1. NRW
  2. Städte
  3. Krefeld

Lydie Auvray, die Königin, der Musette, tritt in Krefeld im Jüdischen Kulturzentrum auf

Konzerte in Krefeld : Königin der Musette

Lydie Auvray tritt im Jüdischen Kulturzentrum auf. In den 80ern befreite sie das Akkordeon vom Kleine-Leute-Image.

Unter den Getränken ist der Calvados einer der führenden Botschafter Frankreichs: Der Apfelbranntwein aus  der Normandie hat die Farbe von dunklem Bernstein; je älter er ist, desto samtiger und aromatischer geht er über die Geschmacksknospen. Doch Calvados steht auch für eine kleine Revolution in der Unterhaltungsmusik. 1954 wurde in dieser Region ein Mädchen geboren, das einen Wunsch seines Vaters leben sollte, der ihm verwehrt war: Musik. Mit acht Jahren bekam es ein Akkordeon. Das Instrument, das in Deutschland vor allem für Volksmusik und Seemannslieder stand, hatte auch in Frankreich den Ruf, das Instrument der kleinen Leute zu sein. „Höhere Töchter lernten Klavier oder Geige“, sagt Lydie Auvray. Sie war jenes Mädchen – und hat mit ihrer Leidenschaft das Image eines Instruments kräftig entstaubt: Eine Botschafterin aus Calvados.

Seit 40 Jahren steht la Auvray auf den Bühnen: eine zarte Frau mit wilden Locken  und einem großen Knopfakkordeon, dessen Balg sie weiter als die meisten anderen Musiker aufzieht, damit ihr Temperament sich im vollen Klang des Instruments Bahn brechen kann. Dazu singt sie mit einer Stimme, in der immer ein Lächeln mitschwingt. Am Sonntag, 2. Februar, tritt sie in der Reihe „Habima“ im jüdischen Kulturzentrum auf.

„Musetteries“ heißt Lydie Auvrays neue CD. Das Wort hat sie erfunden. Es verweist auf ihre musikalischen Musette-Wurzeln. Im deutschsprachigen Raum hat sie diese französischen Walzer, die Eleganz, Leichtigkeit und Lebensüberschwang in Dreivierteltakte gießen bekannt gemacht. Dass Musette in den 1960er Jahren immer mehr zur gefälligen Caféhaus-Unterhaltung verwässerte, hat sie geärgert – und sie hat eigene Kompositionen dagegengesetzt. Mit großem Erfolg.

Dabei ist ihre Karriere eigentlich einem Zufall und einem Freundschaftsdienst geschuldet. Nach dem Abitur ist sie nach Deutschland gekommen, um die Sprache zu lernen. Ein Freund bat sie, ihn bei einem Auftritt in einem Berliner Club zu begleiten. Die Französin und ihr Knopfakkordeon hinterließen so tiefen Eindruck, dass sich die Angebote häuften. 1977 ging sie erstmals auf Club-Tournee, mit ihrem Freund, dem Liedermacher Jürgen Slopianka aus der Lüneburger Heide. Zwei Jahre später begleitete sie bereits Klaus Hoffmann  auf Tour, diesmal durch große Konzerthallen, nahm zwei Alben mit ihm auf. Hannes Wader wurde auf sie aufmerksam, 1980 nahm er die LP „Es ist an der Zeit“ mit der Französin auf, danach ging es auf Tour. Die musikalische Zusammenarbeit streckte sich über die folgenden Jahrzehnte.

Mit vielen prominenten Musikern hat Lydie Auvray Projekte und Konzerte gespielt. Auf ein Genre hat sie sich nie festnageln lassen. Stefan Remmler, Peter Maffay und Hubert von Goisern zählen ebenso zu ihren musikalischen Partnern wie Reinhard Mey, Senta Berger und – Status Quo. Nach Krefeld bringt sie Musiker ihrer Band „Die Auvrettes“ mit: Eckes Malz (Klavier und Percussion) und Markus Tiedemann (Gitarren).

In der  Habima-Reihe setzt Organisator Joachim Watzlawik noch einmal auf Akkordeon-Musik, allerdings auf die klassische Variante aus der Region: „Akkordeon goes Harp“ heißt es am 7. Juni. Das Akkordeon-Orchester 1957 „Akkzente“ aus St. Tönis präsentiert gemeinsam mit der Harfenistin Uta Deilmann klassische Stücke und moderne Unterhaltungsmusik.

Lydie Auvray, Sonntag, 2. Februar, 18 Uhr, Jüdisches Kulturzentrum, Wiedstraße 17. Eintritt: 25 Euro, Vorverkauf: Telefon 02151 28888.