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Laschet eröffnet Krefelds Jahr der Wirtschaft

Wirtschaft in Krefeld : Laschet eröffnet Krefelds Jahr der Wirtschaft

Krefeld soll einen Wirtschaftsdezernenten bekommen, der „Aktionsplan Wirtschaft“ kommt voran. Eine entscheidende Frage in 2020 wird sein, ob in der Kommunalwahl Klimaschutz gegen Wirtschaftsförderung ausgespielt wird.

Das Jahr 2020 wird für Krefeld das Jahr der Wirtschaft. Die Stadt wird einen Wirtschaftsdezernenten bekommen; am 3. März will der 2018 gegründete „Aktionsplan Wirtschaft“ auf einem „Zukunftskongress“ seine Vision für ein wirtschaftlich starkes und zukunftsfähiges Krefeld vorstellen. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) wird als Hauptredner erwartet. Eine Idee: In Krefeld soll eine sogenannten „Coding School“ gegründet werden, eine spezielle Programmierschule, die Schülern schon früh Programmierkenntnisse vermitteln soll. Hochschule Niederrhein, die Stadt Krefeld und andere Akteure arbeiten an der Gründung und suchen Finanziers aus der Wirtschaft. Zugleich wirft die Kommunalwahl ihre Schatten voraus: Indirekt steht die Befürchtung im Raum, dass im Wahlkampf Klimaschutz gegen Wirtschaftsförderung ausgespielt werden könnte. Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK-Mittlerer Niederrhein, hat indirekt davor gewarnt, die Wirtschaftsförderung zu vernachlässigen: „Ein entscheidendes Datum für die Zukunft der Region wird der 13. September sein. Auch bei den Kommunalwahlen wird über die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit der Kommunen entschieden. Wir werden uns mit sehr detaillierten Forderungen einmischen“, erklärte er.

Foto: grafik

Zugleich will auch die Wirtschaft deutlich machen, dass sie die Herausforderung nachhaltigen Wirtschaftens angenommen hat. Wie berichtet, hat der auch im Uerdinger Chempark angesiedelte Lanxess-Chemiekonzern erklärt, bis 2040, also zehn Jahre vor Europa und Deutschland, CO2-neutral zu ein. Die Krefelder Wirtschaftsförderung hat sich das Thema Nachhaltiges Bauen auf die Fahnen geschrieben und eine entsprechende Stelle ausgeschrieben. Sie sucht einen Projektmanager zum Aufbau eines Netzwerks im Bereich „Nachhaltiges Bauen“. Laut Stellenbeschreibung soll er in der Bauwirtschaft über die Marktchancen „Nachhaltigen Bauens (Healthy Building)“ informieren, öffentlich bei privaten Bauträgern für klimaschonendes Bauen werben und eine grenzüberschreitende Datenbank im Bereich „Nachhaltiges Bauen“ einrichten. Hintergrund für das Stichwort „grenzüberschreitend“: Die Niederlande sind offenbar in Sachen nachhaltiger Bauplanung viel weiter als Deutschland. Das Land ist extrem dicht besiedelt und liegt zu großen Teilen unter dem Meeresspiegel; der Klimawandel, der mit einem steigenden Meeresspiegel einhergehen soll, spielt im öffentlichen Bewusstsein daher eine große Rolle. „Da sich das Land mit den Folgen des Klimawandels, mit Bevölkerungswachstum, Verstädterung und einer intensiv genutzten Infrastruktur konfrontiert sieht, müssen neue und nachhaltige Konzepte für den Umgang mit dem verfügbaren Raum gefunden werden. Auf diesem Gebiet haben die Niederlande viel Erfahrung“, heißt es dazu auf einer niederländischen Internetseite, die für Nachhaltige Raumplanung wirbt.

Die Stellenausschreibung ist auch mit Blick auf Debatten in Krefeld plausibel: Der breite Widerstand gegen die Ausschreibung neuer Siedlungsbereiche für den Wohnungsbau ist vor allem mit Klimaschutzargumenten gestützt worden; die Idee Nachhaltigen Bauens könnte also die Akzeptanz neuer Wohnbebauung stärken und deutlich machen, dass Klimaschutz und Neubauten kein Gegensatz sein müssen.

