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Krefeld: Linne stellt Seidenweberhaus in Frage

Krefeld : Linne stellt Seidenweberhaus in Frage

Krefelds Planungsdezernent fragt, ob eine Stadt wie Krefeld eine Veranstaltungshalle wie das Seidenweberhaus vorhalten muss. Zudem plädiert er dafür, über die Preise nachzudenken – und sie deutlich anzuheben..

Krefelds Planungsdezernent fragt, ob eine Stadt wie Krefeld eine Veranstaltungshalle wie das Seidenweberhaus vorhalten muss. Zudem plädiert er dafür, über die Preise nachzudenken — und sie deutlich anzuheben..

Planungsdezernent Martin Linne hält das Seidenweberhaus für verzichtbar — zumindest als öffentlich subventionierte Veranstaltungshalle. Auf die Frage, ob eine Stadt wie Krefeld ein Seidenweberhaus vorhalten muss, in dem Künstler auftreten, die man 20 Kilometer weiter auch sehen kann, antwortete Linne: "Diese Frage darf man definitiv stellen. Muss die Saalinfrastruktur eines Seidenweberhauses öffentlich finanziert vorgehalten werden?" Er plädiert zudem für deutlich höhere Preise.

Linne glaubt, dass man viele Veranstaltungen auch in anderen Krefelder Räumen halten kann: "Wir haben auch das Theater, Aulen, die Kulturfabrik und natürlich den Königpalast." Zum Thema Preise stellte er die Relation zu den auf dem freien Markt üblichen Preise etwa in Musicals her: Man dürfe sich "persönlich auch ganz allgemein Folgendes fragen: Wenn Menschen heute bereit sind, 50 bis 120 Euro für ein Musical auszugeben, muss man ihnen dann ein sinfonisches Konzert in unserer Stadt für 30 bis 50 Euro geben? Oder darf ich diese Karten auch für 80 oder 100 Euro auf den Spitzenplätzen verkaufen?". Geringverdiener, so betont Linne weiter, müsste man dabei keineswegs ausschließen; für diese Gruppen ließen sich entsprechende Preismodelle entwickeln.

Linne plädierte im RP-Interview auch an die Bürger, nicht reflexhaft gegen neue Bebauungsplanverfahren zu kämpfen. "Diese Abwehrreaktion ist schwer nachvollziehbar. Der Einleitungsbeschluss über ein B-Planverfahren ist zunächst die Eröffnung eines Prozesses, in dem ein neues Ziel rational und ergebnisoffen überprüft wird. Damit ist gerade noch nichts entschieden." Die Befürchtung, dass allein die Einleitung eines B-Planverfahrens eine Vorentscheidung sei, wies er zurück: "Dieser Eindruck ist dennoch nicht richtig. Allerdings muss man hier die Bürger auch in die Pflicht nehmen, sich zu informieren und in den dafür vorgesehenen Verfahrensschritten zu beteiligen. Es gibt sicher eine Bringschuld der Verwaltung, aber es gibt eben auch eine Holschuld der Bürger."

Er wies auch den Verdacht zurück, dass es keine ehrliche Prüfung der Argumente aus der Bürgerschaft gebe: "Dieser Vorwurf ist dennoch falsch. Geist des B-Planverfahrens im Sinne des Baugesetzbuches ist es, einen Interessenausgleich der Beteiligten herzustellen." Natürlich sei es dabei selten, dass Beteiligte zu 100 Prozent ihre Position durchsetzten, aber das sei das Wesen der Abwägung aller unterschiedlichen Interessen. Linne: "Da gehört es eben auch elementar dazu, wenn sich Mehrheitsbeschlüsse herausbilden, und dies ist ja gerade auch ein tragendes Element unserer parlamentarischen Demokratie."

Das Phänomen des Wutbürgers sieht er mit Skepsis: "Wutbürger"sei ein schrecklicher Begriff, sagt er. "Wer in Wut ist, ist nicht mehr rational gesteuert." Kennzeichen des Wutbürgers sei oft auch, dass er relativ spät erwache. Der Bürger habe das Recht, aber auch die Pflicht, sich in Planungsprozesse einzubringen. "Man kann nicht am Ende eines Prozesses hingehen und sagen: Das alles habe ich nicht gewusst; ich will das nicht, das entspricht nicht meinem individuellen Bürgerwillen."

(RP)