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Mehr Menschen in Krefeld wollen zu Hause sterben

Hospiz-Bewegung in Krefeld : Mehr Menschen wollen zu Hause sterben

Die Hospiz Stiftung reagiert auf diesen Trend und verlagert ihr Büro für die ambulante Hospiz-Arbeit in die Innenstadt. Auch deshalb, weil das Angebot kaum bekannt ist. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, Angehörige zu unterstützen.

„Lasst mich doch zu Hause sterben“ – diesen Wunsch äußern immer mehr Menschen im Angesicht des Todes. Die Hospiz Stiftung Krefeld baut jetzt das Hilfssystem für die Begleitung sterbender Menschen zuhause weiter aus – das Beratungsbüro für den „ambulanten Hospiz-Dienst“ eröffnet am 29. Oktober seinen neuen Standort an der Carl-Wilhelm-Straße 27. Es war bisher in Räumen im stationären „Hospiz am Blumenplatz“ (Jägerstraße 81) untergebracht. „Durch den neuen, zentral gelegenen Standort in der Innenstadt möchten wir den Menschen die Möglichkeiten der ambulanten Hospiz-Arbeit näherbringen und diese bekannter machen“, erklärt Prof. Roland Besser, Vorsitzender der Hospiz Stiftung Krefeld, den Umzug. Denn vielfach ist es einfach nicht bekannt genug, dass schwerkranke Menschen und ihre Angehörigen diese wichtige Hilfe bekommen können. Leiter des ambulanten Hospiz-Dienstes wie des stationären Hospizes ist weiterhin Alexander Henes.

 Roland Besser und Alexander Henes stellen die neuen Räumlichkeiten für die ambulante Hospizarbeit in Krefeld an der Carl-Wilhelm-Straße vor.
Roland Besser und Alexander Henes stellen die neuen Räumlichkeiten für die ambulante Hospizarbeit in Krefeld an der Carl-Wilhelm-Straße vor. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Im Büro Carl-Wilhelm-Straße werden künftig die drei Koordinatorinnen Cornelia Hoppmanns, Sabine Lucht und Claudia Strachowitz montags bis freitags für Ratsuchende da sein und die Arbeit des ambulanten Hospiz-Dienstes – zum Beispiel die Gewinnung neuer Ehrenamtler, Schulungen, Planung der Begleitung des sterbenden Menschen und Begleitung durch Ehrenamtler – organisieren.

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Ambulante Hospiz-Arbeit ist in der Öffentlichkeit oft kaum bekannt, und es bestehen Hemmungen, diese Hilfe zu erfragen. Das muss nicht sein, betont Hospiz-Leiter Alexander Henes: „Ambulante Hospiz-Arbeit im Ehrenamt bedeutet nicht Pflege, sondern empathische Zuwendung und Unterstützung in einer schwierigen Situation. Oft geht es darum, dem Gast und den Angehörigen einfach das Gefühl zu vermitteln: Ihr seid nicht allein, es ist jemand da, der euch ohne Vorbehalt unterstützt“.

Die Ehrenamtler unterstützen die Betroffenen durch „einfach da sein“: In der hospizlichen Begleitung ist die Lebensqualität erkrankter Menschen der Maßstab für die Unterstützung der Ehrenamtler. Es geht Zuhören oder darum, Gespräche zu Lebens- oder Alltagsgestaltung zu führen, Abwechslung in den Alltag zu bringen, andere Lebensperspektiven zu finden, vorzulesen, Ausflüge zu machen, eventuell gemeinsam etwas Leckeres zu backen oder zu kochen, einen Lebenswunsch zu erfüllen, eine schöne gemeinsame Zeit zu haben oder auch Konfliktlösungen zu finden.

Wichtig sind außerdem die Unterstützung, Stärkung, Entlastung und das offene Ohr für die Angehörigen, um ihnen eine Begleitung der Sterbenden zu Hause bis zum Lebensende zu ermöglichen. Aktuell sind in Krefeld rund 70 Menschen in der ehrenamtlichen Hospiz-Arbeit tätig – davon 56 in der ambulanten Begleitung zu Hause bei den schwerkranken Menschen oder in Alten- und Pflegeheimen. Weitere arbeiten im stationären Bereich. Wenn der aktuelle Befähigungskurs beendet ist, werden  90 Ehrenamtler im Einsatz sein.

Die Zahl der Begleitungen zu Hause steigt: 2017 und 2018 wurden je 54 abgeschlossene ambulante Begleitungen verzeichnet, 2019 waren es 56. Im Jahr 2020 war die Situation durch die Corona-Pandemie verändert, aber 2021 wurden bereits 47 Begleitungen abgeschlossen, 20 Menschen werden noch begleitet. Cornelia Hoppmanns und Sabine Lucht betonen, wie wichtig Ehrenamt in der ambulanten Hospiz-Arbeit ist: „Wir haben eine sehr vielschichtige Gruppe, sehr engagiert und mit unterschiedlichen Haltungen. Das ist auch gut so. Ohne die Ehrenamtler/-innen wäre ambulante Hospiz-Arbeit nicht möglich.“

Zur Einweihung des Büros kommt Krefelds Oberbürgermeister Frank Meyer: „Die Arbeit und das Engagement in der Hospiz-Stiftung für die Menschen in unserer Stadt sind von unschätzbarem Wert. Der Tod wird durch diese Arbeit in die Mitte des Lebens geholt. Wir leben in einer Zeit, in der das solidarische Miteinander aller Generationen wichtiger wird“, erklärt er dazu. 

Mit dem neuen, gut erreichbaren Standort in Rathausnähe und im Krefelder Zentrum verbinden die Koordinatorinnen neue Ziele. „Meine Vision für die Zukunft des Ambulanten Hospizes in Krefeld liegt in einem Ausbau einer nachhaltigen hospizlichen Quartiersarbeit. Hiermit wäre es möglich Schwerstkranken eine bessere gesellschaftliche Teilhabe, mit möglichst hoher Lebensqualität zu ermöglichen“, so Strachowitz. Sie wünsche sich zudem, dabei zu helfen, die Haltung zum Sterben als Teil des Lebens bei jungen Menschen weiterzuentwickeln.