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Krefeld: Linne verteidigt Ostwall-Umbau

Krefeld : Linne verteidigt Ostwall-Umbau

Die Behauptung, man könne viele Millionen sparen, sei falsch, sagt der Planungsdezernent.

Hätte man den Ostwall mit einem anderen als dem nun vorgesehenen Glasdach geplant, hätte man bestenfalls eine runde Million Euro sparen können — bei Baukosten für die gesamte Haltestelle in Höhe von rund 20 Millionen Euro. Dies erläuterte Planungsdezernent Martin Linne gegenüber unserer Zeitung und tritt damit dem Eindruck entgegen, bei dem Dach handele es sich um Luxus. Zugleich kritisierte er den Hang, ein über viele Jahre diskutiertes, dann mehrheitlich im Rat verabschiedetes Projekt mitten in den Planungen, nach Abschluss nahezu aller Ausschreibungen und nach Beginn der ersten Bauarbeiten infrage zu stellen: "Diese Beliebigkeit ist in meinen Augen nicht verantwortbar."

Es würde die Stadt Millionen kosten, nun umzuplanen. "Wir müssten Entschädigungsleistungen zahlen, wenn wir nun Aufträge nicht erteilen, und zwar in der Größenordnung von 25 bis 30 Prozent der Auftragssumme. Wir würden zahlen, ohne eine Gegenleistung zu bekommen. Es wäre das Unvernünftigste, das wir tun können", sagte er.

Zudem würden erhebliche neue Planungskosten entstehen: "Selbst ohne Dach müssten wir Masten für die Oberleitungen neu planen; deren Statik und Fundamente würde auch in den Straßenraum eingreifen; auch die müssten neu durchgerechnet werden." Die gesamte Taktung des Ausweichverkehrs der SWK für die Dauer der Baustelle würde durcheinandergeraten, der Zeitplan geriete ins Wanken, die Dauer der Belastung für die City durch die Baustelle verlängerte sich. Linnes Fazit: "Wenn wir jetzt stoppen, würden die zwangsläufig neu entstehenden Kosten die Summe deutlich übersteigen, die durch ein anderes Dach oder den Verzicht auf ein Dach gespart werden würde."

Linne räumte ein, dass die Ratsmehrheit sich seinerzeit für eine hochwertige Lösung entschieden habe, bei der die Leitungen in das Dach integriert seien. Linne arbeitete damals noch nicht in der Krefelder Verwaltung, war an der Diskussion also nicht beteiligt, verteidigt aber die Entscheidung für das Dach: "Diese Haltestelle sollte, so jedenfalls habe ich die Diskussion damals verstanden, Symbol des Aufbruchs und der Erneuerung sein. Es war eine Frage der Wertschätzung der eigenen Innenstadt." Sie sei der wichtigste Ort in einer Stadt, und diese Wertschätzung sollte durch die neue Haltestelle als Tor zur Innenstadt sichtbar dokumentiert werden. Auf die Frage, ob es nicht auch die oft ins Gespräch gebrachte kleine Lösung ohne Dach getan hätte, antwortete er: "Wie soll ich Menschen davon überzeugen, dass es gut ist, in dieser Stadt zu leben, wenn ich an einer solch wichtigen Stelle nur das Mindeste realisiere ohne auf Gestaltung Wert zu legen?"

(RP)