Krefeld: Mehr Kinder aus Familien genommen

Krefeld : Mehr Kinder aus Familien genommen

Team Kindeswohl musste im November über 18 Mal wegen akuter Gefahr bei Familien eingreifen.

Es sind keine schönen Zahlen, die Gerd Ackermann, Fachbereichsleiter Jugendhilfe und Beschäftigungsförderung, zum Ende des Jahres präsentiert. Aber sie zeigen, wie wichtig die Arbeit des Teams Kindeswohl auch sechs Jahren noch Gründung der Kontaktstelle ist. Bisher 57 Mal musste das Team in diesem Jahr Kinder in Obhut nehmen, in 2013 waren es lediglich 48 Fälle, in 2012 waren es 49. "Es sind mehr als in den Vorjahren. Aber wir hatten in 2011 auch schon einmal 50 Fälle", relativiert der Amtsleiter, der sich dennoch bewusst ist, dass 2014 einen Spitzenwert markiert.

543 Meldungen über Kindeswohlgefährdung erreichten 2014 das Team. In rund 40 Prozent der Fälle machte die Polizei eine Meldung, in 30 Prozent waren es Institutionen wie Kindertagesstätten oder Schulen und in gut 15 Prozent der Fälle kamen die Anrufe von Privatpersonen.

Allein im November musste das Team über 18 Mal Kinder in Obhut nehmen. Die Schützlinge kamen aus allen Altersgruppen, vom Säugling bis zu 17-Jährigen. "Wenn ein Fall gemeldet wird, betrifft er oft gleich mehrere Kinder, die in dieser Familie leben. Auch im November hatten wir mehrere Geschwisterverbände dabei", erklärt Ackermann. Häufigster Meldegrund mit 46 Prozent ist häusliche Gewalt /Misshandlung, worunter auch sexueller Missbrauch zählt. Rund 20 Prozent machen Verwahrlosung/ Vernachlässigung und 11 Prozent psychische Störung/ Suchtmittelmissbrauch aus.

"Wir arbeiten nach dem Ampel-Prinzip. Bei roten Fällen müssen wir sofort handeln, bei gelben versuchen wir, innerhalb von maximal sechs Wochen durch verschiedene Formen von Familienhilfe die Situation zu entschärfen, bei grünen Fällen müssen wir gar nichts machen. Fälle, in denen böswillig jemand angezeigt wird, sind jedoch inzwischen selten. In den meisten Fällen besteht Anlass, in der ein oder anderen Form zu handeln. Das zeigt mir, dass das System funktioniert", sagt der Jungendamts-Chef.

Seit fast 30 Jahren arbeitet Regine Bonse-Bott in diesem Bereich und gehört seit sechs Jahren zum Team Kindeswohl. "Schlimme Fälle hat es immer gegeben und gibt es auch heute. Wir merken aber auch, dass die meisten Eltern es besser machen wollen und offen für unsere Hilfsangebote sind." Immer zu zweit, streng nach dem Vier-Augen-Prinzip, bearbeiten die Mitarbeiter einen Fall. Anhand ihres reichen Erfahrungsschatzes beurteilen sie die Situation in der gemeldeten Familie.

"Ist ein Kind erstmal in einer Kita oder Schule, gibt es Fachkräfte, die sich um sein Wohl sorgen. Uns liegen deswegen besonders die ganz Kleinen am Herzen, die noch Zuhause betreut werden, aber nicht weglaufen oder ihre Schmerzen ausdrücken können", erklärt Ackermann. Von den in 2014 betroffenen Minderjährigen (insgesamt 1020) waren 284 unter drei Jahre alt.

Kinder, die jünger als sechs Jahre alt sind, versucht das Jugendamt in Bereitschaftspflegen unterzubringen. Allerdings: "Wir haben leider noch immer zu wenige Bereitschaftsstellen und würden uns über jeden freuen, der ein Kind auf Zeit bei sich aufnimmt. Ansonsten bleibt nur als Alternative eine Unterbringung im Kinderheim."

(RP)