Kunstmuseen Krefeld bereiten Superschau zu Folklore und Avantgarde vor

Krefelder Kunstmuseen : Museum bereitet Super-Schau vor

Es wird die größte Ausstellung seit der Wiedereröffnung des Kaiser-Wilhelm-Museums: Für „Folklore & Avantgarde“ kommen Leihgaben aus Frankreich, Skandinavien und New Yorker Museen nach Krefeld.

Im Thorn-Prikker-Saal herrscht der Ausnahmezustand. Der Ausstellungsraum mit den großen Wandgemälden in der oberen Etage des Kaiser-Wilhelm-Museums ist zur Auspackstation geworden. Große Kisten aus dem In- und Ausland stehen herum. American Folk Art Museum, Musée National Picasso, Stedelijk Museum. Hier ist die Anlaufstelle für internationale Kunst. Aus Museen in New York und Moskau, aus Paris und Stockholm, aus Amsterdam und aus großen Sammlungen in Deutschland kommen Leihgaben an. Die Welt schickt ihre Kunst nach Krefeld für die größte Ausstellung der Kunstmuseen in diesem Jahrhundert.

Ab Sonntag, 10. November, ist „Folklore & Avantgarde. Die Rezeption volkstümlicher Traditionen im Zeitalter der Moderne“ zu sehen. Die Besucher können große Namen erwarten: Pablo Picasso, Marc Chagall, Paul Gauguin, Wassily Kandinsky, Le Corbusier – und natürlich auch Heinrich Campendonk. Die Ausstellung wird das Zeitalter der Moderne mit ihren Wurzeln konfrontieren und zeigen, wie sich die wichtigsten Vertreter der Avantgarde mit Volkskunst und Brauchtum auseinandergesetzt haben. „Wir zeigen mehr als 350 internationale Leihgaben aus 38 privat und öffentlichen Sammlungen, die mit Werken aus unserer Sammlung kombiniert werden“, sagt Timm Schulze, Sprecher der Kunstmuseen.

Die Vorbereitungen sind ein logistisches Großprojekt. Deshalb hat Restaurator Sebastian Köhler seinen Arbeitsplatz in den Museumssaal verlagert. Die Deckenbeleuchtung ist gedimmt, denn was die Museumsleute aus den Kisten holen, ist oft lichtempfindlich. Tageslichtstrahler erhellen große Arbeitstische. Ein Team von fünf Restauratoren nimmt jedes Exponat sorgfältig in Augenschein: Kein Haarriss, nicht die kleinste Spur von Beschädigung darf den geschulten Augen entgehen. Viele Leihgaben kommen aus den Depots. Entdeckte Mängel oder Staubspuren müssen behoben sein, bevor die Kunst im Museum präsentiert wird.

An diesem Tag sind zwei Kisten aus Stockholm und eine Kiste aus New York eingetroffen. Auch in der Cafeteria stehen Holzverpackungen, und viele mehr sind bereits eingelagert.  Fast jede Kiste wird begleitet von einem Vertreter des Leihgebers. Oft ist es ein Restaurator, ein Sammlungsmanager oder Kurator. „Das sind übliche Sicherheitsmaßnahmen“, sagt Köhler. „Wir hatten bisher 21 Leute von diversen Instituten im Haus.“ Sie helfen beim Auspacken. „Wenn wir eine Kiste öffnen, wird der Zustand der Leihgabe genau gecheckt. Vor der Abreise ist bereits der Zustand dokumentiert worden“, berichtet Köhler. So fallen eventuelle Transportschäden gleich auf. Aber die Kunstbegleiter haben oft auch konkrete Anweisungen der Leihgeber, wie ein Kunstwerk behandelt wird. Auch das ist schriftlich fixiert. Lichtempfindliche Objekte wie Zeichnungen und Textilien dürfen oft nicht mehr als 50 Lux ausgesetzt werden, auch für die Hängung oder Präsentation in einer Vitrine gibt es Auflagen.

Oft müssen die Krefelder sich etwas einfallen lassen. Zum Beispiel für ein Pferd und einen Hahn von der New York Historical Society. Es sind Wetterfahnen aus Blech, die an die Wand sollten. „Da hat unser Schlosser eine Hakenvorrichtung gebaut, die mit Filz abgepolstert wurde. Die Haken habe ich dann farblich den Objekten angepasst“, berichtet der Restaurator. Auch die Plexiglashalter in der Vitrine nebenan, in der ein Keksmodell erstmals von beiden Seiten präsentiert wird, sind eine Krefelder Lösung.

Aktuell hat Köhler eine Schamanentrommel aus Sibiren auf dem Tisch. Das Instrument stammt aus dem 18. Jahrhundert und ist eine Leihgabe aus dem Grassi Museum für Völkerkunde in Leipzig. Köhler zieht die Handschuhe über und streicht vorsichtig über die gespannte Haut. Die „Akte Schamanentrommel“ liegt aufgeschlagen daneben. Exakte Buchführung ist wichtig. „Wir haben auch extrem klima-empfindliche Exponate. Da muss die Kiste erst 24 Stunden bei Raumtemperatur stehen, bevor wir sie öffnen dürfen.“

So kennen Museumsbesucher den Thorn-Prikker-Saal im KWM nicht. Der Ausstellungsraum ist zurzeit die Auspackstation für internationale Kunst. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Jeder Arbeitsgang ist in einem Plan festhalten. Auch die Zeit ist festgelegt. Ausstellungsvorbereitung ist wie ein Uhrwerk, bei dem jedes Rädchen korrekt laufen muss. „Mit dem Umbau hat sich das Museum den internationalen Standards angelichen. Deshalb bekommen wir nun wieder solche kostbaren Leihgaben. Vor 2016 konnten wir die Bedingungen der Leihgeber nicht erfüllen“, sagt Köhler.

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