Krefeld: Lohengrin erhält den Klang von Bayreuth

Krefeld : Lohengrin erhält den Klang von Bayreuth

Es ist ein Mammutprojekt fürs Theater. Bei Wagners letzter romantischer Oper werden mehr als 80 Personen auf der Bühne stehen, zum großen Orchester kommen zusätzliche Gastmusiker. Und die Königstrompeten für die Bühnenmusik werden extra aus Bayreuth ausgeliehen. Bei der Premiere am Karsamstag soll es klingen wie auf dem Grünen Hügel.

Die Frage nach dem Schwan möchte Robert Lehmeier bitteschön nicht gestellt bekommen. Das ist für den Regisseur nie die wesentliche Frage gewesen, seit er weiß, dass er fürs Gemeinschaftstheater Richard Wagners Oper "Lohengrin" in Szene setzen soll. Viel zentraler geht es ihm um das Wunder und die Frage "Nimmt man das ernst?". Lehmeier ist erfahrener Opernregisseur und hat früh in seiner Laufbahn bereits als Assistent von Harry Kupfer den "Ring des Nibelungen" in Bayreuth betreut. Und er will zeigen: Nicht nur Elsa hat eine Geschichte, sondern auch Lohengrin. Ob dessen plötzliches Erscheinen aus dem Nichts, um die schöne Elsa zu retten, ein Wunder oder doch eher fauler Zauber ist, das soll das Publikum für sich selber entscheiden. Am Karsamstag, 15. April, ist Premiere.

Die vordergründig simple Geschichte der Elsa von Brabant, die von ihren Widersachern Ortrud und Telramund des Brudermordes bezichtigt wird, weil es beide auf ihr Erbe abgesehen haben, und von einem unbekannten Ritter gerettet wird, gilt als Ideendrama - sie lässt also viel Spielraum für fantasiereiche Interpretationen zu. Lehmeier will zwei Parallelen zeigen: Elsa und Lohengrin, die sich nach einer Utopie - der großen Liebe - sehnen, die sie nie dauerhaft werden leben können, und die politische Ebene der Gesellschaft eines zerrissenen Landes, in dem Intrigen als probates Mittel zur Macht führen sollen. "Und es geht um die Frage: Wie reagiert das Volk? In einer Zeit, in der viele autokratische Herrscher sich über göttlichen Beistand oder Religion legitimieren, ist das ein aktueller Aspekt. "Auch die Vorstellung, dass da plötzlich jemand kommt, der alle Konflikte und Missstände lösen kann.

Auf die Gegenwart soll auch das Bühnenbild verweisen, für das der Sitzungssaal des UN-Sicherheitsrates das Vorbild war. "Es ist eine abstrakte Version, aber die Tapetenbespannung ist eins zu eins übernommen", sagt Lehmeier. Generalmusikdirektor Mihkel Kütson empfindet den "Lohengrin" als spannend, gerade aus der Erfahrung mit Rienzi. Diese frühere Oper von Wagner hat das Theater vor zwei Spielzeiten gezeigt. "Man sieht, welche Meisterschaft Wagner bis zum Lohengrin erreicht hat: Orchestration, Dramaturgie und Melodieführung sind großartig. Die Holzbläsersätze sind perfekt gesetzt." Mit großem Probenaufwand wollen die Niederrheinischen Sinfoniker "dem Klang nahe kommen, der Wagner ausmacht", sagt Kütson. Dazu hat der Komponist selbst viele dezidierte Anweisungen gegeben. Da er zur Uraufführung 1850 in Weimar im Schweizer Exil war, teilte er dem Dirigenten Franz Liszt seine Wünsche in zahlreichen Briefen mit. Für die Bühnenmusik sind nicht nur Gastmusiker engagiert worden: Die sogenannten Königtrompeten werden extra aus Bayreuth geliehen: Sie sind länger, schlanker und haben einen Klang, den Kütson als "besonders spitz und feierlich" beschreibt.

Auch der Chor ist mit Extrachor und Profisängern aufgestockt worden. "Es gibt heute so viele Einspielungen, dass jeder weiß, wie Wagner zu klingen hat. Da kann man das nicht in kleiner Besetzung machen", sagt Operndirektor Andreas Wendholz. In früheren Jahren muss das wohl anders gewesen sein. Ab 1903 hat es in Krefeld jährlich zwei "Lohengrin"-Aufführungen geben - bis zum Zweiten Weltkrieg. 1952/53 eröffnete das Krefelder Theater mit "Lohengrin", 1961 gab es eine weitere Inszenierung, die letzte war in der Spielzeit 1977/78 zu sehen.

Die Rollen des 2017er Lohengrin werden fast komplett aus dem eigenen Ensemble besetzt: Izabela Matula debütiert als Elsa, Johannes Schwärsky ist Telramund, Eva Maria Günschmann die Ortrud und Matthias Wippich Heinrich der Vogler. Die Titelpartie hat der aufstrebende Wagnersänger Peter Wedd (als Gast) und in zwei Vorstellungen Michael Siemon.

Premiere 15. April, 17 Uhr. Die Aufführung dauert 4,5 Stunden (mit 2 Pausen). Karten gibt es noch für die Vorstellung am 25. Juni, die übrigen Abende sind so gut wie ausverkauft. Info und Reservierung: Tel: 02151 805125.

(RP)
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