Krefeld: Kunst - im öffentlichen Raum oft übersehen

Krefeld : Kunst - im öffentlichen Raum oft übersehen

Maria-Montessori-Schüler haben einen Film über zwölf Kunstwerke im öffentlichen Raum gedreht. Viele Werke finden nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdienen.

Die Kamera zoomt auf einen metallenen Körper. Allmählich sind die Konturen eines menschlichen Rückens zu sehen. Dann erkennt man die Beine und eine zweite Figur: Die erste Szene im Film der Schüler der Montessori-Gesamtschule ist der Skulptur auf dem Westwall gewidmet. "Hockendes Paar, entgegengesetzt" heißt die Arbeit von Joachim Albrecht. Sie ist ein Beispiel für Kunst im öffentlichen Raum in Krefeld. Oft geht man an den Kunstwerken vorbei, aber sie haben nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdienen, findet Kunstlehrer Thomas Müller. Er gab den Anstoß zu diesem Kunstprojekt des 13. Jahrgangs. Entstanden ist ein 16-minütiger Film "Krefeld - Kunst im öffentlichen Raum seit 1950".

Das "Ohr" nennen die Krefelder "Building from the Inside" von Richard Deacon. Die sechs Meter hohe Edelstahl-Skulptur am Voltaplatz ist im Oktober 2015 gründlich gereinigt worden. Foto: Thomas Lammertz /Archiv:TL

Die Schüler Daniel Bos, Jule Rheinhard und Emma Weber dokumentieren zwölf Kunstwerke, deren Entstehung und die Umgebung, in der die Objekte und Skulpturen stehen.

Sechs der zwölf vorgestellten Kunstwerke befinden sich rund um die Museumsvillen Lange und Esters, die anderen sechs im restlichen Stadtgebiet. Vorgestellt werden unter anderem die Zahnbürste von Claes Oldenburg vor Haus Esters, das "Doppelohr" auf dem Voltaplatz von Richard Deacon sowie "epoca eroica" von Berto Ladera vor dem Haus Lange.

Die Kamera umwandert immer wieder das Kunstwerk und zeigt Details wie Schweißnähte oder Oberflächenstrukturen auf. Diese Kameraführung haben die Schüler gewählt, weil so sowohl die Schönheit und Eigenwilligkeit der Werke, als auch die "Problemzonen" beleuchtet werden. Ingeborg Müllers, Vorsitzende des Kultur- und Denkmalausschusses, ist "gerührt von der Auswahl der Kunstwerke". Es freut sie, dass die Schüler sich auch auf Kunstwerke kontrieren, die an ihrem Standort wenig auffallen.

Im Film geht es auch um fünf Skulpturen von Ingo Ronkholz auf dem Konrad-Adenauer-Platz, das "Pferd" von Markus Oehlen vor der Schule Kaiserplatz, Erwin Heerichs Skulptur vor der Agentur für Arbeit, die "Liegende" von Thomas Schütte am Haus Esters, "ICHS" von Ludger Gerdes und den Zaun von Michael Craig-Martin im Garten von Haus Esters, Ulrich Rückriems Steinskulptur auf der Gartenterrasse von Haus Esters und die Luther-Linsen auf dem Ostwall.

Die Schüler haben sich Gedanken über die "Kunstwerke mit Problemzonen" gemacht. "Das Doppelohr beispielsweise", sagt Daniel Bos, "geht auf dem großen, räumlich unbegrenzten Voltaplatz vollkommen verloren". Sein Vorschlag zur Verbesserung: eine Lichtinszenierung bei Nacht. Diese würde die Stahlkonstruktion, die an zwei Ohrmuscheln erinnert, mehr in den Fokus rücken, findet Bos. Emma Weber bedauert, dass sich kurz nach der umfangreichen Restaurierung wieder Rost auf der "Zahnbürste" von Oldenburg abgesetzt hat. Nicht nur Inszenierungen mit Licht, sondern auch einen Tag der "Kunst im öffentlichen Raum" würden sich die Schüler wünschen - und mehr Zuspruch für das "Sculpture-Battle" zwischen Krefelder Schulen. Das ist ein Wettbewerb zwischen den Abiturjahrgängen. In Projekten setzen sie Krefelder Sehenswürdigkeiten in den Blickpunkt - zum Beispiel mit freiem Tanz. Der beste Beitrag wird prämiert. In diesem Jahr können sich die Maria-Montesori-Gesamtschule, das Fabritianum und die Marienschule die besten Chancen auf einen Sieg ausrechnen.

Das Video rund um Kunst im öffentlichen Raum ist bis zum 18. November auf der Schulhomepage (www.bmmg.de) und auf Youtube abrufbar.

(RP)
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