Krefeld: Liebesgeschichte in der Unterwelt

Krefeld: Liebesgeschichte in der Unterwelt

Morgen Abend hat "Orpheus und Eurydike" Premiere. Jakob Peters-Messer inszeniert Glucks Oper - auch für Einsteiger.

Mit Orpheus beginnt die Geschichte der Oper. 1607 hat Claudio Monteverdi den griechischen Mythos des trauernden Mannes, der mit der Kraft seiner Liebe und seines Gesanges seine Frau Eurydike aus dem Tod zurückholen will, als "favola in musica" - Musikgeschichte - auf die Bühne gebracht. Es ist die erste schriftlich überlieferte Oper. Rund 150 Jahre später griff Willibald Gluck den Stoff auf, um der Oper die Zöpfe der ornamentreichen Stilistik des Barock abzuschneiden. Sein Drei-Akter "Orpheus und Eurydike" ist klar, komprimiert und kurz. "Doch in anderthalb Stunden passiert mehr als in jeder anderen Oper", sagt Jakob Peters-Messer. Deshalb sei dieses Werk für Opernfreunde ein Genuss, aber auch für Opern-Anfänger ein Vergnügen. Er hat das Opus inszeniert und die Wiener Erstfassung von 1762 mit der französischen Zweitfassung von 1774 kombiniert. Es gibt viel Musik, Ballett - und ein Happy End. Morgen Abend ist Premiere.

Es ist eine Liebesgeschichte und ein Eifersuchtsdrama. Und: "Es ist ein zutiefst menschliches Thema, den Tod überwinden zu wollen", sagt Peters-Messer. Die Unmöglichkeit, den Tod seiner Frau rückgängig zu machen, gelingt Orpheus durch seinen Gesang. Die gerührten Götter gewähren ihm die Chance, Eurydike zurückzuholen. Die Furien der Unterwelt beschwichtigt er mit Musik. Doch auf dem Rückweg kann er nicht widerstehen, Eurydike anzusehen. Damit bricht er die Vereinbarung und verliert sie. Anders als in der antiken Sage haben Gluck und sein Librettist Ranieri de Calzabigi der Geschichte ein glückliches Ende angedeihen lassen, an dem Liebesgott Amor kräftig mitstrickt. "Das ist ein humaner Aspekt im Sinne der Aufklärung", sagt Peters-Messer. "Worte bewirken etwas Heiliges." Dass die Welt sich durch die Kraft der Worte und der Kunst verändern kann, ist zutiefst tröstlich und zivilisiert.

Die Reise von der Welt in die Hölle und ins Elysium ist gespickt mit Aktion. Dazu gehört auch der Einsatz des Balletts. Vier Paare der Compagnie tanzen die Choreografie von Ballettchef Robert North. Erinnerungen an "Carmina burana" sind nicht ausgeschlossen, meint Dramaturgin Ulrike Aistleitner.

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Es ist eine große Choroper. Die Solistenparts sind ausschließlich mit weiblichen Stimmen besetzt: Eva Maria Günschmann (Orpheus), Sophie Witte (Eurydike) und Amor (Panagiota Sofroniadou). Die Niederrheinischen Sinfoniker werden von einem Experten für Alte Musik dirigiert: Werner Ehrhardt. Der 60-Jährige ist vielfach mit internationalen Preisen ausgezeichnet worden mit seinen Ensembles Concerto Köln und l'arte del mondo.

Hörtipp für Musikkenner: Bei der Aufführung kommen auch die zwei neu angeschafften Barocktrompeten der Niederrheinischen Sinfoniker zum Einsatz.

(RP)