Kunstmuseen Krefeld erhalten "Darkroom", eine Installation des Künstlerduos Elmgreen & Dragset

Kunstmuseen Krefeld : Kostbare Schenkung für Haus Lange

Die Ausstellung „Die Zugezogenen“ des skandinavischen Künstlerduos Elmgreen & Dragset im Haus Lange war 2017 überaus populär. Nun konnten die Kunstmuseen Krefeld die „Darkroom“-Installation für ihre Sammlung gewinnen.

Dämmriges Rotlicht, Fotokameras, Wannen, an Wäscheleinen hängen Schwarz-Weiß-Fotos tief in den Raum, sodass man den Kopf einziehen muss, um weiter vorzudringen – die Charakteristika einer Foto-Dunkelkammer. Doch irgendwie suggeriert die beengte, düstere Atmosphäre, dass es hier etwas Verbotenes zu sehen gibt. Bei genauem Betrachten fallen dann die Motive ins Auge. Sie wechseln zwischen kunstgeschichtlichen Skulpturen einerseits und homoerotischen Aufnahmen von Männern und Jungen andererseits. Die geheimen Vorlieben eines Fotografen oder Auswuchs der eigenen Interpretation?

Der „Darkroom“ war einer der Höhepunkte der populären Ausstellung „Die Zugezogenen“ des skandinavischen Künstler-Duos Elmgreen & Dragset im Haus Lange. Jetzt haben die Kunstmuseen Krefeld diese Installation fest für ihre Sammlung gewinnen können. „Es ist ein großes Glück, dass mit dem Darkroom das Herzstück der Ausstellung nun ein dauerhaftes Familienmitglied von Haus Lange ist“, freut sich Katia Baudin, Leiterin der Kunstmuseen Krefeld und sagt: „Er passt sehr gut in dieses Haus und ist ein Pendant zum weißen ‚Raum der Leere’, den Yves Klein hier 1961 gestaltet hat“.

Jan Fischer hat den Erwerb finanziert und die Installation anschließend den Kunstmuseen Krefeld geschenkt. Der Mäzen gilt als Kollektor von Lichtkunst, seine Sammlung „Light Art Space“ zum Thema künstliche Intelligenz wird aktuell in Berlin ausgestellt. Über die Höhe seiner Investition möchte er allerdings nichts sagen: „Es handelt sich hier um ein besonderes Werk eines weltbekannten Künstlerpaars, das hat seinen Preis“, sagt Fischer. Der Kontakt zwischen Mäzen und den Krefelder Kunstmuseen kam über die Organisation Outset Germany Switzerland zustande, die zwischen privaten Investoren, Künstlern und öffentlichen Museen vermittelt. Direktorin Bettina Böhm hatte sich „Die Zugezogenen“ damals mit einer Gruppe angeschaut und war so begeistert, dass sie sich darum bemühte, einen Investor zu finden, damit der Raum Teil des Hauses bleiben kann.

„Die Zugezogenen“ inszenierte 2017 eine fiktive Geschichte in der Realität: die einer deutschen Familie, die aufgrund des Brexit aus England nach Deutschland zurückgekehrt war und in Krefeld ein Anwesen erwarb: So war vor Haus Lange ein Verkaufsschild angebracht, das Auto der Familie parkte dort und die Räume im Innern waren so gestaltet, als würde die Familie tatsächlich in diesem Haus wohnen. Kleine Details deuteten aber darauf hin, dass irgendetwas mit dieser Familie nicht stimmte. Der Vater der Familie war Fotograf und hatte seine eigene Dunkelkammer. Tatsächlich nutzten die Künstler die ursprüngliche Dunkelkammer von Haus Lange, die Hermann Lange für seine Tochter eingerichtet hatte und inszenierten ihre Geschichte, gestalteten den Raum. So ist der Raum einerseits Arbeitsplatz, andererseits der Ort, an dem der Vater seine Fantasien auslebte, die er vor der Öffentlichkeit geheim halten musste, weil sie den gesellschaftlichen Konventionen zuwiderliefen. Die Fotografien gehen dabei unter anderem auf das Archiv der „Incidental Selfportraits“ der Künstler zurück. Magdalena Holzhey, Sammlungskustodin der Kunstmuseen Krefeld bezeichnet den Darkroom als „intime Zelle, die ins Abgründige führt“. Die Künstler hätten nicht nur mit der Doppeldeutigkeit des Namens gespielt, sondern durch den Raum beim Rezipienten einen „Abstieg ins eigene Unbewusste“ auslösen und so einen gesellschaftlichen Zugang sichtbar machen wollen.

Gerade deshalb passe das Werk so gut zur Programmatik der Kunstmuseen Krefeld, erklärt Baudin: Man versuche verstärkt, Werke mit gesellschaftspolitischem Blick zu akquierieren, und setze dabei neben bekannten Künstlern wie Elmgreen & Dragset auch auf weitgehend unbekannte Künstler. Besucher sollen den Raum ab sofort betreten dürfen und durch die Fotos blättern können, wie von den Künstlern gewünscht. Das ist neu im Vergleich zur Ausstellung vor zwei Jahren. So bekommen Besucher unter Abgabe ihrer Taschen einen Schlüssel und können den Darkroom alleine entdecken. Nur so könne die „Intimität des Raumes“ auch erfahrbar gemacht werden, erklärt Baudin.