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Krefeld Schreibwerkstatt im Literaturhaus fördert Kinder

Kinder im Literaturhaus Krefeld : Schreiben heißt, die Meckertante besiegen

Wer eine Geschichte erfinden will, braucht Fantasie. Aber es gibt Tricks, die helfen können, wenn im Kopf gerade keine Idee ist. Wie’s geht, haben sechs Kinder im Literaturhaus erfahren. Schreibblockaden haben viel mit einer Meckertante zu tun.

Das Niederrheinische Literaturhaus öffnet seine Türen regelmäßig für Kinder, wenn es die Reihe „Ohren aufgeklappt“ veranstaltet. Die jungen Besucher spitzen ihre Ohren, bekommen das Neueste aus der Welt der Kinder- und Jugendbücher vorgelesen. In diesem Jahr wurde zusätzlich und erstmals eine Schreibwerkstatt installiert: Unter Anleitung der Autorin Aygen-Sibel Çelik konnten Kinder bis zwölf Jahre sich im Schreiben üben. 

Sechs Kinder haben sich angemeldet: Zwei Brüder, zwei Freunde und zwei Mädchen, die sich vorher nicht kannten. Alle haben für den vierstündigen Nachmittag ein I-Pad ausgeliehen bekommen, mit dem sie sich an einen der roten Tische setzen. Çelik hat alle miteinander vernetzt: In der virtuellen Bibliothek wird die Gruppe noch weitere 14 Tage miteinander verbunden sein.

 Aygen-Sibel Çelik leitet die Schreibwerkstatt
Aygen-Sibel Çelik leitet die Schreibwerkstatt Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

In mehreren Schritten nähern sie sich ihren Geschichten. Da gibt es Inspirationsquellen wie Bilder oder Filmmusik als Gegengewicht zur inneren Meckertante. So eine habe jeder in sich, der sich kreativ entfalten möchte. Und müsse erstmal den Umgang mit ihr lernen. „Die Meckertante blockiert das Schreiben, weil sie immer kritisiert“, sagt Aygen-Sibel Çelik. Man kann ihr gut begegnen, wenn man sich selbst vertraut, Schreibfehler erstmal unwichtig findet und lernt, loszulassen. „Ich hab die Gedanken freigelassen“, sagt ein Junge. So sind alle mit ihren Ideen und Wörtern in den Fluss gekommen. „Ich hab sie eingesperrt“, sagt der eine und bei der anderen: „Die Meckertante gibt es nicht mehr.“

 Praise (9 Jahre)
Praise (9 Jahre) Foto: Lammertz, Thomas (lamm)
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Siegreich im Kampf gegen die Hemmschwelle im Innern haben die Kinder noch zwei andere Möglichkeiten kennengelernt. Musik kann eine Hilfestellung sein: „Beschreibt, was ihr seht, wenn ihr die Musik hört“, sagt Çelik. Oder: „In was für einer Landschaft könnte das sein?“ Schwuppdiwupp ist man in einer Geschichte, die man aufschreiben kann. Voller Magie oder mit Realitätsbezug.

  Joud (9 Jahre)
 Joud (9 Jahre) Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Oder die Schreiber benutzen eine Postkarte. Çelik hat welche auf dem Flügel im Literaturhaus ausgelegt, und jedes Kind darf sich eine aussuchen. Der zwölfjährige Ensar Bahçi hat eine Fotografie ausgewählt. Darauf sind Großmutter, Mutter und Kind, ungefähr vorige Jahrhundertwende, zu sehen. Ensars Geschichte dazu spielt 1931 im türkischen Izmir und berichtet von einem Mann, der als Gastarbeiter nach Deutschland ging. „Ich werde Deinen Bruder finden“, verspricht der Erzähler der Großmutter und hat damit den Cliffhanger für die Fortsetzung als Reisegeschichte. Auf wunderbare Weise verquickt der junge Schreiber Familiengeschichten mit optischen Eindrücken. Er hat übrigens schon Erfahrung: „Ich schreibe auch in der Schule Geschichten“, sagt Ensar. 

 Mika (11 Jahre)
Mika (11 Jahre) Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Sein Bruder hat sich von derselben Postkarte inspirieren lassen und man merkt es deutlich: „Die Idee ist einmalig – es kommt darauf an, was die Person daraus macht“, sagt Çelik. Und so ist das Vorlesen der bisher erfundenen Geschichten ein reicher Quell sehr unterschiedlicher Ideen und Formulierungen. „Alle Kinder haben sich für das Deutsche entschieden“, sagt Çelik, die bei Zwei- oder Mehrsprachigen mit Hilfe eines elektronischen Übersetzers zum Schreiben anleitet. Jede Sprache ist hier erlaubt.

 Hamza (10 Jahre)
Hamza (10 Jahre) Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Die sechs Kinder im Literaturhaus haben Spaß gehabt – „ich fand es schön, sehr besonders“, – sind ein bißchen erschöpft und zeigen sich überzeugt wie der neunjährige Joud Jabban, Marienschule: „Ich schreibe weiter.“ Mika und Lara, die Brüder Ensa und Hansa, die Klassenkameraden Joud und Praise haben jetzt noch zwei Wochen Zeit, um an ihren fantasievollen, fantastischen oder realistischen Geschichten weiterzuschreiben. Oder Gedichte zu verfassen. Dann werden ihre Werke in der Mediothek ausgestellt - ausgedruckt oder in digitaler Form.