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Maskenhelm aus dem Jahr 69 bei Grabungen in Krefeld-Gellep entdeckt

Grabungsfund aus Gellep : Maskenhelm aus der Bataverschlacht entdeckt

Bei der großen Grabung 2017 stießen die Archäologen auf viele rostige Eisenobjekte. Bei der Restaurierung zeigt sich eines als Fragment eines Gesichtsschutz der Soldaten im Jahr 69 nach Christus. Es steckt eine Geschichte dahinter.

Boris Burandt, seit Mai Leiter des Museums Burg Linn, hat allen Grund, die Funde seiner Disziplin als „Überraschungseier“ zu bezeichnen – zu einem vielleicht 30 mal 30 Zentimeter großen rostigen Stück Metall können der Archäologe und seine Mitarbeitenden eine ganze Geschichte erzählen. „Dies ist das große Fragment einer Gesichtsmaske“, sagt Burandt. Und der Blick mit Röntgenstrahlen lässt auch eine eindeutige Zuordnung zu den Batavern, ins Jahr 69 nach Christus, zu.

Damals fand in Gelduba die Bataverschlacht statt.

 Restauratorin Eileen Wolff taucht das eiserne Fragment in eine Natronlauge. Sechs Monate lang muss es darin Metallsalze absondern.
Restauratorin Eileen Wolff taucht das eiserne Fragment in eine Natronlauge. Sechs Monate lang muss es darin Metallsalze absondern. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Bei dem Bürgerkrieg am Rande des Römischen Reiches standen sich gleichmäßig ausgestattete Krieger gegenüber. „Beide Seiten waren nach Standards der römischen Armee ausgerüstet“, so Burandt. Aber: Die römische Armee war multiethnisch zusammengesetzt, und die Soldaten bezogen ihre Identität aus ihrer ethnischen Herkunft. Soll heißen: Die stolze Ausrüstung der Kavallerie ist immer einer bestimmten Zeit und einem bestimmten Stamm zuzuordnen.

 Museumsleiter Boris Burandt, Restauratorin Eileen Wolff und Stadtarchäologe Hans-Peter Schletter präsentieren das Fundstück.
Museumsleiter Boris Burandt, Restauratorin Eileen Wolff und Stadtarchäologe Hans-Peter Schletter präsentieren das Fundstück. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Genauso verhält es sich mit dem Maskenfragment. Material und Form verraten, dass es sich um den Teil eines Maskenhelmes handelt, der im 1. Jahrhundert bei Rhein und Maas, dem Siedlungsgebiet der Bataver, verwendet wurde. Zum Vergleich kann die Replik eines solchen Reiterhelms mit Echthaar herangezogen werden.

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Das Haupt und das Gesicht des Reiters werden mit Metall geschützt; jeder Helm wurde auf Maß gefertigt. Kunstvoll geflochtenes Pferdehaar schmückte den Kopf. Man schätzt, dass allein für die Webarbeiten 150 Stunden Arbeitszeit aufzubringen sind. Dann kommen noch die Schmiedearbeiten hinzu.

Aufgabe des Maskenhelms ist der Schutz für seinen Träger, aber er besitzt zudem eine psychologische Funktion: „Der Krieger wirkt stark und beeindruckend auf seinen Gegner“, sagt Burandt, „er erscheint beinahe gott-ähnlich.“ Mit den kostspieligen Helmen aus glänzendem Metall imponiert man dem Gegner, denn sie spiegeln Reichtum, Luxus und Stärke. Eine Besonderheit dieses Helms: „Der Gesichtsausdruck ist statisch und traurig“, sagt Burandt, „das ist die Mystifizierung des Kriegers.

Alle diese Erkenntnisse sind natürlich nicht aus einem Eisenklumpen allein herzuleiten: Die Aufgabe des Archäologen liegt darin, Zusammenhänge herzustellen, schriftliche Quellen und Vergleichsfunde heranzuziehen und dann die Geschichte dazu erzählen zu können. „Die archäologische Arbeit endet nicht mit dem Ausgraben“, sagt Boris Burandt, „dann geht es weiter mit dem Sichten, dem Restaurieren und schließlich dem Interpretieren.“

Die eigentlich unansehnliche Scheibe wurde als undefinierter Rostklumpen in der Großgrabung von 2017 gefunden. Insgesamt wurden 90.000 Funde gemacht, darunter 10.000 bis 20.000 Eisenfunde. „Sie können nicht alle bearbeitet werden“, erklärt Restauratorin Eileen Wolff. Es muss eine Auswahl getroffen werden. Die vielversprechenden Objekte werden geröntgt, dann kann der Experte erkennen, worum es sich handeln könnte.

An diesem Fundstück kann man den Augenschlitz und die Ohrmuschel erkennen. Allerdings hat es die Wölbung um den Kopf seines Besitzers herum verloren. „Das muss unmittelbar nach dem Kampfgeschehen passiert sein“, sagt Stadtarchäologe Hans-Peter Schletter, „die Korrosion hat erst danach eingesetzt.“

Übrigens ist es eine Besonderheit, dass so viele eiserne Fundstücke erhalten geblieben sind. Grund dafür ist zum einen die Bodenbeschaffenheit der Rheinterrassen: „Der Boden ist nicht sauer“, sagt Burandt. Andernfalls würde das Metall zersetzt. Zum anderen hat es hier kein ausgeprägtes Recycling der Metalle gegeben, wie es etwa rechtsrheinisch in Kalkriese der Fall war. Dort plünderten die Anwohner das Schlachtfeld nach dem Kampfe und sammelten die wertvollen Dinge zur Weiterverwendung ein. In Gelduba wurden das Schlachtfeld und die Feldlager weiter verwendet.