusätzlich stehen überdachte Flächen zur Lagerung und Vorbereitung von Anlagenteilen zur Verfügung.

Jetzt sind es rund sechs Monate mehr geworden. Zur Eröffnung spricht Nobelpreisträger Bednorz. Nach den Veröffentlichungen und der Preisverleihung an ihn und seinen Kollegen Karl Alexander Müller beschäftigten sich viele Wissenschaftler mit Forschungen zu dem von ihm entdeckten Phänomen. Viele neue Materialmischungen wurden untersucht und immer höhere Sprungtemperaturen erreicht, so dass bald preiswerter Flüssigstickstoff zur Kühlung für die Supraleiter ausreichte. Verlustfreie Stromübertragung konnte so praktisch erprobt werden. In Essen ist seit 2014 eine supraleitende Hochspannungsleitung erfolgreich in Betrieb.

(sti)