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Mario Barth: Auftritte im Königpalast in Krefeld

Mario Barth : Über Bekloppte

Er ist der derzeit erfolgreichste Comedian Deutschlands und füllt den Köpa an zwei Tagen hintereinander: Mario Barth. Ein Besuch bei einem rastlosen Spaßmacher, der es zur Kunstform erhoben hat, schon mal als Erster im Saal über seine Witze zu lachen.

Unruhig rutschen die Fans auf ihren Sitzplätzen hin und her, dann fängt einer zu klatschen an. Jubel brandet auf, viele stehen auf, pfeifen, johlen und schreien. Die Uhr zeigt, dass es noch wenige Minuten sind, bis Mario Barth auf der Bühne im Königpalast stehen soll. Dann, endlich, Nebel wabert über die riesige Bühne, ein Film flimmert über die Leinwand. Gezeigt wird eine Welt der Zukunft: 2225, der Flughafen in Berlin steht kurz vor seiner Fertigstellung. Und Mario Barth ist immer noch da - und ist als moderner Paartherapeut auf Reisen. Natürlich in seinem eigenen Raumgleiter, der wenige Sekunden später auf der Bühne in Krefeld landet. Grelle Lichteffekte, mehr Nebel, technische Tricks und ein kleines Feuerwerk, dann steht er da. Der Comedian, der mit seinem neuen Programm "Männer sind bekloppt, aber sexy" den Königpalast gleich zwei Abende hintereinander bis unters Dach mit Menschen füllt.

Der erste Auftritt ist imposant, die Zuschauer jubeln. Und Mario Barth steigt gleich ein ins Geschehen. Seine Spezialität: der Unterschied zwischen Männer und Frauen. Kluge Männer, leicht auf den Arm zu nehmende Frauen, nur wenige kluge gibt es in seiner Welt. Und überhaupt scheint es, als ob dem großen Bühnen- und Fernsehstar kaum jemand das Wasser reichen könnte. Die Ärzte in der Notaufnahme: doof. Der Mitarbeiter am Frankfurter Flughafen: hat sicherlich Verwandte in einer Kölner Notaufnahme. Also auch doof. Bei den Beschreibungen redet sich Mario Barth in Rage, rennt von rechts nach links über die Bühne und bräuchte wahrscheinlich noch nicht einmal ein Mikrofon, so laut schreit er in die Halle hinein. Er gestikuliert so wild, dass selbst die letzte Reihe noch die Geste sehen kann, ohne auf den überdimensionalen Monitor an der Seite zu schauen. Und wann die Zuschauer lachen sollen, ist ganz leicht zu erkennen: der Comedian lacht einfach selbst schon mal los, Teile seiner Beschreibungen gehen in seinem Gegluckse komplett unter. Das macht den Zuschauern aber nichts aus, sie werden von seinem Lachen einfach angesteckt.

Selbst vor seiner eigenen Freundin macht Barth nicht Halt. Er parodiert den Alltag mit seiner Liebsten, die immer genug Stoff für sein Programm zu liefern scheint. Diesmal platzt sie in ein Treffen mit den Pyrotechnikern und wird gleich von der ganzen Mannschaft veräppelt. "Oh, mein Gott! Nicht!", brüllt der Comedian. Woraufhin seine Freundin in der Vorwärtsbewegung innehält. Angeblich ist sie auf Sprengstoff getreten und darf sich nicht mehr bewegen. Als sie nach über einer Stunde endlich freigelassen wird, fragt sie ihren Freund: "Haste entschärft?" Hat er nicht. "Wir haben uns nur mit der Stelle vertan, das war dort drüben!"

Aber auch sich selbst nimmt Mario Barth genauer unter die Lupe, denn auch er kann seiner Umwelt manchmal ganz schön auf die Nerven gehen. Da wird leichte Temperatur schon mal zu 60 Grad Fieber und ein kleinen Sprung in die Höhe, der den Fuß zerschmetterte, freier Fall aus mindestens vier Metern. Und die Männergrippe, die ist doch sowieso immer tödlich. Besonders dann, wenn sich die Freundin nicht genug kümmert, wie noch am Anfang der Beziehung. Doch egal, wen Mario Barth auch auf die Schippe nimmt, die Zuschauer sind begeistert.

Dennoch kann der zweifache Comedypreisträger die Begeisterung nicht über die ganze Strecke seiner zweistündigen Show halten. "Der Anfang war super, aber dann wurde es etwas lang", sagt eine Zuschauerin. Eine andere hingegen sagt im Gespräch zu ihrer Begleitung, dass sie sich die Lachtränen aus den Augen wischen musste. "Aber es war nicht immer lustig, manchmal auch ein bisschen zu sehr unter der Gürtellinie." Dennoch würde sie gerne noch eine weitere Show von Mario Barth besuchen. Und damit steht sie nicht allein: donnernder Applaus verabschiedet den Berliner Abend bei seinem ersten von zwei Gastspielen in Krefeld.

(RP)