Generell sehen die Beteiligten den Aktionsplan Wirtschaft auf gutem Weg. Der Aktionsplan wurde 2018 von Stadt und IHK ins Leben gerufen, um den Wirtschaftsstandort Krefeld für die Zukunft fit zu machen. Seit September 2018 haben die knapp 150 Akteure aus Unternehmen, Institutionen und Verwaltung in vier Arbeitsgruppen Projektideen entwickelt. Eckart Preen, Chef der Krefelder Wirtschaftsförderung, resümiert: „Von der Vielfalt und Qualität der Projekte her und auch hinsichtlich der zum Ausdruck gebrachten Unterstützungsbereitschaft zahlreicher Akteure sehe ich uns mit dem Aktionsplan mittlerweile auf einem guten Weg. Zum Teil müssen aber noch Prioritäten herausgearbeitet, Verantwortlichkeiten geschärft und Finanzierungsfragen geklärt werden.“ Auf einer Skala von eins bis zehn sieht er den Prozess bei 8,5. Preen ist zuversichtlich, dass der Plan bis zum Zukunftskongress im März die zehn erreicht hat.

Optimismus auch bei Jürgen Steinmetz: „Gemessen an unserem Plan und den Vorgaben liegen wir voll im Plan, also bei 10. Die Arbeitsgruppen haben getagt, Projekte sind formuliert, Finanzmittel für die Umsetzung sind eingeplant.“ Zufrieden zeigte Steinmetz sich vor allem damit, dass die Forderung nach einem Wirtschaftsdezernenten positiv aufgenommen worden sei, „jetzt muss diese Forderung noch richtig umgesetzt werden. Ich bin sehr zufrieden.“

Die Zahlen zeigen, dass Krefelds Wohlstand wesentlich vom industriellen Kern der Stadt abhängt. Obwohl die Stadt mit rund zehn Prozent Arbeitslosigkeit deutlich über dem Lands- und Bundesschnitt liegt, verfügen die Krefelder über ein relativ hohes Durchschnittseinkommen: Laut neuem statistischen Jahrbuch für Krefeld hat jeder Krefelder 2017 im Schnitt 21.594 Euro im Jahr verdient hat; in Duisburg waren es 17.049, in Mönchengladbach 20.751 und in Düsseldorf 25.917 Euro. In der Krefelder Industrie steht jeder Beschäftigte für einen Umsatz von 461.750 Euro; der Wert lag 2006 noch bei 342.280 Euro.

Trotz einer sich eintrübenden Konjunktur und weltweiter Krisen, die vor allem für die exportorientierte Krefelder Industrie problematisch sind, ist laut IHK die Zahl der Beschäftigten in Krefeld von März 2018 bis März 2019 um zwei Prozent gestiegen.

Dennoch liegt die Höhe der Arbeitslosenquote in Krefeld seit einem Jahrzehnt stabil bei rund zehn Prozent. Im November 2019 lag die Arbeitslosenquote der Stadt bei 9,8 Prozent und war damit doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Dieser Umstand ist vor allem einem breiten Sockel an schlecht ausgebildeten, älteren Arbeitslosen geschuldet, die in der hochqualifizierten Arbeitswelt der Industrie keine Chance mehr haben. So ist es auch nicht paradox, wenn die Krefelder Unternehmen zugleich mit Facharbeitermangel zu kämpfen haben – auch er bedroht die wirtschaftliche Entwicklung. Laut IHK meldete im Spätsommer 2019 rund die Hälfte der Krefelder Betriebe Personalbedarf; „mehr als die Hälfte davon können ihre offenen Stellen längerfristig nicht besetzten“, heißt es.

Die weltweiten Krisen – etwa der Handelskonflikt zwischen China und den USA – schlagen bis Krefeld durch. „Die Industrieumsätze lagen 2019 in den ersten drei Quartalen in Krefeld zehn Prozent unter dem Wert der Jahre 2018 und 2017“, resümiert die IHK; insbesondere bei den Auslandsumsätzen meldeten die Krefelder Unternehmen im laufenden Jahr Verluste um 17 Prozent. IHK-Sprecher Steinmetz warnt daher, das zurückliegenden Jahrzehnt der Hochkonjunktur zum Maßstab zu nehmen. „Wir sind wieder bei Normalauslastung. Der Industrieumsatz liegt etwa auf dem Durchschnittsniveau der vergangenen zehn Jahre.“ Krefeld hat darauf reagiert und in ihrer Finanzplanung die Erwartungen für die Gewerbesteuereinnahmen deutlich gesenkt.