40 Jahre Förderverein Was Freunde dem Museum schenken

Krefeld · Der Verein der Museumsfreunde wird 40. Er hat den Kunstmuseen den Erwerb von 155 Kunstwerken ermöglicht - von Gerhard Richter bis Shannon Bool. Was besonders schön und was kunstgeschichtlich wichtig ist.

Krefeld: Ausstellung der Kunstfreunde im Kaiser-Wilhelm-Museum
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Wichtige Arbeiten, die die Kunstfreunde erworben haben

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Foto: Petra Diederichs

1983 war ein entscheidendes Jahr für die Krefelder Kunstmuseen. Drei Jahre zuvor hatten sie ihre dritte Spielstätte, das  Haus Esters an der Wilhelmshofallee, eröffnet. In Krefeld war man „Kunst-euphorisch“. Es war die Zeit der großen Umbrüche in der Kunstszene, neue, völlig freie Stilistiken sprudelten hervor, die den theoriebeladenen Strömungen von Konzeptkunst und Minimal Art der 60er/70er Jahre den Rang abliefen. Die Architektur entdeckte die „Postmoderne“, die Kunst war mehr denn je Lebenshaltung. Und in Krefeld war die Bürgerschaft von der Leidenschaft für die Kunst befallen, die sich zu einem der großen Glücksfälle für Stadt und Museen auswachsen sollte: Der Verein der Freunde der Kunstmuseen Krefeld gründete sich.

Das 40. Jubiläum wird in diesen Tagen gefeiert. Eine Ausstellung im Kaiser-Wilhelm-Museum zeigt ab Samstag, 29. April, welche Anschaffungen die Freunde der Kunst innerhalb dieser Jahrzehnte für die Museen ermöglicht haben. Und das bringt große Namen ans Licht: Gerhard Richter, Richard Deacon,Sigmar Polke, Blinki Palermo, Claes Oldenburg, auch Fabian Marcaccio, Mamma Andersson, Candida Höfer, Alan Uglow. Demnächst soll ein 2022 entstandener Jaquard-Teppich „Nachtreiher“ der kanadischen Künstlerin Shannon Bool  dazukommen. „Werner Lange, Gründungsmitglied der Kunstfreunde sagte vor knapp 40 Jahren, das Hauptziel des Vereins sei es, die Kunstmuseen durch zusätzliche finanzielle Mittel zu unterstützen“, erklärt Dieter Porschen, Vorstandsvorsitzender der Museumsfreunde. Die materielle und ideelle Unterstützung gelte noch immer. Porschen: „Wir sind der einzige Verein, der sich der unmittelbaren Förderung von Kunst widmet.“

155 Werke  sind innerhalb der vergangenen 40 Jahre durch die Museumsfreunde - auch mit Unterstützung von Bundes- und Länderstiftungen und privaten Schenkungen - in die Sammlung gekommen. Sylvia Martin, stellvertretende Leiterin der Kunstmuseen, hat 90 davon ausgewählt und zu einer gut abgestimmten Präsentation zusammengefügt. Werke unterschiedlicher Genres und Zeiten treffen zusammen, ergeben Denk- und Assoziationsgefüge, die sich mal rein intuitiv, mal durch gedankliche Kombinationsspiele aufschlüsseln.

Zum Beispiel im Entree: Dort hängen Marionetten, die Eva Kot’atkovà von ihren Strippen befreit hat, auf einer großen Wand - wie Gehängte, willenlose Opfer, die nicht einmal mehr zur Fremdsteuerung taugen. Sie hat in einer Ausstellung im Haus Esters vor Jahren das Thema Rollenspiel, Theater, Reglementierung durch Gesellschaft thematisiert. Den Faden nimmt ein großformatiges Bild von Fabian Marcaccio auf, der mit gepressten Farbsträngen und Seil in „Eric & Dylan“ die toten jugendlichen Amokläufer an der Columbine High School von 1999 darstellt - abstrakt und nur aus einem großen Abstand erkennbar.

Es gibt zahlreiche Zeichnungen von Sigmar Polke - in einem schönen Raum mit vielen Bildern von seinem Freund Gerhard Richter, auch dessen berühmtes Porträt  „Betty“ - das ja eigentlich keines ist, weil die Frau in einer anmutigen Bewegung das Gesicht wegdreht und nur den Hinterkopf zeigt. Manches ist einfach schön. Anderes hat kunstgeschichtlichen Hochrang. Wie das „Lieblingswerk“ von Magdalena Broska aus dem Vorstand. Es ist Imi Knöbels „Hartfaserbild“, das kein Bild ist, sondern Baumarktmaterial auf Holz in unscheinbarem Braun. „Knöbel war in der Beuys-Klasse an der Düsseldorfer Kunstakademie, wo die Ideen des erweiterten Kunstbegriffs entwickelt wurden. Diese Arbeit stellt den traditionellen Bildbegriff in Frage. Deshalb gehört sie in die Sammlung“, sagt Broska

 Eva Kot‘atkovàs Marionetten haben gekappte Strippen, aber eingehauste Köpfe - Symbol einer reglementierten Gesellschaft.

Eva Kot‘atkovàs Marionetten haben gekappte Strippen, aber eingehauste Köpfe - Symbol einer reglementierten Gesellschaft.

Foto: Petra Diederichs
 „Laredo“ von Stefan Ettlinger (l.) und „Ohne Titel“ von Martin Schwenk haben das gemeinsame Thema Natur.

„Laredo“ von Stefan Ettlinger (l.) und „Ohne Titel“ von Martin Schwenk haben das gemeinsame Thema Natur.

Foto: Petra Diederichs
Katia Baudin, Dieter Porschen, Magdalena Broska und Sylvia Martin (v.l.) im Claes-Oldenburg-Raum „Brickbat I, II“.

Katia Baudin, Dieter Porschen, Magdalena Broska und Sylvia Martin (v.l.) im Claes-Oldenburg-Raum „Brickbat I, II“.

Foto: Petra Diederichs

„Ausstellungspolitik und Sammlungserweiterung sind stark verbunden“, sagt Museumsleiterin Katia Baudin. Sie macht in der Regel Vorschläge für Ankäufe. Dann wird diskutiert. „Wir einigen uns immer sehr friedlich“, meint Porschen. Handfesten Streit habe es unter den Mitgliedern nie gegeben. „Wir sind Freunde“, betont Porschen. Zurzeit 160.