Krefeld: Mediothek kämpft für das Buch

Krefeld : Mediothek kämpft für das Buch

Leuchtendes Rot auf Plakaten mit dem Text "Lesen retten!" ist die Erkennungsfarbe einer außergewöhnlichen Kampagne, mit der die Mediothek um ladenneue Buchspenden bittet.

Die gesichtslosen roten Männchen, die in den vergangenen Tagen überall in der Stadt auftauchten, waren die Vorboten einer ungewöhnlichen Kampagne: Sie könnte der erste Schritt eines Kulturinstituts sein, sich dem Druck der Unsicherheit über die finanzielle Unterstützung der Stadt zu entziehen. Mit einer aufsehenerregenden Aktion will Mediotheksleiter Helmut Schroers den Bestand seines Hauses sichern, vielleicht sogar aufstocken. Dazu braucht er die Hilfe der Krefelder. Die Unterstützung zahlreicher Krefelder Unternehmen hat er bereits: Für die Aktion "Lesen retten" werden sie auch künftig mit manchen Überraschungen aufwarten. Zunächst mit Plakaten, auf denen bekannte Krefelder ein Buch verschenken.

Mit einer auf lange Zeit ausgerichteten "Lesen retten!"-Aktion werden Krefelder Bürger aufgefordert, Bücher, die sie einmal gelesen haben, der Mediothek zu schenken. Von Unternehmen sind auch Geldspenden willkommen. "Es sollen ladenneue Bücher sein, nicht älter als von 2013", sagt Schroers. Denn das Ziel dieses ungewöhnlichen Weges ist es, auch in Zeiten des Nothaushalts das Angebot zu halten. Schroers macht die Rechnung auf: Mit 206 000 Euro ist der Ankaufsetat seines Instituts im Haushalt gelistet. Ob, wann und wie viel ausgezahlt wird, ist offen. Reichen würde es sowieso nicht, sagt Schroers: "Wir haben rund 200 000 Medien.

Jährlich gibt es durch den Verschleiß eine Erneuerungsquote von zehn Prozent. Wenn wir jede Neuanschaffung mit 15 Euro ansetzen, kommen wir auf diese Summe." Von den Buchspenden erhofft er sich "eine Bewegung, die uns entscheidend weiterhilft". Die Werbeagenturen "Lohmann and Friends" und "Gute Botschaften.sgp" hat Schroers für die Lust am Lesen begeistert; sie haben die Kampagne für die Mediothek kostenfrei ins Rollen gebracht. "Es ist erwiesen, dass sich ab dem dritten Lebensjahr das Medienverhalten eines Menschen entscheidet. Dann entscheidet sich, ob er eine Affinität zu Büchern entwickelt." Aus diesem Grund sei Leseförderung unabdingbar. "Deshalb haben wir uns bewusst an die Blutspenden-Aktion angelehnt", sagt Werbefachmann Lohmann. Wer Bücher schenkt, bekommt auch einen Spenderausweis.

In Zukunft könnten in Buchhandlungen Stellen eingerichtet werden, die nach dem Modell des Hochzeitstisches funktionieren: Wunschtitel der Mediothek liegen aus, können vom Kunden gekauft und gleich gestiftet werden. "Wir sind in vielen Gesprächen", erklärt Lohmann. Beim etwa 140 Mitglieder starken Förderverein der Mediothek rannte er mit den Ideen ebenso Türen ein wie bei Stadtwerken, Kulturstiftung der Sparkasse, Autohaus Borgmann und denen, die demnächst als Werbegesicht auf den Plakaten auftauchen werden.

Schroers hatte es nicht schwer, mit der Begeisterung für sein Haus anzustecken. Die Mediothek, die am 1. April sechs Jahre alt wird, ist ein Vorzeige-Haus, eine der modernsten Bibliotheken Deutschlands. Die Architektur hat internationale Strahlkraft, mit virtueller Ausleihe und Kooperationen (bis zum Theaterball) erreicht die Mediothek zahlreiche Menschen. 2013 wurden 270 000 Besucher gezählt. 14 570 Leseausweise gibt es, die je im Schnitt von 2,5 Personen genutzt werden. Damit nutzt jeder fünfte Krefelder das Haus. "Ohne die Unterstützung durch Bürger und Unternehmer ist kurzfristig mit Problemen bei der Attraktivität des Angebots zu rechnen", sagt der Mediothekleiter.

(RP)