Totes Baby in Krefeld: Massen-Gentest: Weigerung kann zu Ermittlungen führen

Totes Baby in Krefeld : Massen-Gentest: Weigerung kann zu Ermittlungen führen

Die Polizei weitet die Suche nach der Mutter des im Südpark tot gefundenen Babys aus. Ab Freitag besucht sie in Krefeld alle Frauen im gebärfähigen Alter und bittet um eine Speichelprobe. Wer die Teilnahme verweigert, muss mit Ermittlungen rechnen.

Das Krefelder Amtsgericht hat Polizei und Staatsanwaltschaft gestern erlaubt, in der Bevölkerung mit einenm sogenannten DNA-Reihentest nach der Mutter des im Südpark tot gefundenen Babys zu suchen. Die Mordkommission im Hauptkommissar Gerd Hoppmann weitet somit die Ermittlungen noch einmal erheblich aus — von der Stadt liegen ihr die Daten aller Frauen vor, die in Krefeld gemeldet sind. Begonnen wird mit den Tests im Umkreis des Fundortes des toten Säuglings — das sind in Krefeld die Stadtteile Stahldorf, Forstwald Tackheide und der Südbezirk. Danach soll im weiteren Umkreis ermittelt werden.

Mit diesem Plakat bittet die Polizei um Zeugenhinweise auf die Mutter des toten Babys. Foto: Polizei

"Jede Frau muss damit rechnen, dass wir kommen."

Diese Karte zeigt den Fundort des toten Säuglings. Am 5. März hatte ihn eine Spaziergängerin entdeckt. Foto: Maps4news.com/ HERE.com

Zum Umfang des Massengentests, wie viele Frauen welchen Alters also in welchem Zeitraum aufgesucht werden, wollte Polizeisprecher Wolfgang Weidner zunächst noch keine Angaben machen. Er teilte aber mit, dass alle Frauen geprüft werden, die ein Kind gebären können. "Jede Frau muss damit rechnen, dass wir kommen." Mehrere zehntausend Krefelderinnen kommen also als Täterinnen in Betracht. 60 Hinweise von Zeugen auf mögliche Täterinnen sind laut Weidner inzwischen eingegangen. "Keiner davon führte bisher zur Ermittlung der Mutter des Kindes."

Am 5. März hatte eine Spaziergängerin im Waldgebiet Südpark an der Grenze zu Willich einen in ein Handtuch gewickelten toten Säugling gefunden, dem der Krefelder Pfarrer Michael Hack vor der öffentlichen Trauerfeier den Namen "Silvia" gab. Im Mund des Mädchens befand sich ein Pfropfen aus mehreren Tüchern. Die Obduktion hat ergeben, dass das Kind nach der Geburt gelebt hat, wahrscheinlich erstickt wurde, so dass der Verdacht eines Tötungsdeliktes vorliegt. Die Polizei Krefeld hat sofort eine Ermittlungskommission eingerichtet. Weil in der Mülltüte neben dem toten Säugling auch die Plazenta der Mutter lag, liegt der Polizei DNA-Material der Mutter vor. "Darüber kann eine Identifizierung erfolgen", teilte Polizeisprecher Weidner mit.

LKA gleicht die Proben mit dem DNA-Muster der Mutter ab

Die Polizei will so vorgehen, dass sie ab Freitag die Frauen zu Hause aufsucht — ihr liegen die Melderegister aller Frauen mit Erst-, Zweit- und Drittwohnsitz in Krefeld vor. "Wird die Frau nicht angetroffen, hinterlässt die Polizei eine Mitteilung im Briefkasten, damit ein Termin vereinbart werden kann", erklärte Weidner. Die Polizei werde dann ein zweites Mal kommen. In den jeweiligen Häusern werde man auch nach Frauen fragen, die eventuell nicht vom Melderegister erfasst sind. "Wir hören uns auch um, ob dort Personen wohnten, die vor Kurzem umgezogen sind oder nicht mehr gesehen wurden", sagte Weidner.

Technisch verläuft die DNA-Probe so, dass die Polizei ein größeres steriles Wattestäbchen in den Mund führt und an der Innenseite der Wange abstreift. Das Wattestäbchen wird dann in ein dafür vorgesehenes Behältnis gesteckt, so dass die DNA eindeutig festzustellen ist. Die DNA-Probe wird anschließend anonym zum LKA zur Untersuchung übersandt. Dort wird diese Probe mit dem vorhandenen eindeutigen DNA-Muster der Mutter abgeglichen. Liegt kein Treffer vor, werde die DNA-Probe unverzüglich vernichtet. Es finde kein Abgleich mit der DNA-Datenbank der Polizei statt und werde darin auch nicht gespeichert, betont die Polizei. Zur Örtlichkeit, wo die Polizei mit der Probenentnahme beginnt, werde man "aus ermittlungstaktischen Gründen" keine Angaben machen.

Die Polizei betont die Freiwilligkeit des Tests — keine Frau kann dazu gezwungen werden. Wer nicht teilnimmt, sei also nicht automatisch verdächtig, sagen die Ermittler. Allerdings will die Polizei weitere Ermittlungen, insbesondere im Umfeld der Frau vornehmen, um einen Tatverdacht sicher ausschließen zu können.

(RP)
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