Einigung im Facebook-Prozess: Lagerist verliert Job wegen Facebook-Fotos

Einigung im Facebook-Prozess : Lagerist verliert Job wegen Facebook-Fotos

Er war wegen eines Bandscheibenvorfalls krankgeschrieben, hob aber seine schwangere Frau hoch - und veröffentlichte Fotos davon im sozialen Netzwerk Facebook. Das hat einen Lageristen aus Viersen jetzt seinen Job gekostet. Der Fall wurde vor dem Arbeitsgericht Krefeld verhandelt.

Der 21-Jährige einigte sich mit seinem bisherigen Arbeitgeber vor dem Krefelder Arbeitsgericht auf einen Vergleich, wie am Donnerstag bekannt wurde. Demnach bleibt es bei einer Kündigung. Die fristlose Entlassung wurde aber in eine "normale" Aufhebung des Arbeitsverhältnisses umgewandelt. Außerdem erhält der 21-Jährige - inzwischen Vater eines Kindes - eine Abfindung.

Ein ursprünglich für Freitag geplanter Verhandlungstermin am Arbeitsgericht Krefeld fällt nach der Einigung aus. Der Lagerist hatte dort seine Kündigung verhindern wollen.

Hintergrund des Streits vor Gericht war ein verhängnisvoller Fall von Offenheit im sozialen Netzwerk Facebook: Hier waren drei Fotos eingestellt, die zeigten, wie der 21-Jährige bei der Hochzeit im Juni seine hochschwangere Braut durch ein ausgeschnittenes Herz trägt. Er war zu diesem Zeitpunkt schon seit einem Monat wegen des Bandscheibenvorfalls krankgeschrieben. Durch diese Aktion habe der Lagerist den Heilungserfolg gefährdet und sich grob genesungswidrig verhalten, hatte der Arbeitgeber - eine Spedition aus Willich - argumentiert. Dass er geheiratet hat, während er krankgeschrieben war, spielte dabei keine Rolle.

Der 1,95 Meter große gekündigte Mann vertrat die Auffassung, er habe seine Ehefrau im Überschwang der Gefühle einmal kurz hochgehoben - das rechtfertige keine Kündigung. "Meine Frau ist 1,67 Meter groß und hat selbst hochschwanger nur 62 Kilo gewogen." Drei Tage nach der Hochzeit bekam er die fristlose Kündigung. Das Kind kam am 5. Juli zur Welt.

Arbeitsrechtler raten Arbeitnehmern generell zur Vorsicht in sozialen Netzwerken. Es passiere häufiger, dass krankgeschriebene Beschäftigte entlassen werden, weil sie im Karneval oder bei Umzügen Höchstleistungen erbringen und Bilder davon auf Facebook einstellen.
Der Krefelder Arbeitsgerichtsdirektor Olaf Klein betont, dass als Kündigungsgrund generell anerkannt wird, wenn krankgeschriebene Arbeitnehmer genesungswidrig handeln. Lesen Sie hier, welche Sprüche noch zu Kündigungen führen können.

Einen ähnlichen Fall hatte vor zwei Jahren das Düsseldorfer Arbeitsgericht zu verhandeln: Eine angehende Friseurin verlor ihren Ausbildungsplatz, weil sie sich laut ihrem Chef krankgemeldet hatte und dann nach Mallorca geflogen war. Auf Facebook habe sie gepostet: "Ab zum Arzt und dann Koffer packen."

Hier geht es zur Infostrecke: Die besten Sprüche: Dinge, die ein Krefelder nicht sagt

(ape)