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Schweizer Musiker startet den Krefelder Orgelsommer mit viel Tempo

Konzert in St. Cyriakus : Ein Schweizer macht mächtig Tempo beim Orgelsommer

Jean-Christophe Geiser eröffnete die Konzertreihe mit ausgefallenen Klangkombinationen. Der Titulaororganist aus Lausanne hatte sich gut auf die Metzler-Orgel vorbereitet und bot manche Überraschung.

Ein Schweizer Orgelvirtuose – Jean-Christophe Geiser – Titularorganist der Kathedrale von Lausanne und Professor für Orgel an der dortigen Musikhochschule – war der Solist beim ersten Konzert des „Krefelder Orgelsommers 2021“. Da er an der imposanten, 1999 von der Schweizer Firma Metzler erbauten Orgel in St. Cyriakus Hüls spielte, bezeichnete Kantor Heinz-Peter Kortmann in seiner Begrüßung die erfreulich gut besuchte musikalische Stunde als „fest in Schweizer Hand“.

Der Gastmusiker hatte sich offensichtlich ausführlich mit der klanglichen Vielfalt der 49 Register vertraut gemacht. Immer wieder überraschte er mit ausgefallenen Klangkombinationen. Doch am Anfang stand ein monumentales Opus von Johann Sebastian Bach: das weitgehend mit der Wucht des vollen Werkes untadelig präsentierte Präludium e-Moll BWV 548. Dann folgte nicht etwa die dazugehörige Fuge, sondern quasi als Ruhepunkt das Choralvorspiel „Erbarme Dich mein, o Herre Gott“ BWV 721.

Umso aufnahmefähiger war der Zuhörer anschließend für die groß dimensionierte Fuge, in der Geiser bei straffer Temponahme seine staunenswerte spieltechnische Kompetenz unter Beweis stellte.

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Von insgesamt fünf Instrumentalkonzerten anderer Komponisten erstellte Bach eine Orgelfassung – bei dreien dienten ihm Werke Antonio Vivaldis als Vorlage. Am bekanntesten ist die Übertragung des Vivaldi-Konzertes für zwei Violinen und Continuo (RV 522) – BWV 593, das  leichtfüßig und durchsichtig in Hüls erklang. Allerdings ging die Schönheit des ersten Satzes durch ein allzu gehetztes Tempo verloren.

Vom Franzosen Guy Ropartz (1864-1955), einem stark von César Franck beeinflussten Schüler Jules Massenets, stammt ein „Prélude funèbre = Trauerpräludium“, das die  leisen Orgelregister eindrucksvoll zum Klingen brachte. Louis-James-Alfred Lefébure-Wély (1817-1869) war in der Mitte des 19. Jahrhunderts Frankreichs erfolgreichster Orgelvirtuose, der es verstand, den damals beliebten Typus der symphonischen Orgel publikumswirksam mit improvisierten Triumphmärschen, Gewitterszenen und Tänzen in Szene zu setzen. Der „Boléro de concert“ des offensichtlich humorvollen Franzosen verfehlte auch auf der eigentlich eher weniger „symphonisch“ konzipierten Metzler-Orgel nicht seine Wirkung, zumal der Interpret es verstand, den kompositorischen Intentionen mit viel Einfühlungsvermögen zu entsprechen.

„Carillons“ sind auf die Orgel übertragene Turmglockenspiele – zwei aus der Feder Louis Viernes (1870-1937) erklangen zum Abschluss. Besonders beliebt ist „Carillon de Westminster“, das den festlichen, mit reichem Applaus bedachten Schlusspunkt bildete. Das nächste Konzert des „Orgelsommers“ mit Jean Paul Serra findet am Sonntag, 15. August, 18 Uhr, in der Friedenskirche statt. Da die beliebte „Last Night“ am 5. September, 18 Uhr in St. Josef (Stadtmitte) ausverkauft ist, wird sie an diesem Tag zusätzlich um 16 Uhr angeboten.