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Messen fallen aus: Was ist mit der Sonntagspflicht, Herr Regionalvikar?

Corona und Kirche : Messen fallen aus: Was ist mit der Sonntagspflicht, Herr Regionalvikar?

Die katholischen Kirchen lassen Gottesdienste ausfallen, obwohl es streng genommen als Sünde gilt, eine Messe zu versäumen.

Auch wenn immer weniger Gläubige in die Gottesdienste gehen: Für Katholiken ist es streng genommen ein  Sünde, wenn eine Sonntagsmesse versäumen. Nun fallen die katholischen Gottesdienste wegen Corona aus. Laut Kirchenrecht gilt die Sonntagspflicht, also die Pflicht, der Messe sonntags beizuwohnen. „Wer diese Pflicht absichtlich versäumt, begeht – so sagt es der Katechismus der Katholischen Kirche – eine schwere Sünde“, heißt es auf der Internetseite „katholisch.de“. Wenn kein Priester da ist oder aus einem anderen schwerwiegenden Grund die Teilnahme an der Eucharistiefeier unmöglich ist, empfiehlt das kirchliche Gesetzbuch, eine Wort-Gottes-Feier zu besuchen oder das Gebet zu Hause oder in der Familie zu pflegen. Historisch geht die Pflicht zum Kirchgang auf den Beginn des vierten Jahrhunderts, zunächst begrenzt auf Spanien. Seit wann das Gebot kirchenweit galt, ist nicht klar. Im Kirchenrecht wird das Gebot 1917 und 1983 bekräftigt. Wir sprachen mit Thorsten Obst, dem Regionalvikar für die Region Krefeld-Meerbusch, wie die Kirche das Problem sieht.

Das Bistum Aachen hat vorerst alle Gottesdienste abgesagt. Wie ist das mit der Sonntagspflicht für Katholiken vereinbar?

Obst Nach wie vor gilt die Sonntagspflicht. In Abschnitt 1247 des Kanonischen Kirchenrechts heißt es: „Am Sonntag und an den anderen gebotenen Feiertagen sind die Gläubigen zur Teilnahme an der Messfeier verpflichtet; sie haben sich darüber hinaus jener Werke und Tätigkeiten zu enthalten, die den Gottesdienst, die dem Sonntag eigene Freude oder die Geist und Körper geschuldete Erholung hindern.“  Es gibt aber die  Möglichkeit, dass in besonderen Situationen oder Krisen ein Dispens von der Sonntagspflicht erfolgt; das ist für das Bistum Aachen erfolgt.

Warum ist die Teilnahme an der Messe so wichtig?

Obst Zum einen vollzieht sich in der Messe die heilsbringende Begegnung mit Christus in der Eucharistie; jede Sonntagsmesse gilt als ein kleines Ostern, zu dem wir der Auferstehung Jesu gedenken. Zum anderen ist die Teilnahme ein Zeichen der Einheit der Kirche. Die Messe ist immer auf den Bischof orientiert; wir alle haben, indem wir vor Ort Messe feiern,  eigentlich Anteil an der Messe des Bischofs. Ohne Bischof können wir eigentlich keine Messe feiern.

Wie steht es mit Fernsehgottesdiensten, und gilt das Verfolgen einer solchen Übertragung als Erfüllung der Sonntagspflicht?

Obst Natürlich sind Fernsehgottesdienste eine Möglichkeit, einer Messe geistig beizuwohnen. Eine Erfüllung der Sonntagspflicht im vollgültigen Sinn sehe ich nicht. Aber es ist natürlich eine Gelegenheit, sich der Kirche und ihrer Botschaft nahe zu fühlen, was gerade für regelmäßige Kirchgänger wichtig ist. Zudem gilt ja: Dispens ist erteilt; die Besuchspflicht ist also ausgesetzt, es geht damit vor allem um seelsorgerliche Dinge. Der Besuch einer Messe tut eben auch gut.

Wird die Sonntagspflicht überhaupt noch als Pflicht ernstgenommen?

Obst Kirchenrechtlich gilt die Sonntagspflicht; eine andere Frage ist, wie die Gläubigen diese Pflicht sehen und empfinden und annehmen. Ich würde die Messe als Einladung sehen, der Auferstehung zu gedenken und Christus zu begegnen und in sich aufzunehmen.