Krefeld: Kunst zum Ausleihen per Mausklick

Krefeld: Kunst zum Ausleihen per Mausklick

Die Artothek ist jetzt online. Die Gemeinschaft Krefelder Künstler stellt mehr als 600 Bilder bereit, die Interessierte ausleihen können. Und mancher entdeckt sein Faible für ein Bild, das er später kauft.

Die Lust auf Kunst ist groß. Das Budget ist klein. Oder es ist die Neugier, wie sich unterschiedliche Genres im eigenen Wohnzimmer machen. Für solche Leute hat die Gemeinschaft Krefelder Künstler (GKK) 1991 die Artothek gegründet - die Ausleihe von Original-Kunstwerken auf Zeit. Ab sofort können mehr als 600 Bilder schon am heimischen PC angesehen und online vorbestellt werden. "Für Artotheken in Deutschland ist dies ein noch recht seltener Service. Es war ein sehr arbeitsintensiver Prozess. Es galt, eigens dafür ein Programm zu schreiben, alle Bilder zu fotografieren, zu digitalisieren, und alle Inhalte einzustellen. Ohne viel ehrenamtliches Engagement wäre dies nicht zu verwirklichen gewesen", sagt GKK-Schatzmeister und Webmaster Martin R. Becker.

Brigitta Heidtmann, Leiterin der Artothek, hat 600 Bilder aus dem Rahmen genommen, sie fotografiert und wieder eingerahmt. Dass die Kunst nagelfertig zu den Entleihern kommt, ist ihr wichtig. "Wir wollen aktuelle Originalwerke an den Bürger bringen und den Zugang zur Kunst ganz leicht machen", sagt sie. Im Internet einfach mal stöbern, was gefallen könnte, und dann ausprobieren, ob das ins Zuhause passt und nach vier Wochen immer noch spannend ist: "Dafür steht die Artothek."

Acryl- und Ölmalerei, Feder- und Graphitzeichnungen, Objektkästen oder zeitgenössische Fotografie gehören zum Angebot. Stile und Größen sind ganz unterschiedlich. "Wir wollen für viele etwas bieten", meint GKK-Vorsitzende Christine Prause. Es sind Originale von regionalen und überregionalen Künstlern, nicht nur von GKK-Mitgliedern. "Und die Arbeiten werden nach einer gewissen Zeit auch immer ausgetauscht", sagt Prause. So kommen auch langjährige Stammkunden zu immer neuen Entdeckungen.

  • Kunstfreund und Mäzen

Mehr als 700 Ausweise hat die Artothek bisher ausgegeben. Etwa 100 werden derzeit aktiv genutzt. Die Kunden sind Privatleute, aber auch Arztpraxen, Kanzleien und Firmen nutzen das Angebot. Für acht Euro kann man ein Bild ein Quartal lang ausleihen. Wer es danach noch nicht hergeben mag, kann einmal für drei weitere Monate verlängern. Dann geht es zurück - oder der Kunstfreund entschließt sich zum Kauf. Das machen nach Erfahrungen der GKKler etwa fünf Prozent. "Aber das läuft dann zwischen Kunde und Künstler, da ist die Artothek nicht beteiligt", sagt Brigitta Heidtmann. Und die Künstlergemeinschaft profitiert auch nicht vom Kaufpreis.

Wer sich im Internet in ein Bild verliebt, muss es trotzdem persönlich abholen. "Kunst muss man direkt anschauen und spüren, was sie mit einem macht. Das kann man nicht durch Abbildungen ersetzen", betont Christine Prause. Wer unschlüssig ist, bekommt in der Artothek Beratung. "Aber ich bin oft erstaunt, welches Gespür die Leute haben. Was gut ist, gefällt auch."

(RP)