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Krefeld: Mai – der Monat für Verliebte

Krefeld : Mai – der Monat für Verliebte

Der Partner oder die Partnerin fürs Leben wird nicht irgendwie gefunden, sondern ausgelost oder ersteigert – so war's im 16. Jahrhundert Brauch. Der Mai steht für Traditionen. Ein Überblick von der Andacht bis zum Liebesschwur.

Wunnimanoth, Winnemonat, Wonnemond – der Mai, oft besungen und bedichtet, hat viele Namen. Als Namensgeber wird ein alt-italischer Gott Maius vermutet, von den Römern als Beschützer des Wachstums verehrt. Der 1. Mai galt lange Zeit als offizieller Sommerauftakt. Nur natürlich war es deshalb, dass sich der Vortag, der 30. April, als Winterabschied mit entsprechendem Jahresendbrauchtum und Elementen des Wintervertreibens verband. In der "Walpurgisnacht" muss Lärm gemacht werden, um die Hexen und Dämonen zu vertreiben; Tanz, Essen und Trinken bieten dazu ausreichend Gelegenheit.

Bei dieser Festivität wird vielerorts der "Maibaum" – zum Beispiel durch die Freiwillige Feuerwehr oder die Schützen – aufgestellt. In allen Kulturen und Religionen symbolisiert der Baum das Leben; deshalb sind Bäume Göttersitze, befinden sich heilige Orte in Hainen, entstehen Gerichtslinde und Maibaum.

Der Maibaum oder Pfingstbaum des Dorfes oder eines Stadtteils ist meist eine Fichte oder Tanne, die – bis auf den Wipfel – von ihren Ästen befreit wird. Dieser Maibaum wird durch einen Kranz, Fahnen, Bänder oder Zunftzeichen geschmückt und auf dem Dorfplatz aufgestellt. Wichtig ist dabei, dass der Baumstamm richtig glatt wird. Zusätzlich wird er gerne mit Seife eingerieben, denn er dient für Wettkämpfe als Kletterbaum.

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Bei diesen Spielen wurde der "Maibräutigam" oder "Maikönig" ermittelt, der sich eine "Maibraut" oder "Maikönigin" erwählen durfte, mit der er dann die "Maihochzeit" feierte. Bis heute ist der "Maibaumklau" im Nachbardorf, der dann nur durch – oft sehr viel – Bier ausgelöst werden kann, ein beliebter "Sport".

Frische Birkenäste, geschmückt mit Bändern und Blumen, die Liebesmaien, setzen verliebte Burschen ihren Mädchen als Symbole der Jugendfrische und Zuneigung ("Ich bin dir grün!") in der Nacht auf den 1. Mai oder zu Pfingsten vor die Tür oder stecken sie an das Haus.

Schlimmer als gar keine Maien zu erhalten war es für ein Mädchen, von einem "verblichenen" Freund eine sogenannte Schandmaie aufgesteckt zu bekommen: einen dürren Stecken oder das kahle Gerippe eines ehemaligen Christbaumes. Auch Kirschzweige (Symbol für Klatschsucht) oder Weißdorn (Symbol für eine, die unbedingt geheiratet werden will) galten als wenig geliebte Gaben. Das Setzen von Liebesmaien steht in Verbindung mit dem alten Brauch des "Mailehens". Dabei erhalten heiratsfähige Burschen heiratsfähige Mädchen "zu Lehen", die sie – in der Regel im laufenden Jahr – zu Tanz ausführen durften. Die Paare wurden durch Verlosung oder Versteigerung gebildet. Die Maien setzten die Burschen "yren metzten zuo eer", wie Sebastian Franck 1534 notiert.

In fast jeder Kirche findet er sich jetzt, der "Maialtar", eine besonders mit Blumen und Kerzen geschmückte Marienstatue, die optisch den Mittelpunkt der Maiandachten bildet. Die erste von den Kamillianern gehaltene Maiandacht fand 1784 in Ferrara statt. Im 19. Jahrhundert verbreitete sich diese Andachtsform dann von Italien aus und setzte sich weltweit in der katholischen Kirche durch. 1850 erreichte die Praxis auch die Diözese Köln.

Bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war es in Deutschland üblich, dass auch jede Familie im Monat Mai zu Hause einen "Maialtar" (rheinisch: "Maialtärchen") aufbaute: Eine blumengeschmückte Marienstatue, ein zusätzliches Ave-Maria zum Morgen-, Tisch- oder Abendgebet und der "Engel-des-Herrn" um 12 Uhr galten als üblich.

Unser Autor Manfred Becker-Huberti ist promovierter Theologe und Experte für Heilige und Brauchtum.

(RP)