Krefeld: Letztes Theaterstück im Fichte

Krefeld: Letztes Theaterstück im Fichte

Heute Abend geht der Vorhang für "Chaos im Provinz-Theater" auf. Zum letzten Mal vor der Schließung des Fichte-Gymnasiums zeigt die Theatergruppe ihr Können. Die Generalprobe lief bestens.

"Man, siehst du alt aus", der Satz von Katrin Peters löst in dem zur Garderobe umgewandelten Deutschfachraum des Fichte-Gymnasiums lautes Lachen aus. Am meisten grinst dabei der angesprochene Nicolai Kaps. Nicht nur, dass sich der 18-jährige Schüler des Fichte-Gymnasiums in eine Frau verwandelt hat, es handelt sich auch noch um eine Dame im Alter zwischen 70 und 75 Jahren. "Ich denke, ich kann mit meiner Arbeit zufrieden sein", bemerkt Simone Wölke, die aufmerksam das Gesicht von Nicolai studiert und hier und da eine Falte geringfügig nacharbeitet.

Nicht nur er unterzieht sich einer Verwandlung. Überall auf den Stühlen sitzen Gymnasiasten und werden geschminkt. Auf den Tischen stehen unzählige Töpfchen mit Schminke. Der Geruch von Haarspray liegt in der Luft. Puder glitzert auf Pinseln, Fettschminke lässt Gesichter unnatürlich strahlen. "Die Theaterschminke schluckt wahnsinnig viel Licht und muss deshalb so dick aufgetragen werden. Wobei wir heute vor der Generalprobe noch den Lichtcheck machen werden, um zu sehen, ob stimmig geschminkt wurde", informiert Wölke.

Am Fichte-Gymnasium steht das traditionelle Theaterstück an. Zum nunmehr zwölften Mal bringt die Theatergruppe des Gymnasiums ein Stück auf die Bühne. Wobei es sich um das letzte Stück vor der Schließung des Fichte-Gymnasiums handelt. "Wobei wir das derzeit verdrängen, zumal wir planen, als Innenstadtschule weiter Theater zu spielen", sagt Peters, die zusammen mit Wölke und dem pensionierten Lehrer Hajo Wigbels Regie führt.

Diesmal ist es ein Stück im Stück. Unter dem Titel "Chaos im Provinz-Theater" ist es das Samtweber-Theater, das ein Stück namens "Gift ist eine Gottesgabe" einprobt. Das Stück muss unbedingt ein Erfolg werden, denn ansonsten droht dem Theater die Schließung. Dass unter einem solchen Druck einiges schiefgeht und Unvorhergesehenes passiert steht nahezu außer Frage.

Aber nicht nur Backstage laufen die letzten Vorbereitungen. Im großen Vorführungsraum ist Wigbels zusammen mit Fabian Jöbkes auf der Nebenbühne mit dem Anziehen der Leiche beschäftigt. "Wir besitzen lediglich das Oberteil einer Schaufensterpuppe. Das Unterteil muss dementsprechend gut ausgestopft und mit Hosenträgern am Oberteil befestigt werden, damit es nicht abfällt", informiert Wigbels, der die obere Hälfte gerade in einen Anzug hüllt, während der ehemalige Fichte-Schüler mit der Anzughose hantiert. "Die Arbeit in der Theatergruppe hat mir immer so viel Spaß gemacht, dass ich auch nach dem Abi im vergangenen Jahr weiter mitmache", sagt der 19-Jährige.

Die Haupt- und die Nebenbühne werden dabei immer wieder in verschiedenes Licht getaucht. Die Technik ist nämlich mit dem Lichtcheck beschäftigt. Sören Minkenberg und Lennard Kastner, beide schon fertig geschminkt und in den Kostümen von einem Officer steckend, gehen auf dem Sofa im Wohnzimmer der Hauptbühne ihren Dialog durch, während Stina Bick Fuertes in der als Garderobe aufgebauten Nebenbühne sitzt und sich selber ihren Text abfragt. Überall herrscht Geschäftigkeit.

"Wir starten jetzt den Schminkcheck", ruft indes Peters aus. Vor der Hauptbühne, die in gleißendes Licht getaucht ist, bildet sich eine Schlange von Schauspielern. "Einzeln auf die Bühnenmitte und einmal das Gesicht von allen Seiten zeigen", ordert Peters an. Aufmerksam begutachten die beiden Lehrerinnen die Gesichter samt Outfit Stück für Stück. Zu verbessern sind nur Kleinigkeiten. Bei Jana Patzke muss die Schminke am Hals besser ausgestrichen werden, und Sören Minkenberg muss seinen Bauch noch etwas mehr über die Hose hängen lassen.

Dann ist es endlich soweit. Der erste Akt der Generalprobe läuft an. Die Texte sitzen, Mimik und Gestik stimmen, jeder kennt sein Einsatzstichwort. Was über ein halbes Jahr geprobt wurde kann sich sehen lassen und macht Lust auf die Premiere.

(RP)