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Krefeld: Lkw-Verbot wirkt nicht

Krefeld : Lkw-Verbot wirkt nicht

Zwei Stunden hat unsere Redaktion am für Lkw gesperrten Oranierring den Verkehr gezählt. Ergebnis: 85 Lkw fuhren über das verbotene Teilstück, so viele wie vor Sperrung. Jetzt droht die nächste Stufe des Luftreinhalteplans.

Auf dem für Lkw gesperrten Oranierring fahren derzeit trotz Lkw-Sperrung genauso viele Laster wie vor der Umsetzung des Luftreinhalteplans. Dies haben Zählungen unserer Zeitung am Oranierring in der vergangenen Woche ergeben: 39 Lkw befuhren in den zwei Stunden auf der Fahrbahn Richtung Moers, 46 Richtung Westparkstraße, insgesamt 85. Zuletzt hatte die Krefelder Stadtverwaltung den Lkw-Verkehr auf dem Oranierring 2005 gezählt. Damals fuhren in zwei Stunden ebenfalls 85 Fahrzeuge über das Teilstück.

Ein Problem: Die Lkw-Fahrer sehen die Sperrung der Straße zu spät. Erst wenn sie vom Nordwall nach rechts auf den Oranierring abbiegen, ist das "Lkw verboten"-Schild zu sehen. So schnell können die Lkw-Fahrer das Lenkrad nicht mehr rumreißen. Nur Lkw-Lieferverkehr darf die Straße noch befahren.

Die Krefelder Stadtverwaltung und die Politik befinden sich jetzt in einer Sackgasse: Die Bezirksregierung fordert seit Wochen, dass die Verwaltung das Lkw-Routenkonzept umsetzt. Die Alternativen, die ein Neusser Gutachterbüro für die Stadt erarbeitet hat, führen nördlich und südlich des Rings vorbei, einmal mitten durch die City über Nordwall und Moerser Straße, einmal durch die nordwestliche Innenstadt, entlang von Blumentalstraße, Birkschenweg, Westparkstraße.

Eigentlich soll diese Route im nächsten Planungsausschuss Ende September durch die Politik abgesegnet werden. Doch die Anwohner, insbesondere die an der Moerser Straße, laufen Sturm. Olaf Enger, Sprecher der Anwohnerinitiative Moerser Straße, kündigte zuletzt in einem Brief an den CDU-Ratsherrn Stefan Galke sogar Straßenblockaden an: "Wie werden uns zunehmend besser organisieren und mit Aktionen (Plakate, Flugblätter, Demonstrationen bis hin zu Straßenblockaden) reagieren, falls wir erkennen sollten, dass die Sache nicht in unserem Sinne gelöst wird. Sie züchten nun auch in Krefeld Wutbürger", schrieb Enger.

Die Politik fordert jetzt von der Verwaltung, endlich ein Konzept vorzulegen, wie Lkw aus der Innenstadt herausgehalten werden sollen, wie mit der Bezirksregierung verabredet.

Im Luftreinhalteplan war eigentlich vorgesehen, dass das Landesumweltamt Mitte 2011 prüft, ob die Sperrung die Feinstaub- (PM10) und Stickstoffdioxid-Belastung (NO2) am Ring hat senken können. "Reichen die bisherigen Maßnahmen nicht aus, tritt — erst nach abgeschlossener Auswertung der Messwerte 2011 — die nächste Stufe des Luftreinhalteplans in Kraft", teilte ein Sprecher der Bezirksregierung unserer Zeitung mit. Klartext: Auch Autos mit gelber Plakette dürfen dann nicht mehr einfahren.

"Die Vorlage des überarbeiteten Konzeptes durch die Stadt Krefeld steht noch aus", teilte der Sprecher der Bezirksregierung Düsseldorf mit. Die Wahl der beiden City-Routen als Alternative zum Oranierring sieht die Bezirksregierung kritisch: "Aus verkehrlicher Sicht sind die genannten Alternativrouten möglich; belasten aber die Anwohner durch den zunehmenden Lkw-Verkehr. Daher erfolgte die Aufforderung an die Stadt Krefeld, den Entwurf ihres Lkw-Routenkonzeptes zu überarbeiten.

(RP)