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Kunst bei Dujardin in Krefeld: Die Künstler öffnen ihre Ateliers

Kunst in Krefeld : Kunst-Wochenende in den Dujardin-Ateliers

Die ehemalige Weinbrennerei Dujardin beherbergt eine Menge Kunst. Sechs Künstler und ein Gast zeigen vom 8. bis 10. November Malerei, Zeichnungen, Objekte und Holzschnitte.

Kunst ist oft ein Kraftakt. Was so federleicht wie eine Bleistiftlinie wirkt, ist Ergebnis starker Konzentration und körperlicher Anstrengung. Jan Kalff hat einen Baum gezeichnet. Mit Graphit. In Schwarz und Weiß. Das klingt erstaunlich unspektakulär. Die differenzierten Grau-in-Grau-Nuancen, die den knorrigen, blätterlosen  Ästen eine melancholische Stimmung geben, die fotografisch anmutende Präzision erwartet man von dem Sackenheim-Meisterschüler. Ebenso das ungewöhnliche Format, mit dem er Landschaften im malerischen Weitwinkel auf die Leinwand bringt. Aber eine Bleistiftzeichnung von 2 Metern Höhe und 1,80 Meter Breite – das ist eine Herausforderung. Und Kalff ist nicht der einzige Künstler mit extrem ruhiger Hand und großer Geduld in den Ateliers in der ehemaligen Weinbrennerei Dujardin. Ab Freitag, 8. November, öffnen sechs Kreative ihre Ateliers und präsentieren Malerei, Zeichnungen, Objekte und Holzschnitte.

Lange hat Kalff an seinem Baum gearbeitet, „unendlich lange“, sagt er. Trotzdem gibt es noch ein Pendant aus dem Frühling, dessen Blattwerk ein Kunstwerk für sich ist. „Für mich ist es eine Rückreise in meine Jugend. In meinen frühen Akademiejahren und davor habe ich viel mit Bleistift gezeichnet. Jetzt sind die Formate allerdings überdimensional.“ Die Dramatik, die sich aus Schwarz und Weiß erzeugen lässt, fasziniert ihn. Und die Illusion von Farbe zu erschaffen, reizt ihn: „Die Filme, die ich als Kind in Schwarz-Weiß gesehen habe, sind in meiner Erinnerung farbig.

 Sibylle Gröning und Heinz Ladage mit Grönes Transformationsbild
Sibylle Gröning und Heinz Ladage mit Grönes Transformationsbild Foto: Petra Diederichs
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Illusionen von Wirklichkeit erschafft auch Frank Joerges. Auch er ist Präzisionsarbeiter. „Ich liebe Bücher, also male ich sie“, sagt er. Seine Bilder sind exakte Abbildungen von Titel und Buchrücken der Literatur, die er liest. Allerdings hat er den Maßstab extrem vergrößert. So hängen die Cover eines Romans von Joseph Conrad und einer Jugendstil-Anthologie in  Zimmertürgröße an der Wand. Selbst aus nächster Nähe wirkt alles wie gedruckt. Doch es lohnt sich, auch die Titel zu studieren. Joerges’ künstlerisches Konzept heißt „Alexandria Paintings“, nach der berühmten antiken Bibliothek. Weil die verbrannt ist, „können wir einen eigenen Kanon erstellen“, findet Joerges. Deshalb hat er auch die Bücher kreiert, die er gerne lesen möchte, die es aber nicht gibt. Zum Beispiel das Reclam-Heft „Kleiner Idiotenführer durch die Hölle“. Auch das Verpackungsmaterial seiner Mal-Utensilien dient als Motiv.

 Frank Joerges hat sich sein Lieblings-Reclam-Heft gemalt
Frank Joerges hat sich sein Lieblings-Reclam-Heft gemalt Foto: Pera Diederichs/Petra Diederichs

Material ist alles, was im Kopf einen Impuls auslöst. Für Martina Urmersbach kann es eine Gummimatte sein oder eine Bürste, deren Struktur sie fasziniert. „Ich defragmentiere das Teil, um Neues zu erschaffen“. Sie nimmt die Matte auseinander, bis nur noch seine textile Struktur den Blick fängt, und schafft daraus mehrere Objekte, die manchmal so wirken, als hätten sie eine Funktion. Wer die erraten will, erfüllt die Hoffnung der Künstlerin. Auch Martin Schüten, der als Gast teilnimmt, lässt sich von Gegenständen, von ihrer Materialität und Form inspirieren. Er nimmt sie auseinander und verwendet sie als Material für neue, abstrakte Dinge, die ihm spontan einfallen.

Der Zufall ist auch für Sibylle Gröne  ein „zuverlässiger Kollege“: Ihre Transformationen von Korrosionsprozessen auf Papier hat sie weiterentwickelt und verwendet nun die entstandenen Eisenoxide als Arbeitsmaterial. Auch Asche, Kohle und Ruß sind Farbträger, die sie mit Rakeln aufträgt: Ziehen, Pause, Ziehen, Pause. Das ist der Rhythmus, der dem Bild seine Struktur gibt, weil die Untergründe die Pigmente unterschiedlich stark aufsaugen. „So entsteht, was man Malerei nennt, aber ohne Pinsel und Industriefarbe“, sagt sie. Von ihren Reisen hat sie Erden mit gebracht: Ockererde, rote Erde; und in Indien ist sie auf intensive Blau- und Gelbpigmente gestoßen, die nun eine Rolle in ihren Bildern finden.

Jedes Bild ist ein nicht wiederholbarer Vorgang. Das gilt auch für die Holzschnitte von Heinz Ladage. Er arbeitet nach dem Prinzip der verlorenen Platte. Für jeden Farbauftrag wird die vorherige Schicht weggeschnitten. Da darf kein Fehler passieren. So entstehen stimmungsvolle, kleinformatige Niederrheinlandschaften in unterschiedlichen Lichtstimmungen. Stimmungen zeigt auch Sabine Brüning in ihren „Anonymen Porträts“.