Kulturzentrum Im-Brahm in Krefeld vor dem Verkauf

Denkmal-Verkauf : Alte Brotfabrik Im-Brahm vor dem Verkauf

Offiziell will sich die Wohnstätte AG als Eigentümerin zum Verkauf des Immobilien-Komplexes der ehemaligen Im-Brahm-Brotfabrik an der Ritterstraße derzeit nicht äußern. Zuerst soll offenbar mit den Mietern des Objekts gesprochen werden. Wohnstätte-Vorstand Thomas Siegert erklärte am Mittwoch auf Anfrage unserer Redaktion: „Wir werden alles unternehmen, damit sie abgesichert sind.“

Der Immobilien-Komplex der ehemaligen Brotfabrik Im Brahm an der Ritterstraße ist seit rund 20 Jahren im Eigentum der mehrheitlich städtischen Wohnstätte AG. Nun steht das denkmalgeschützte Objekt, in dem vor allem Künstler und Kreative eine Heimat gefunden haben, offenbar vor dem Verkauf. Vorstand Thomas Siegert wollte dazu gestern auf Anfrage unserer Redaktion offiziell keine Stellung nehmen. Auch in der Sitzung des Kulturausschusses blieb eine entsprechende Anfrage der Ratsfrau Julia Suermondt (Die Linke) unbeantwortet. Sie hatte Hinweise erhalten, dass die historischen Gemäuer auf einem Immobilienportal im Internet zum Kauf angeboten worden seien. Nach Informationen unserer Redaktion hat der Aufsichtsrat der Wohnstätte der Veräußerung zugestimmt. Es soll mehrere Interessenten gegeben haben. Anlass bildet wohl ein Gutachten, dass ein Verkauf sich für die Eigentümerin wirtschaftlicher darstellt, als den Sanierungsstau zu beheben und den Mietzins weiter einzunehmen.

Aus der Luft gegriffen sind die Befürchtungen der Mieter also nicht. Siegert betonte auf Anfrage, dass „er alles unternehmen wird, um die Mieter abzusichern“. Sollten in dem Personenkreis Fragen auftauchen, werde er sie beantworten. Den Umweg etwa über die Öffentlichkeit halte er für ungeeignet. Er rechne damit, dass er in rund sechs Wochen zu dem Thema Stellung nehmen könne. Die Mieter befürchten, dass der Erwerber höhere Einnahmen für die Ateliers und Räume zu erzielen versuchen wird.

Bei dem historischen Gemäuer handelt es sich nicht nur um ein Zentrum von Künstlern und Kreativen, sondern auch um einen exemplarischen Ort der Stadtgeschichte und der Arbeiterbewegung. Heute ist es Heimstatt etwa für das „Theater hintenlinks“. Vor mehr als 100 Jahren fusionierten in Krefeld die Konsumgesellschaften „Solidarität“ und „Fortschritt“ und errichteten das noch heute sichtbare Gebäude. Architekten für die moderne Großbäckerei mit zehn Backöfen waren Karl Buschhüter und Rudolf Adrian.

Zwei nackte Männer (die Genossenschaften) reichen sich vor einer engelsgleichen Figur zur Fusion die Hände. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Der Betrieb lief bis zur Zeit des Ersten Weltkriegs, danach übernahm die belgische Besatzung die Immobilie. Später übernahm die Genossenschaft wieder den Besitz, allerdings nur für eine kurze Zeit. 1933 verboten die Nationalsozialisten die Organisationen der Arbeiterbewegung  und beschlagnahmten das Vermögen als staatsfeindlich. Das recherchierte Ingrid Schupetta, seinerzeit Leiterin der NS-Dokumentationsstätte in der Villa Merländer in Bockum. Die Genossenschaft wurde enteignet. 1934 wurde die moderne Backstraße von dem Duisburger Im Brahm gekauft. Ob die Genossenschaft wegen Verfolgung und Enteignung nach dem Krieg entschädigt worden sei, lasse sich bislang nicht feststellen, sei aber unwahrscheinlich, erklärte Schupetta.1983 stellte Im Brahm den Betrieb ein. Gegen Pläne, die Immobilie abzureißen, gab es großen Widerstand. Mit Erfolg. Die Stadt nahm das Gebäude sogar in die Denkmalliste auf. 1999 wurde der Komplex von der Wohnstätte grundsaniert. Jetzt will sie sich offenbar von der Immobilie trennen.

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