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Lindner – ein Polizist aus Krefed, der nie wegschaut

Wache Süd in Krefeld : Lindner – ein Polizist, der nie wegschaut

Nach 45 Jahren geht der Erste Polizeihauptkommissar Wolfgang Lindner im Alter von 62 Jahren in den Ruhestand. Zuletzt war der in Stahldorf aufgewachsene Mann Leiter der Wache Süd und zuständig für den Teil der Stadt, der als Brennpunkt in Krefeld gilt. Die Polizei war für ihn stets wie eine zweite Familie.

Der erste Polizeihauptkommissar Wolfgang Lindner geht in den Ruhestand. 45 Jahre lang war er im Dienst. Seine jüngere Tochter will die Familientradition fortsetzen. Sie befindet sich derzeit in der Ausbildung zur Polizistin. Mit der Pensionierung gehe ein Stück seiner Identität verloren, sagte der 62-jährige gebürtige Willicher, der seit dem fünften Lebensjahr in Stahldorf aufwuchs und mit seiner Familie in Fischeln lebt. Langweilig sollte es dem beliebten Chef und Leiter der Wache Süd nicht werden. Als Imker, Kanufahrer, Musiker und Reisefreund vereint er vielfältige Freizeitinteressen. Die Polizeiarbeit wird ihn jedoch auch weiterhin interessieren. Dafür dürfte schon seine Tochter sorgen.

Lindner genießt hohes Ansehen für seine menschlichen Qualitäten und seine fachliche Kompetenz. Eine Zeit lang setzte er sich als freigestellter Personalratsvorsitzender für die Kollegen ein. Doch auch danach verlor er deren Wohlergehen nicht aus den Augen. Karriereplanung und Aufstiegschancen für seine Mitarbeiter waren ihm stets wichtige Anliegen.

Auch fachlich zeigte er klare Kante. Das so genannte Präsenzkonzept der Krefelder Polizei ist seine Idee. „Wir können keinen Quadratmeter der Stadt anderen als rechtsfreien Raum überlassen“, sagte er am Donnerstag vor Journalisten auf dem Parkplatz der Wache Hansastraße. Es gebe in Krefeld keine No-Go-Areas, weil die Polizei genau dort vermehrt hinfahre, wo solche Viertel zu entstehen drohten. Das Dominanzverhalten bestimmter Gruppen und die Revieransprüche dieser Klientel galt es zu unterbinden. „Wir reagieren auf das, was auf den Straßen geschieht“, sagte Lindner.

Die Situation verändere sich ständig. Straßenstrich und Rockermilieu seien heute in Krefeld so gut wie kein Thema mehr. Dafür sei die Clan-Kriminalität in den Fokus geraten. Die Kollegen hätten eine bestimmte Lokalität im Blick.

Die Tuning-Szene sei ein anderes Beispiel: Wer so offen, bewusst und demonstrativ gegen die Regeln verstoße, der fordere uns heraus, sagte Lindner. Der Polizist ist niemand, der wegschaut. „Ich habe ganz großes Glück gehabt, den Wachleiter machen zu dürfen“, betonte er. Das sei der schönst Job für jemanden, der die Polizeiarbeit mag.

Lobeshymnen singt auch Behördenleiter Dietmar Maus auf den Mann, der heute seinen letzten Arbeitstag hat und mit den Kollegen der Wachse Süd seinen Ausstand feiert. Als Maus noch als Streifenpolizist unterwegs war, war Lindner sein erster Vorgesetzter. „Und die prägen bekanntlich besonders“, sagte Maus. Er ist offenbar mit der damaligen Prägung sehr einverstanden.

Davon darf man auch bei Marcus Holla ausgehen. Der 53 Jahre alte Erste Polizeihauptkommissar tritt die Nachfolge Lindners an und bereitet sich schon seit Monaten mit ihm gemeinsam auf seine zukünftige Rolle vor. Der Neue stammt vom Land – aus Kleve – und wohnt auch dort. „Wenn ich abends nach Hause fahre, komme ich ein bisschen in eine andere Welt“, sagte er gestern. Er sieht die Krefelder Südstadt als einen Kriminalitätsschwerpunkt. Aktuell seien besonders Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz zu verfolgen.

Zurück zu Lindner: Der angehende Pensionär schätzte die kurzen Dienstwege am Standort Hansastraße. Neben der Wache Süd, die mit einer Kernmannschaft von rund 75 Beamten in drei Schichten für Sicherheit in der Stadt sorgt, sind in der inzwischen in die Jahre gekommenen Liegenschaft auch andere Abteilungen untergebracht. „Die Einbrecher, häusliche Gewalt, das Kommissariat Vorbeugung und die Sonderdienste wie Kradfahrer und Zivilfahnder.“

Ob die gute Zusammenarbeit auch in Zukunft noch so möglich sein wird, ist fraglich. „Wir sind im Moment dabei einen Neubau der Wache zu planen“, berichtete Holla. Zum Standort und zur  Größe  könne derzeit noch nichts gesagt werden. „Wir melden eher gerade unsere Wünsche beim Bau- und Liegenschaftsbetrieb des Landes NRW  an“, differenzierte Maus. Bis die Bagger anrücken dauere es wahrscheinlich noch fünf bis sechs Jahre, erklärte der Behördenleiter.