Krefeld: Lebensretter und Helfer der Polizei

Krefeld: Lebensretter und Helfer der Polizei

Sie halfen Schwerverletzten nach einem Messerangriff oder einem Unfall, stürzten sich als Retter in den Rhein oder halfen, Diebe zu stellen: couragierte Bürger. Polizeipräsident Rainer Furth und Bürgermeisterin Gisela Klaer ehrten sie gestern.

Sie sind die stillen Helden der Stadt: Rund ein Dutzend Krefelder haben in den vergangenen zwölf Monaten teils ihr Leben riskiert, um anderen zu helfen - und Leben zu retten. Am spektakulärsten war wohl der Fall der Eheleute Annika und Simon Maike (29): Sie haben im Juni 2016 bei einer Autofahrt einen schwer verletzten 17-Jährigen aufgenommen, der zuvor Opfer eines Messerangriffs geworden war. Obwohl sie ihr Baby im Auto dabei hatten, stoppten sie und brachten den Schwerverletzten zum Eiscafé San Marco in Traar. Dort wurde lebensrettende Hilfe geholt und geleistet. Gestern wurden sie und andere Helfer von Polizei und Stadt für ihren Einsatz geehrt. "Der junge Mann stand auf der Straße, und als wir beim Näherkommen das blutverschmierte T-Shirt sahen, war uns klar, dass wir sofort anhalten und helfen mussten", sagen Annika und Simon Maike.

Foto: Lammertz Thomas

Das Spektrum der Hilfeleistungen der couragierten Bürger reicht von der Unterstützung, einen Diebstahl zu verhindern, bis zum selbstlosen Einsatz mit einem Rettungssprung in den Rhein. "Sie sind Vorbilder des Alltags, die für das Funktionieren unserer Gesellschaft alternativlos sind", so Krefelds Polizeipräsident Rainer Furth gestern bei der Ehrung im Rathaussaal. Bürgermeisterin Gisela Klaer würdigte zum zehnten Mal couragierte Bürger, die sich in besonderer Weise durch Mut, Beherztheit und Umsicht ausgezeichnet haben.

Robert Obertreis verhinderte einen Selbstmord, als er um 10 Uhr am Morgen des 12. April 2016 eine Person beobachtete, die sich im Bereich des Aussichtsturms auf dem Hülser Berg aufhielt. Der 55-jährige Inhaber der "Bergschänke", ahnte Schlimmes und verständigte die Polizei. Anschließend folgte er dem Mann auf die Aussichtsplattform des Hülser Turms. "Ich hatte den Mann an dem Tag schon einmal gesehen, wie er gestikulierend und redend umherlief. Auch als ich ihm beim zweiten Mal auf den Turm gefolgt war, redete er dort fortlaufend recht wirres Zeug, auf das ich dann eingegangen bin." Dadurch konnte Obertreis ihn hinhalten, bis die Polizisten eintrafen und ihn überzeugten, mit ihnen zusammen den Turm zu verlassen.

Yasir Arfat Buttar sprangt am 7. Februar 2016 in den Rhein und rettete einen Mann: Am Rande des Tulpensonntagszugs in Uerdingen war es gegen 16 Uhr zu einem Unglücksfall gekommen: Ein junger Mann stand am Ufer, verlor plötzlich das Gleichgewicht und stürzte ins Wasser. Ohne zu zögern, sprang der 23-Jährige hinterher und zog den Verunglückten aus dem Fluss. Beide Männer blieben unverletzt.

Marcel, Dustin Steve und Marius Wemhoehner verhinderten einen Diebstahl aus einem Pkw: Die Sommerferien hatten gerade erst begonnen, als der damals noch elfjährige Marcel gemeinsam mit seinem Bruder und seinem Vater der Polizei dabei half, einen Pkw-Aufbrecher festzunehmen. Am 12. Juli 2016 stand Marcel am Küchenfenster, als er unten auf der Straße einen Mann dabei beobachtete, wie dieser gegen das geparkte Auto seines Vaters sprang. Dabei ging die Seitenscheibe zu Bruch und der Mann beugte sich in das Auto. Marcel rief sofort nach seinem Vater. Es gelang den beiden, den Mann aus dem Auto zu ziehen und festzuhalten.

  • Bürgerverein Fischeln : Polizeipräsident Furth im Gespräch mit Fischelner Bürgern

Ina und Mathias Michael Szabo leisteten Erste Hilfe nach schwerem Verkehrsunfall: Am Nachmittag des 13. Septembers 2016 saßen die Eheleute Szabo in ihrem Garten, als sie einen lauten Knall hörten. Sie rannten auf die Straße und sahen, dass es an der Kreuzung Berliner- und Glindholzstraße zu einem schweren Verkehrsunfall gekommen war. Während der 40-Jährige sofort Polizei und Feuerwehr verständigte, forderte die 42-Jährige andere Zeugen auf, eines der beteiligten Autos anzuheben, weil eine Frau unter dem Heck des Wagens eingeklemmt war. So konnten die eintreffenden Rettungskräfte sofort mit medizinischer Versorgung beginnen.

Franz Holger Dahmen verfolgte einen Handtaschenräuber: Dem schnellen Eingreifen des 56-Jährigen ist es zu verdanken, dass eine ein Jahr ältere Frau nach einem Raub ihre Handtasche samt 1000 Euro Bargeld zurückerhielt. Am Morgen des 12. Oktober 2016 gegen 8.25 Uhr ging die Frau über die Breite Straße in Richtung Marktstraße. Ein Mann näherte sich ihr von hinten und riss zweimal kräftig an ihrer Umhängetasche. Aufgrund des Einsatzes und der Angaben von Dahmen konnte die Polizei einen 45-Jährigen festnehmen, für den Untersuchungshaft angeordnet wird.

Eva Brisch wurde am frühen Morgen des 29. Oktober 2016 auf das Piepen des Rauchmelders in der Nachbarwohnung aufmerksam. Noch während die 28-Jährige den Notruf wählte, klopfte sie dort immer wieder an der Tür. Als der Bewohner öffnete, reagierte die Frau geistesgegenwärtig, zog den Mann aus seiner stark verrauchten Wohnung in den Hausflur und versorgte ihn dort bis zum Eintreffen der Rettungskräfte. Sie rettete ihm damit vermutlich das Leben.

Martina Gertrud Sommer, Beate Johanna Reger und Christian Engh stellten eine Einbrecherin: Martina Sommer beobachtete am 22. März 2016 zwei Frauen, die gerade in das gegenüberliegende Haus an der Luisenstraße einbrachen und rief die Bewohnerin an. Das Trio konnte eine der beiden Frauen einholen und sie bis zum Eintreffen der Polizei festhalten.

(RP)
Mehr von RP ONLINE