1. NRW
  2. Städte
  3. Krefeld

Kindertrödelmarkt gegen Drogenszene: Maßnahmen gegen "Angstraum" Krefelder Theaterplatz

Kindertrödelmarkt gegen Drogenszene : Maßnahmen gegen "Angstraum" Krefelder Theaterplatz

Einige Theaterbesucher empfinden den Theaterplatz als "Angstraum". Die FDP schlug am Montag vor, den Platz dauerhaft zu bespielen - mit Kirmes, Weihnachtsmarkt, Weinfest und Kindertrödelmarkt.

Das Krefelder Theater überlegt, die derzeit im Eingangsbereich platzierte Theaterkasse in die Innenstadt zu verlegen. Ein Grund: Viele der älteren Theaterbesucher empfinden den Theaterplatz, zentraler Treffpunkt der Drogenszene, mittlerweile als "Angstraum".

"Wir machen uns Gedanken, wo wir Publikum abholen können; in der Innenstadt haben wir auch mehr Publikumsverkehr", sagte gestern Michael Magyar, der neue, ab 1. Dezember agierende Geschäftsführer des Gemeinschaftstheaters Krefeld-Mönchengladbach. Man befinde sich in einer "ersten Prüfphase".

FDP-Fraktionschef Joachim C. Heitmann spricht sich gegen eine Verlegung der Theaterkasse aus. Die FDP warb gestern im Gegenzug in einer Pressekonferenz dafür, den Theaterplatz für die Krefelder attraktiver zu machen - die Fraktion glaubt, dass die Drogenszene verschwindet, wenn die Bürger den Platz mehr selbst nutzen.

 Die Theaterkasse liegt im Eingangsbereich am Theaterplatz.
Die Theaterkasse liegt im Eingangsbereich am Theaterplatz. Foto: T. L.

Als Vorschläge nannten Heitmann und seine Fraktionskollegen gestern Ansätze wie einen Weihnachtsmarkt auf dem Theaterplatz, Kirmessen, Weinfest oder Kindertrödelmarkt. FDP-Ratsherr Florian-Philipp Ott denkt außerdem an ein freies WLan-Netz auf dem Theaterplatz. Dies könne Cafés und Bürogemeinschaften anlocken. Joachim C. Heitmann sagt: "Die bisherigen Ansätze zur Problematik Drogenszene waren repressiv in Form von Polizei oder sozialtherapeutisch in Form von Streetworkern." Der neue Ansatz sei es nun, dem Theaterplatz eine echte Platzfunktion zuzuweisen.

  • Krefeld : Klassische Musik gegen Drogenszene - Stadt sieht Vorschlag skeptisch
  • Krefeld : Theaterplatz: Abgänge sind jetzt abgedeckt
  • Krefeld : Parkhausbetreiber: "Entfernt das Junkie-Klo"

Den Impuls für den FDP-Vorstoß gab der Krefelder Bürger Karl-Wilhelm Belting (74), der mit seinen Ideen auf die FDP zugegangen war. Eine Kulturachse zwischen Rathaus und Ostwall stellt er sich vor und greift damit Ideen des Hochschulprofessors Nicolas Beucker auf. Während Beucker aber den Theaterplatz außen vor ließ, will Belting gerade diesen attraktivieren, ihm ein "bürgerfreundlicheres Gesicht" geben.

Der Theaterplatz sei das "Schwarze Loch Krefelds", argumentierte Belting. Ein Projektleiter solle mit der Attraktivierung des Platzes beauftragt werden, Unternehmen wie Primark, Volksbank und Sparkasse sowie die ansässigen Kulturinstitute würden unterstützend oder finanziell tätig werden. Aus seiner Sicht müssten aber auch die Hochbeete und Brunnen als Versteckmöglichkeiten für die Szene verschwinden, stattdessen solle der Platz eine ebene Fläche werden.

Belting schöpft auch Hoffnung aus früheren Entwickelungen. Frühere Treffpunkte der Drogenszene waren Rheinstraße, Dionysiusplatz und Neumarkt. Belting: "Am Neumarkt ist es durch mehr Cafés auch gelungen, die Szene verschwinden zu lassen."

Für Paul Hoffmann, stellvertretender Vorsitzender der FDP, ist es auch eine finanzielle Fragestellung, unter der der Theaterplatz betrachtet werden muss. "Alle städtischen Töchter am Theaterplatz haben Umsatzeinbußen." Er habe ausgerechnet, dass die Drogenszene inklusive aller Maßnahmen wie Sicherheitsdienst für die Mediothek oder täglich dreifache Einsätze der Müllabfuhr die Krefelder zwei Millionen Euro pro Jahr kostet. Weitere Belastung: Seitdem die Abgänge zu den Tiefgaragen abgesperrt sind, würde Seidenweberhaus-Chef Paul Keusch immer wieder Drogensüchtige aus dem Haus herauskomplimentieren müssen.

Die FDP will den Vorschlag jetzt beim "Runden Tisch Theaterplatz" und in der Bezirksvertretung Mitte präsentieren. Joachim C. Heitmann: "Wir wissen noch nicht, wie die Planung der Stadt für das Seidenweberhaus aussieht - Abriss oder Neubau. Wir würden uns natürlich freuen, wenn die Stadt unsere Vorschläge aufgreift. Noch in diesem Jahr solle das städtische Gutachten zur Zukunft des Seidenweberhauses vorgestellt werden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: "Problemkind" in Krefeld: Das ist der Theaterplatz

(RP)