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Krefeld: Lkw-Plan: Politik frustriert

Krefeld : Lkw-Plan: Politik frustriert

Vorgaben der Europäischen Union sehen vor, dass Lkw künftig mitten durch die Krefelder City fahren. Stimmt die Politik dem Plan nicht zu, droht die nächste Stufe des Luftreinhalteplans: Fahrverbot für Autos mit gelben Plaketten.

Der Frust über die Vorgaben des Luftreinhalteplans wächst in Krefeld. Politiker aller Fraktionen zeigen sich unzufrieden über den Vorschlag, Lkw durch die Innenstadt und die nordwestlichen Wohngebiete zu schicken — und nicht mehr über die Ringstraße. Kurios: Lkw würden damit in Krefeld exakt von jenen Straßen verbannt, die genau für diesen Schwerlastverkehr konzipiert sind, und kürzlich für rund 2,5 Millionen Euro mit Flüsterasphalt versehen wurden.

CDU-Politiker Jürgen Wettingfeld spricht von "Absurdistan hoch drei". FDP-Fraktionschef Joachim C. Heitmann nennt es "einen absoluten Irrwitz." SPD-Ratsherr Jürgen Hengst fordert neue Verhandlungen mit der Bezirksregierung Düsseldorf. Selbst die Krefelder Grünen, eigentlich Befürworter des Luftreinhalteplanes, zweifeln den Sinn der Verbannung der Lkw in die City stark an.

"Das Problem wird nur verlagert", sagt Grünen-Fraktionschefin Stefani Mälzer. Am morgigen Mittwoch im Planungsausschuss (17 Uhr, Rathaus) steht das Konzept zur Abstimmung: Die Politik muss dort gezwungenermaßen für einen Lkw-Plan stimmen, von dem sie schon jetzt weiß, dass er unsinnig ist.

EU setzt Pistole auf die Brust

Die Europäische Union setzt der Krefelder Stadtverwaltung und Politik die Pistole auf die Brust: Votiert die Politik gegen die Verlagerung des Lkw-Verkehrs, wird die Luft schlechter. Dann droht die nächste Stufe des Luftreinhalteplans: "Es dürften im nächstem Jahr wahrscheinlich auch Autos mit gelben Plaketten nicht mehr in die Umweltzone einfahren", erklärt der städtische Planungsdezernent, Thomas Visser. In Krefeld sind 114 000 Autos gemeldet. 6000 haben eine rote Plakette, dürfen jetzt schon nicht einfahren. Die Zahl der Autos mit gelber Plakette ist höher: Von bis zu 20 000 Pkw ist die Rede.

Das Lkw-Routenkonzept ist Bestandteil des Luftreinhalteplans. Besonders feinstaubbelastete Straßen sollen vom Lkw-Verkehr freigehalten werden. Dazu zählt auch der Bereich des Rings vom Gericht bis zur Blumentalstraße mit Oranierring, Preußenring und Nassauer Ring. Planungsdezernent Visser, der den Luftreinhalteplan in Krefeld umsetzen muss, sagt: "Eigentlich ist der Ring für den Lkw-Verkehr optimal ausgelegt." Die EU-Gesetzgebung sieht aber vor, dass Anwohner klagen könnten, wenn der Luftreinhalteplan nicht umgesetzt wird.

Fünf Varianten getestet

Die Verwaltung wird also verlagern müssen. Fünf Varianten hat das Neusser Gutachterbüro IGS in Betracht gezogen (siehe Grafik). Als umsetzbar sieht sie ausschließlich die Routen über Nordwall und Moerser Straße (für den Lkw-Verkehr aus westlicher Richtung) und über Blumentalstraße, Birkschenweg und Kempener Allee oder Westparkstraße (für den Verkehr aus östlicher Richtung).

(RP)