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Kunstverein in Krefeld: Wie Schüler den Krieg künstlerisch verarbeiten​

Kunstverein Krefeld : Wie Schüler den Krieg künstlerisch verarbeiten

Der Kunstverein zeigt  Arbeiten von Schülern der Stufen 8 bis 12 – Titel: „Jahreslese II“. Die Ausstellung zeigt, wie leistungsfähig junge Künstler sein können. Auch der Ukraine-Krieg ist ein Motiv.

Von Christina Schulte

Plastische Arbeiten begrüßen den Betrachter: Der Kunstverein zeigt Arbeiten unter dem Titel „Jahreslese II“ von Schülern der Stufen 8 bis 13 vom Kooperationspartner Maria-Montessori-Schule. „Unser Anliegen ist es, junge Menschen für die Bildende Kunst zu interessieren“, sagt die Vereinsvorsitzende Rosemarie Voßen.

Die Präsentation zeigt die überzeugende Handschrift des Künstlers Johannes Trittien, der nicht zum ersten Mal im Haus am Westwall kuratiert. Daher begrüßen zwei Vogelnester – auf dem Boden! – den Besucher (Jahrgang 6). Erste Materialerfahrungen haben die Schüler mit diesen Plastiken aus Papier, Fundstücken wie Zweigen und Ästen und weißem oder rotem dünnen Band gesammelt. Zu ihren Häuptern dreht sich ein Mobile mit bunten Fischen (Jahrgang 8).

 Arbeiten auf Papier, gefertigt von Schülern der  Jahrgangsstufe 12.
Arbeiten auf Papier, gefertigt von Schülern der  Jahrgangsstufe 12. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Im anderen Fenster erblickt man ein Architekturmodell in Form eines Rochens. Das flache Gebäude mit mehreren Trakten ist für die Meeresforschung gedacht: Fünf Schülerinnen aus dem Jahrgang 9 haben einen schwimmenden Campus entworfen. Inneres und Äußeres gehen bei ihnen eine Verbindung ein: „Die Verknüpfung von Form und Inhalt steht in allen Jahrgängen über allem“, sagt dazu Moritz Krämer. Er ist seit zwei Jahren Kunstlehrer an der Montessori-Gesamtschule und erläutert hier mit dem langjährigen, verdienten Kollegen Thomas Müller die Arbeiten der Schülerschar und die pädagogischen Ansätze der Schule.

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Neben denn plastischen Arbeiten und dem Architekturmodell haben die Schüler Fassaden von Krefelder Häusern gezeichnet (Jahrgang 6) und sich mit der Dreipunkt-Perspektive von Stadtarchitektur befasst (Jahrgang 11). Nette Kleinigkeit: Im fernen Hintergrund liegt Silhouette der Seidenstadt.

 Ein Fischmobile, gefertigt in der Jahrgangsstufe 8.
Ein Fischmobile, gefertigt in der Jahrgangsstufe 8. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Ein Quartett der Stufe 10 hat ein Gesellschaftsspiel erdacht und gebaut – die kleinen Figürchen wurden im 3-D-Druckverfahren gefertigt. Zum Thema Porträt haben Mädchen aus der Stufe 11 gearbeitet: Sie sollten ein Selbstporträt zeichnen, sich fotografieren und es mit einem Text versehen. Eine hat sich selbst als „Mädchen mit dem Perlenohrring“ inszeniert und abgebildet. Diese Arbeiten werden mit dem I-Pad angefertigt: Die Schüler lernen den Umgang mit dem Medium und sie lernen die wichtige Unterscheidung zwischen althergebrachter Technik und digitalen Medien kennen. Mit Radierung zum Beispiel gefasst sich Stufe 12, indem sie sich an die Caprichos von Goya anlehnt und „Düstere Märchenszenen“ schafft.

Die Materialiät von Ton bearbeitet Stufe 5. Künstlerische Tagebücher zum Thema Rolle der Frau in der Gesellschaft und in der Kunst haben Schülerinnen der Stufe 12 beigesteuert. Die Hefte darf man durchblättern – die Collagen erlauben einen Blick auf die Gedankenwelt der jungen Frauen.

Im hintersten Raum, obere Etage, stehen zwei beeindruckende Plastiken: Eine Frau und ein Kind aus mit Draht umwickelten Papier. Sie sucht sich mit einem roten Kissen zu schützen, das Kind hat einen roten Teddy in der Hand. Daran steht geschrieben: „Krieg“, „Furcht“, „Schutz“, „Hass“. Die Arbeit ist im Februar entstanden, als der Ukraine-Krieg ausbrach.