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Liebeserklärungen an Kunst und Künstler aus Krefeld

Beliebte Krefelder : Liebeserklärungen an Kunst und Künstler

Kunst hängt in Museen und Galerien, in öffentlichen Gebäuden, aber auch in Wohnzimmern. Die Werke Krefelder Künstler sind in den privaten Haushalten kunstsinniger Menschen aus den Nachbarstädten sehr gefragt. In Viersen zeigten sie ihre Schätze einer interessierten Öffentlichkeit.

Krefelder Künstler haben die Welt erobert: mal laut und unübersehbar, mal still und unbemerkt. Einige wie Joseph Beuys zählen zum musealen Hochadel, andere wie Herbert Zangs ringen posthum noch um ihren Platz. Wieder andere wie Helmuth Macke, Heinrich Nauen, Heinrich Campendonk und Adolf Luther sind unumstritten. Zeitgenossen wie Walter Dahn, Albert und Markus Oehlen stehen für eine neue Generation, die ihre Karriere als so genannte Junge Wilde starteten. Und dann gibt es auch noch Will Cassel, Jupp Strater und Ivo Lucas, die ihren festen Platz in der Krefelder Kunstszene und darüber hinaus haben. Manchmal endet die Welt für all die Genannten in den Wohnzimmern kunstinteressierter Menschen aus der Nachbarschaft – bei Sammlern, Freunden, Gläubigern, Verwandten oder Erben.

Die Stadt Viersen hat anlässlich ihres 50-jährigen Bestehens ihre Bürger gebeten, ihre Schätzchen einer interessierten Öffentlichkeit in einer Ausstellung in der Galerie im Park zu zeigen. Die Bewohner dort lieben offenbar die Arbeiten von Krefelder Künstlern. Professor Hans Brög erzählt, wie er zu seinem Objekt aus der Werkgruppe „Lichtschleusen“ gekommen ist und Adolf Luther kennenlernte. „Meine Reise ins Rheinland galt eigentlich den Kölner Museen. In Düsseldorf hab es das Jazz-Lokal Fattys Atelier, das mich lockte. Der Besuch der Luther-Ausstellung war Nebensache“, berichtet er. Als Gast der Vernissage habe er für zehn Mark eine Verbundscheibe (Plexiglas auf Glas) erworben und die Wahl gehabt, sie mit schwerem Gummihammer auf einem Hackstock mehr oder weniger zu demolieren. So war der Besucher aufgefordert, aus identisch gleichen, vom Künstler präparierten Doppelscheiben, Unikate beziehungsweise Multiples herzustellen und sei damit am Kunstprozess beteiligt gewesen. Der Künstler hat das Ergebnis dann mit seiner Signatur geadelt, berichtet Brög.

Deutlich engere Beziehungen zur Künstlerin Lis Volger, geborene Beyer, pflegte Dr. Elisabeth Davids. Bei der Bauhaus-Absolventin handelt es sich um ihre Mutter. Die heiratete den Bauhaus-Architekten Hans Volger in Krefeld und webte 1954 einen Schmuck aus Nähseide, der einen früheren Garten des Ehepaars im Westpark. Der Wandteppich war ein Geschenk zum 50. Geburtstag des Ehemanns.

Will Cassel hat sich einen Spaß daraus gemacht, einen Gartenzwerg zum Protagonisten seiner Weltansichten zu machen. Der heute 92-Jährige hat mehrmals an der Documenta teilgenommen. Foto: Thomas Lammertz

Marie und Erwin Riether berichten über ihre Tante Agnes aus Anrath. Von ihr erbten sie einige Kunstwerke. Agnes Eickels schrieb in ihren Erinnerungen: „Meine Aussteuerkiste war mit schönen Dingen gefüllt, nicht mit Wäsche oder Gebrauchsgegenständen! Von dem Maler Ludwig Becker aus Krefeld (später Frankfurt) hatte ich ein Ölbild erworben, einen jugendlichen Heiligen Sebastian darstellend. Von Kornelius Feyen besaß ich ein Aquarell – beide Bilder erfeuen mich heute noch.“

Herbert Zangs, Bürgerschreck und Genius in Personalunion, hat immer noch seine Fans. Foto: Thomas Lammertz

Andere Privatpersonen stellten eine Arbeit Will Cassels zur Verfügung – kommentarlos. Der mittlerweile 92-Jährige lebt seit 1934 in Krefeld und besuchte 1943 bis 1948 die dortige Werkkunstschule. Von 1952 bis 1953 studierte er an der Kunstakademie Venedig und 1964 an der Schule für Textile Künste, Krefeld. Cassel war von 1966 bis 1972 Dozent an der Schule für Textile Künste, Krefeld und von 1972 bis 1980 Dozent an den Gesamthochschulen Dortmund und Essen.  Seit 1967 nimmt er den weißen Zwerg als Abstraktion für das Sein. Genau diese Zwerge sind auf dem Ausstellungsstück zu sehen.

Das Ergebnis einer Performance 1971 in Düsseldorf: Adolf Luthers „Lichtschleuse“. Foto: Thomas Lammertz

Andere gezeigte Werke stammen aus den Ateliers von Joseph Beuys und Herbert Zangs. Sie reihen sich ein in die Arbeiten berühmter  Kollegen wie Günther Uecker, Anatol, Markus Lüpertz, Käthe Kollwitz, Otto Pankok und Hermann Schmitz.