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Krefeld: Kulturfabrik: Blue Man Group in Silber

Krefeld : Kulturfabrik: Blue Man Group in Silber

Im Rahmen eines DJ-Sets stellt die Göttinger Band Stahlmann am Samstag in der Krefelder Kulturfabrik ihr neues Video "Stahlwittchen" in einer exklusiven Vorpremiere vor. Der Clip wird im Rahmen der Depeche-Mode- /Elektroschock-Party zum ersten Mal öffentlich zu sehen sein.

Los geht es um 22 Uhr, der Eintritt beträgt 6 Euro. Wir wollten im Vorfeld der Party wissen, wie es zu dem ungewöhnlichen Erscheinungsbild der Band kam und sprachen mit Sänger Martin Soer über Inspiration und Zukunftsvisionen.

Ihr habt nach einer selbst veröffentlichten EP ("Herzschlag") über 150 Konzerte mit Musik-Größen wie In Extremo, Doro, Saltatio Mortis und Eisbrecher gespielt. Ende 2010 bekamt ihr schließlich einen Vertrag beim Hamburger Label AFM. Wie erklärt ihr euch selbst diesen ungewöhnlich raschen Aufstieg?

Ich schätze es lag vor allem daran, dass wir uns vorher sehr intensiv Gedanken darüber gemacht haben, was wir eigentlich wollen. Es ging von Anfang an nicht nur darum einen Sound zu erschaffen auf den wir abfahren, sondern ein Gesamtwerk zu kreieren, in dem wir uns wiederfinden und dabei den Leuten etwas Besonderes zu bieten. In unseren Live-Shows kam das sofort gut an. Dazu kam dann ein bisschen Glück, eine Menge Arbeit und schon jagte zwischen 2008 und 2010 eine Show die Nächste.

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In welcher Stimmung bist Du am Kreativsten?

Am liebsten schreibe ich, wenn es draußen regnet und richtig grau ist. Und es gibt immer wieder diese Momente, in denen es dir richtig schlecht geht, die Momente, in denen alles schief geht und du dich am liebsten einschließen möchtest. Das sind meine kreativsten Phasen. Dann setze ich mich hin und schreibe stundenlang Texte. Ich rufe dann meine Gedanken zurück, die mich beschäftigen. Mein Flehen habe ich zum Beispiel direkt nach der Beerdigung meiner Großmutter geschrieben. Texte sind für mich ein Ventil für die Realität. Würde ich nicht schreiben, dann hätten die Psychologen in meiner Heimatstadt viel zu tun. Ich schreibe überall, früher auf kleinen Zetteln, die überall rumflogen. Heute nutze ich das I-Phone. Das hat den Vorteil, dass ich das Zeug wiederfinde, wenn ich zuhause im Studio bin.

Welche Themen greifst Du in den Songs auf?

Da ist das Zwischenmenschliche und der Schmerz, der dich aus heiterem Himmel trifft. Da ist der Hass, der Dein Blut kochen lässt und die Liebe, die Dich mit einem Schlag hinrichtet. Als Inspiration dienen Erlebnisse und Gefühle, die von Euphorie bis hin zu tiefer Traurigkeit reichen.

Was ist Deine Definition eines guten Songs?

Ein guter Song hat Tiefe, eine Aussage und Bilder, die direkt ins Herz oder ins Hirn gehen. In einem guten Song findet man einen Teil von sich selbst wieder. Der Text und die Musik bilden eine Einheit. Dazu muss ein gute Song natürlich eine eingängige Melodie und einen guten Refrain haben, der nicht nur unterhält, sondern das Anliegen des Songs auch richtig transportiert.

Die Dauer des Albums beträgt knappe 36 Minuten bei durchschnittlichen Song-Spielzeiten zwischen rund zweieinhalb bis vier Minuten. Habt ihr euch bewusst dafür entschieden, die Songs so kurz und kompakt wie möglich zu halten, oder hat sich dies ergeben?

Nein, da gibt es keinen Masterplan, niemand setzt sich bei uns hin und sagt sich, das Ding muss kürzer oder länger sein. Es ergibt sich einfach. Ein Song muss Emotion und Text transportieren und nicht in ein Schema von Zeit und Raum passen.

Deutsche Texte gepaart mit harter Musik sind spätestens seit Rammstein für die deutsche Musiklandschaft nichts Neues mehr. Was macht Stahlmann aus, wo sieht sich Stahlmann und wo will Stahlmann hin?

Stahlmann ist sehr eigen, wenn es um die Optik oder die Vision der Band geht. Stahlmann ist energiegeladen und ungewöhnlich, alles glänzt, aber trotzdem trägt jeder seine Riefen im Herzen nach außen. Wo wollen wir hin? Wir werden einfach weiter unser Ding machen und schauen wohin uns der Ritt dieser Welle führt .

