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Mediothek in Krefeld: John von Düffel liest aus „Die Wütenden und die Schuldigen“

Mediothek in Krefeld : John von Düffel liest aus „Die Wütenden und die Schuldigen“

Der Buchautor gestand dem Publikum, dass er das Gefühl hatte, vergessen worden zu sein. John von Düffel las vor knapp 40 maskierten Zuhörern aus seinem neuesten Roman.

„Ach, es gibt Sie ja wirklich“, hat der Autor John von Düffel erfreut und amüsiert zu seinen Gastgebern Sabine Simonsmeier von der Mediothek und Wolfgang Behl vom Anderen Buchladen gesagt. Man kannte sich bislang nur von Mails, in denen laufend Termine abgesagt und verschoben wurden. Doch nun hat’s geklappt. John von Düffel las vor knapp 40 maskierten Zuhörern aus seinem neuesten Roman „Die Wütenden und die Schuldigen“.

Wolfgang Behl stellte den vielseitigen John von Düffel vor: Ungefähr 15 Bücher, Theaterkritiker, Bühnenautor, Übersetzer und Hochschullehrer sind Stichpunkte zu seiner Vita. Für das Düsseldorfer Schauspielhaus hat er zum Beispiel „Joseph und seine Brüder“ dramatisiert, „Felix Krull“ für das Staatstheater Saarbrücken oder „Herz der Finsternis“ von Joseph Conrad für das Deutsche Theater Berlin.

John von Düffel bedankte sich zuerst bei den Zuhörern für ihr Kommen: Ihr Erscheinen sei etwas Kostbares, denn die Schwellen für Lesungen seien höher geworden. „Ich hatte das Gefühl, vergessen worden zu sein“, sagte er über die Zeit mit den vielen Absagen. Über Corona sagt er auch: „Es gab keine Familien mehr, nur noch Haushalte – wir haben einen hohen Preis für die Gesundheit bezahlt.“ Familie ist dem 1966 in Göttingen geborenen von Düffel sehr wichtig – sein Buch nennt er einen Familienroman. 

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Die vorgelesene Passage setzt ein, als die Ärztin Maria sich in Quarantäne begeben muss und in ihrer Wohnung einen Wasserschaden ausmacht. In dem Penthouse darüber hat der Umgang mit der Waschmaschine zu einer Überschwemmung geführt. Maria trifft dort oben auf den Rabbi des israelischen Botschafters. Die beiden kommen ins Gespräch, trinken Kaffee miteinander, beichten. So erinnert sich Maria an eine Kreuzfahrt mit ihrer lebenslustigen Tante in nördliche, eisige Gefilde und den Moment, als der Meeresbiologe Holger die Touristen vor Eisbären schützen soll. Sie sieht ihm an, dass er eher auf den anderen Schützen zielen würde, als die Kreatur zu erschießen. Die beiden werden ein Paar.

Dieser Ausschnitt aus der Mitte des Romans hat die Zuhörer gebannt und auch amüsiert; zugleich blättert er inhaltliche und formale Aspekte auf. Es geht um die Religion, es geht um Schuld und Vergebung, es geht um den frevelhaften Umgang des Menschen mit der Natur, die hier in den verschiedenen Aggregatzuständen des Wasser vorgeführt wird. Und man sieht deutlich, welche szenische Kraft in diesem Kapitel voller skurriler Begegnungen steckt.

An die Lesung schloss sich eine spannende Unterhaltung an. Von Düffel berichtete von der Palliativmedizinerin Petra Anwar, die Vorbild für die Figur in seinem Roman geworden ist. Mit Anwar zusammen hat er „Geschichten vom Sterben“ geschrieben. Sie hat gesagt: „Viele gehen in Wut oder in Schuld“ – daraus wollte er einen Roman machen. Der Abend: Anregung und Genuss.