Merkel-kritische Werteunion erwägt eigenen OB-Kandidaten

Krefeld: Kommunalpolitik : Werteunion erwägt eigenen Oberbürgermeister-Kandidaten

Die wertkonservative Truppe um den Unternehmer Gerald Wagener setzt die CDU unter Druck. Sie erwägt, mit eigenem OB-Kandidaten anzutreten.

Reibungsfrei ist das Verhältnis zwischen CDU und der CDU-nahen, aber Merkel-kritischen Werteunion nie gewesen. Jetzt zeichnet sich ein weiterer Konflikt ab: Offenbar drängen die Mitglieder der sich als betont wertkonservativ verstehenden Gruppe um den Krefelder Unternehmer Gerald Wagener darauf, bei der nächsten Kommunalwahl mit einer eigenen Liste und eventuell einem eigenen Oberbürgermeisterkandidaten anzutreten. Wie die Werteunion mitteilt, wurde in der jüngsten Sprechersitzung beschlossen, „dem immer stärker werdenden Druck gegenüber ihren Unterstützern in Krefeld Rechnung zu tragen und mit einer Befragung zu evaluieren, ob man zur nächsten Kommunalwahl mit einer eigenen Liste antreten will.“ CDU-Parteichef Marc Blondin betonte seine Gesprächsbereitschaft.

Die Werteunion kündigt an, noch vor den Sommerferien „mit einer basisdemokratischen Befragung“ ihrer Mitglieder und Unterstützer zu beginnen. „Sollte es zu einer eigenen Liste kommen, werden wir auch prüfen, ob wir einen eigenen Oberbürgermeister-Kandidaten aufstellen“, erläutert dazu Werteunion-Sprecher Daniel Bruckmann. „Nach ersten Gesprächen in unserem Umfeld könnten wir zumindest sicher sein, dass wir mit einem sehr starken wirtschaftlichen Budget in einen Wahlkampf ziehen würden.“

Die ganze Aktion ist auch ein Misstrauensvotum gegen die örtliche CDU. „Die Haltung der Mehrheit unserer Unterstützer gegenüber der lokalen CDU und ihren verantwortlich handelnden Personen ist, vorsichtig formuliert, skeptisch“, sagte Bruckmann. „Man traut vor allem den Strukturen und der Parteispitze nicht wirklich zu, den weiteren Absturz der CDU in Krefeld zu stoppen.“

Folgt man der Erklärung, ist der Gesprächsfaden zwischen CDU-Spitze und Werteunion gerissen. Nach den Turbulenzen um die Gründung der Gruppe, die anfangs sogar angedroht hatte, Wahlkampf gegen CDU-Bundestagskandidaten zu machen, seien Gespräche zwischen Wagener und CDU-Parteichef Marc Blondin vereinbart worden. Doch habe Blondin seit Monaten keine Reaktion gezeigt, so Bruckmann. „Ich kann unsere Mitglieder verstehen, dass wir uns der lokalen CDU nicht anbiedern werden.“

Eine mögliche Spaltung des bürgerlichen Lagers sieht man bei der Werteunion nicht. Vielmehr gehe man davon aus, dass die CDU in Krefeld der gegenwärtigen Konstellation bei der nächsten Kommunalwahl noch weiter abrutschen werde, und hoffe, die Wähler zu binden, die zum bürgerlichen Potenzial gehören, aber mit der Arbeit und den handelnden Personen der CDU Krefeld nicht zufrieden seien.

Blondin erklärte gestern auf Anfrage, er sei natürlich bereit zu Gesprächen, und kündigte solche auch an. Die Gesprächskultur in der Partei ist ihm zufolge ohnehin lebendig. Wenn es in der letzten Zeit nicht zu Gesprächen mit der Werteunion gekommen sei, habe das nicht an einer Verweigerungshaltung gelegen. Blondin geht allerdings davon aus, dass es das bürgerliche Lager natürlich schwächen werde, wenn die Werteunion eigene Kandidaten aufstelle.

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