Warum habt ihr euch dazu entschlossen, der Band einen deutschen Namen zu geben und deutsche Texte zu verwenden?

Zum Einen kann ich mich in der deutschen Sprache am besten ausdrücken, zum Anderen stehen wir alle einfach auf deutschsprachige Musik. Wir kommen aus diesem Land, sprechen diese Sprache, daran ist nichts Braunes zu entdecken. Diese Band ist völlig unpolitisch ausgerichtet. Sie ist jedoch kritisch, aber das wars!

Auf der Bühne seid ihr komplett mit silberner Farbe bemalt und erinnert an eine silberne Version der Blue Man Group.

Unser ehemaliger Gitarrist Alex und ich saßen bei einem Döner und einem Bier zusammen und wir überlegten, wie wir unsere Songideen so verpacken, dass sie auf der Bühne so ankommen, wie sie gedacht sind. Irgendwie kamen wir drauf, dass es cool wäre eine veredelte Blue Man Group in Silber zu kreieren und sie so zu verändern, dass sie zu unserem Sound passt. Wir wollten so aussehen wie wir klingen. Und das funktioniert.

Beschreibe doch bitte mal eine Show von Stahlmann.

Sie ist ungewöhnlich, energiegeladen. Und das Dunkel mit einem Silberstreif am Horizont. Du wirst es entweder hassen oder lieben. Dazwischen gibt es nichts.

Ihr habt euch mit den silberfarbenen Gesichtern für ein besonderes Wiedererkennungsmerkmal entschieden, ist das bei Auftritten nicht hinderlich?

Hinderlich ist es nur, wenn man spät dran ist vor einer Show oder wenn man fertig geschminkt von einem Termin zum Nächsten fährt und unterwegs auf der Autobahn einen geplatzten Reifen wechseln muss. Ansonsten ist das Schminken für uns wie ein Ritual, die Vorbereitung auf die Show, das Einstimmen.

Mit was pinselt ihr Euch da eigentlich ein?

Das ist Bodypaintfarbe gemischt mit glänzendem Silberhaarlack, Stahlpuder, Kajal und vielen anderen Dingen. Glaub mir, wenn Du alle Lacke in meinem Gesicht auswendig kennst, dann kannst Du in jedem Baumarkt in der Farben-Abteilung anfangen.

Und das bekommt man dann auch wieder ab?

Wenn Du nach dem ersten Duschen nicht noch irgendwo silber bist, dann warst du definitiv schlecht geschminkt.

Das Material Stahl zieht sich wie ein roter Faden durch Euer Bandkonzept. Was fasziniert Euch an diesem Material?

Stahl ist kalt und hart und kann dabei trotzdem elegant glänzen. Doch wenn Du es wagst ihn zu erhitzen, dann fängt er bedrohlich an zu glühen.

Hat Musik schon immer eine wichtige Rolle in Deinem Leben gespielt?

Ja, eigentlich habe ich mich schon seit meinem 14. Lebensjahr nie für etwas anderes interessiert. Ich hab früher sogar schon in der Schule und später während der Arbeit Texte geschrieben und nur darauf gewartet, sie später mit Musik auszuprobieren. Meine Eltern sagten damals schon, dass ich nur von einem Song zum Nächsten leben würde. Das ist noch immer so.

Haben Dich Deine Eltern dabei unterstützt Musiker zu werden?

Naja, am Anfang waren sie natürlich skeptisch. Aber sie sagten immer, dass ich das durchziehen soll, wenn ich es wirklich will. Mit meiner ersten Gitarre habe ich sie jeden Tag stundenlang gequält. Damals haben sie gehofft, dass das nur eine Phase ist. Und ich glaube, das hoffen sie noch immer.

Das Beispiel Unheilig zeigt, wie positiv sich direkter Fan-Kontakt auf den Erfolg einer Band auswirken kann. Wie wichtig ist es euch, nach Konzerten mit Zuschauern ins Gespräch zu kommen und E-Mail-Anfragen selbst zu beantworten?

Wir beantworten alle Mails selber und werden uns das auch in Zukunft nicht nehmen lassen. Es ist schön zu erfahren, wie ein Song oder auch ein Konzert Menschen bewegt, hilft, erregt oder auch mal richtig sauer macht. Nach den Konzerten feiern wir eigentlich immer mit den Fans. Aber eigentlich nicht, weil es sich positiv auswirken kann, sondern weil es uns Spaß macht und wir ganz schön verfeiert sind.

Ein Blick in die Zukunft: arbeitet ihr schon an einem neuen Album?

Ja, wir haben bereits angefangen neue Stücke zu schreiben und aufzunehmen. Wir experimentieren gerade herum, wie das neue Album klingen soll. Im Moment arbeiten wir jedoch unter Hochdruck an unserer neuen Single "Stahlwittchen", die am 28. Januar erscheint.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Kufa: Stahlmann stellen ihr neues Video vor