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Marion Schulz-Staufenbiel hat eine Skulptur für das Rheinufer in Uerdingen geschaffen

Kunst in Krefeld : Der Rheingucker von Uerdingen

Marion Schulz-Staufenbiel hat eine Skulptur für das Rheinufer in Uerdingen geschaffen, die viele Betrachter rätseln lässt. Die Geschichte hinter dem Werk ist logisch, volksnah und zugleich raffiniert.

Es ist ein fröhliches Rätselraten unter den Flaneuren am Uerdinger Rheinufer. Eine drei Meter hohe Stahlskulptur lässt die Spaziergänger mutmaßen. Von Weitem erkennen die meisten erst einmal zwei riesige Köpfe, manche meinen sogar einen Kuss zu sehen. Andere entdecken einen Baum mit ausladender Krone. Wer näher herankommt, sieht davor die Figur, einen Mann mit Kappe. „Ganz oft höre ich von Männern: Genau so ein Käppi habe ich auch“, sagt Marion Schulz-Staufenbiel. Sie lauscht gerne, was die Leute zu ihrem Kunstwerk sagen. „Diese Fantasien und Diskussionen mit den Menschen machen mir richtig Spaß“, sagt sie. Deshalb verrät sie ihre eigenen Gedanken gern erst etwas später.

Marion Schulz-Staufenbiel hat die Skulptur aus zehn Millimeter dicken Stahlplatten geschaffen. Sie wiegt etwa 350 Kilogramm und misst an der breitesten Stelle drei Meter. Die Arbeit ist für das Projekt „Rhine Side“ von Stadtmarketing und Uerdinger Kaufmannsbund entstanden. Als die Organisatoren die Künstlerin für diesen Sommer einluden, sich etwas für das Werftgelände einfallen zu lassen, war ihr eines wichtig: „Ich wusste, ich möchte den absoluten Uerdingen-Bezug haben. Ich wollte den Uerdingern nichts Fremdes oder Abstraktes hinstellen.“ Deshalb hat die Krefelderin viel Zeit am Rheinufer verbracht, täglich die Spaziergänger auf der Rheinpromenade beobachtet, sich angesehen, wer dort entlang schlendert, wie sie dort verharren, auf Mäuerchen sitzen oder stehen bleiben und auf den Rhein gucken.

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So fand sie das Vorbild für ihr Kunstwerk. „Ein älterer Herr mit Käppi fiel mir auf, der regelmäßig kam und den Schiffen nachschaute. Er erinnerte mich in seiner kontemplativen Haltung an Caspar David Friedrichs Gemälde ,Mönch am Meer’. Ich wusste sofort, dass ist das Motiv für meine erste Skulptur.“ Ursprünglich hatte Schulz-Staufenbiel vier Skulpturen geplant: Menschen aller Generationen. Die Zeichnungen für eine Familie mit Kindern, ein Paar und junge Leute hat sie fertig. Doch ob sie als Stahlobjekte gefertigt werden, steht noch in den Sternen. Die Sicherheitsauflagen für die Objekte sind hoch.

Nun steht der Rheingucker erstmal allein am Ufer. Aber noch gibt er den Passanten  genügend Rätsel auf. Schulz-Staufenbiel will, dass der Betrachter genau hinsieht, dann erkennt er die einzig möglich Geschichte dieser Arbeit. Und die beginnt bei der Herkunft. „Dieser Mann muss ja von irgendwo kommen.“ Natürlich aus Uerdingen. Deshalb hat sie der Stahlplatte den Umriss des Rheinstädtchens gegeben. Die Grenzen des Flächenplans haben dynamische Formen, die tatsächlich an eine Baumkrone erinnern. Nur die Autobahn bildet eine gerade Schnittkante zu Bockum. Markant und ästhetisch geformt ist der Rheinbogen. „Wenn ich die Betrachter darauf hinweise, ist das auch meist das erste, was sie zuordnen können“, sagt die Künstler.

In das stählerne Uerdingen ist der 1,80 Meter große Kappenmann hineingezeichnet und dann herausgeschnitten worden. Die Leerstelle ist weit mehr als eine Silhouette. Wer hindurchschaut, entdeckt mit jeder Positionsänderung neue Perspektiven auf den Rhein, die Brücke, das Mündelheimer Ufer. „Man sieht quasi durch Uerdingen hindurch auf das, was außerhalb ist“, meint Schulz-Staufenbiel.

Bis zum Herbst soll das Kunstwerk am Ufer stehen, dann wird es abgebaut. Die Künstlerin hofft, dass das Stahlobjekt einen Dauerplatz im öffentlichen Raum findet. „Viele Uerdinger sagen, sie möchten die Skulptur behalten“, berichtet Schulz-Staufenbiel. Die Aktion sei ein Kraftakt gewesen, den sie nur mit engagierten Helfern hat stemmen können. „Dem Kaufmannsbund war es wichtig, dass Uerdinger Betriebe beteiligt werden.“ So waren Firma Schages, Schlosserei Schulze, Stahllieferant Huisgen und Transportunternehmen HKL im Einsatz.

Vielleicht, sagt Marion Schulz-Staufenbiel, setzt sie demnächst doch eine Tafel zur Skulptur, auf der die Geschichte erklärt wird.