Kunstverein Krefeld: Florale Tranformationen im Jugendstilhaus

Ausstellung : Kunstverein: Florale Tranformationen im Jugendstilhaus

Der Kunstverein Krefeld zeigt die Arbeiten von zehn Künstlern aus der Region. Ausstellungseröffnung ist morgen um 19 Uhr.

Die Auseinandersetzung mit pflanzlichen Formen ist das Thema der neuen Ausstellung im Kunstverein: Florale Transformation II zeigt die Arbeiten von zehn Künstlern aus der Region. Während im Vorjahr bei Florale Transformation I Arbeiten mit echten Pflanzen gezeigt wurden, sind es nunmehr malerische und bildhauerische Ansätze.

Beim Betreten der Ausstellung fallen zunächst vier organische Objekte  auf drei Spiegeltischen ins Auge. In kräftigem Orange schlängelt sich in der Mitte eine Alge von in fast einem Meter – Thomas Musehold hat sie aus lackiertem Kunststoff geschaffen. Ähnlich wirklichkeitsnah sind die kleinen blassen Fruchtblattpärchen. Seine beiden anderen Arbeiten geben organischen Vorgängen Gestalt: Der Pflanzendruck (Turgor) und eine Zusammenballung von Bläschen in extremer Vergrößerung sind aus Wachs und lackiertem Kunststoff geformt.

In Korrespondenz dazu hat Kurator Wilko Austermann die Collagen von Johanna Flammer und die abstrakten Bilder von Roman Kochanski gehängt. Kochanski arbeitet mit Öl, Acryl, Lack und trägt die Farben in verschieden dicken Schichten auf. „Er steht in der Tradition der Stilleben-Malerei“, sagt Austermann.

Einen Kontrast dazu bilden die Pflanzenknoten von Johanna Flammer. Sie malt organische Pflanzenteile, ergänzt sie collagenhaft mit ausgeschnittenen Hochglanzfrisuren oder -zöpfen und gibt dann glänzenden Firnis darüber. Beim nahen Hinsehen erschließen sich auf den „Nodi“ immer mehr Details.

Diese drei Künstler hat Austermann in das Kapitel „Abstraktion der floralen Form – malerische Collage“ zusammengefasst. Im Treppenhaus befasst sich Thorben Eggers mit floralen Motiven und digitaler Werbung. Er hat Blumen aus der Werbung von großen Konzernen peinlich genau abgemalt, ihnen Hintergründe im Farbverlauf gegeben, die Bilder diagonal zerschnitten und die beiden Teile dann jeweils versetzt wieder aneinander gefügt. „Das ist eine Schnittstelle zwischen Bildhauerei und Malerei“, sagt der Kurator.

Im oberen Geschoss werden die Arbeiten von Katja Tönnissen, Alexander Ernst Voigt und Mevlana Lipp zum Thema „Palmen – Paradiesische Sehnsucht“ zusammengefasst. Auf einen rosa Sockel hat Katja Tönnissen eine vergoldete Keramikmuschel gesetzt, aus der eine kleine Plastikpalme hervorwächst. „Sex in der Südsee“ ist ein verspieltes Stück mit einem Touch von Kitsch. „Ich arbeite ganz viel mit Palmen“, sagt dazu die Künstlerin, die sogar schon ein Stipendium nach Tel Aviv zu just diesem Thema bekommen hat. Auf geometrische, schwarze Linien hat Alexander Ernst Voigt die Blattstruktur der Palmen reduziert. Sie laufen auf seinen Bildern in der Mitte zusammen; dahinter sind farbige Bäume zu sehen.

Einen fließenden Charakter besitzen die drei Arbeiten von Melvana Lipp. Auf nachtschwarzen Samt hat er florale Formen aus Holz gesetzt, deren Wirkung sich je mit dem Blickwinkel verschiebt. „Sie haben einen bedrohlichen Exotismus“, sagt Austermann.

Das letzte Kabinett schließlich befasst sich mit der Wirkung von Pflanzen. Parasitäre Blumen in Neon-Pink und Neon-Grün hat Vera Lossau an die Wand gehängt. Anna Vogel hat auf das Foto einer Orchidee gezeichnet und so eine mythische Figur geschaffen – doch diese Pflanze ist giftig.

Pia Stadtbäumer zeigt hier erstmals drei Arbeiten zu psychoaktiven Pflanzen. Sie hat Gipsplatten geschwärzt und dann die Strukturen von Hanf, Schierling und Tollkirsche aus der Oberfläche herausgekratzt. Ihre Auseinandersetzung mit heimischen giftigen Pflanzen ist zugleich ein Blick in alte Kräuterbücher und damit in die Kulturgeschichte.